Pächter Stephan Kempf muss das letzte Lokal des Ortes in Bornheim schließen. Am Aschermittwoch 2027 fließt das letzte Kölsch.
„Bis zuletzt gekämpft“Das Schicksal der Marktschänke in Roisdorf ist besiegelt

Stephan Kempf und Andrea May müssen schweren Herzens die Marktschänke schließen.
Copyright: Frank Engel-Strebel
Am Aschermittwoch, der 2027 auf den 10. Februar fällt, ist im wahrsten Sinne des Wortes alles vorbei. Danach wird das Traditionslokal „Marktschänke“ im Rosental hinter dem Roisdorfer Bahnhof endgültig seine Türen schließen und damit das letzte Kölsch gezapft sein.
Damit endet eine 23-jährige Ära: Seit vergangener Woche wissen Pächter Stephan Kempf und seine Lebensgefährtin Andrea May, dass das Schicksal der Schänke besiegelt ist.
Pächter bedankt sich bei Gästen, Freunden und Unterstützern
Am Sonntag veröffentlichte Kempf einen emotionalen Post in den sozialen Netzwerken und machte die Entscheidung öffentlich. Von einem „schweren Abschied“ ist darin die Rede, versehen mit einem schwarzen Trauerherz-Emoji.

Über diese Theke ging so manches Kölsch.
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Kempf dankte in seiner Nachricht allen Gästen, Freunden und Unterstützern der Kneipe für ihr monatelanges Engagement, das Lokal doch noch zu retten: „Diese Zeilen zu schreiben, fällt mir unendlich schwer. Ich habe bis zuletzt gekämpft, Gespräche geführt und versucht, Wege zu finden, damit die Marktschänke weiter bestehen kann. Aber irgendwann kommt ein Punkt, an dem man sich eingestehen muss, dass die Kraft nicht mehr zum Widerstand ausreicht — weder physisch noch emotional. Eure Anteilnahme, eure Solidarität und die vielen persönlichen Nachrichten haben mich tief berührt. Zu sehen, was die Marktschänke den Menschen bedeutet, war überwältigend.“
Besonders dankte der 60-jährige Gastwirt seiner Partnerin Andrea May (49), und seinen Freunden, darunter Frank Koch und Ralf Schumacher, der eine Online-Petition zum Erhalt des Lokals gestartet hatte. Mit der Schließung der „Marktschänke“ verlieren auch zwei festangestellte Mitarbeiter und zehn Aushilfen ihre Jobs: „Ihr wart über all die Jahre weit mehr als nur Mitarbeiter. Ihr wart Familie. Mit eurem Einsatz, eurer Treue und eurem Herzblut habt ihr die Marktschänke zu dem gemacht, was sie war. Besonders berührt mich, dass ihr bis zum letzten Tag an meiner Seite stehen werdet. Das ist alles andere als selbstverständlich.“
Vorsitzender der Heimatfreunde Roisdorf zeigt sich betroffen
Mit dem Aus der Marktschänke verliert der Vorgebirgsort gleichzeitig auch seine letzte Gaststätte überhaupt sowie einen historischen Ort „voller Erinnerungen Geschichten und Gemeinschaft.“ Zu wissen, dass dieser Ort irgendwann verschwindet, schmerze Kempf „unheimlich“.
Betroffen zeigte sich auch Ernst Gierlich, Vorsitzender der Heimatfreunde Roisdorf, der sich gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Gewerbevereins, Harald Stadler, über Monate für den Erhalt der „Marktschänke“ eingesetzt hatte: „Die ohne Rücksicht auf die Marktschänke von Stadt und Edeka-Konzern bereits im vergangenen Jahr getroffenen Absprachen hinsichtlich des ehemaligen Roisdorfer Versteigerungsgeländes waren nicht mehr zu revidieren oder auch nur abzumildern.“
Benachbartes Gebäude rückt in den Fokus
Gierlich zollte Kempf Respekt für sein Engagement: „Für ihn und seine treuen Mitarbeiter ist zu hoffen und zu wünschen, dass sich neue berufliche Perspektiven finden lassen.“ Gleichwohl gelte es nun, in die Zukunft zu schauen: Der sogenannte „Initiativkreis Roisdorf“, der sich inzwischen gebildet hat, werde sich fortan auf das der Marktschänke benachbarte, im Eigentum der Stadt Bornheim befindliche Gebäude der ehemaligen Roisdorfer Versteigerungsverwaltung konzentrieren.
Hierzu seien Gespräche mit der Stadt geplant. Das Ziel: Erhalt und neue Nutzung der zwar derzeit verwahrlosten, aber – nach Auffassung nicht nur der Heimatfreunde – denkmalwerten und instandsetzungsfähigen Anlage. Es ließe sich dort in Zusammenarbeit von Stadt, örtlichen Initiativen und Investoren durchaus ein Zentrum für kulturelle Zwecke, für Aktivitäten der Ortsvereine, auch sportlicher Art, im Idealfall sogar ein neues Gastronomieangebot für Roisdorf einrichten.
Wie es für Kempf und May beruflich weitergeht, wissen die beiden noch nicht. Kempf fordert seine Gäste auf, die verbleibende Zeit gemeinsam zu genießen: „Und wer weiß, vielleicht geschieht ja auch noch ein Wunder oder es geht an einer anderen Stelle eine Tür auf und wir machen da weiter.“
