Abo

Müllberge im Rhein-Sieg-KreisAltkleidercontainer am Limit

5 min
Kleider und Müll liegen verstreut vor vollen Altkleidercontainern.

Müllberge vor den Altkleidercontainern in Meckenheim am Neuen Markt.

Standorte von Altkleidercontainern sehen aus wie Müllhalden. Die Ursachen sind vielfältig: Eine EU-Verordnung stiftet Verwirrung, Fast Fashion fordert ihren Tribut. Dabei brechen Absatzmärkte für Altkleider weg.

Der Anblick ist einfach schauerlich. Lose Kleidungsstücke liegen gleich stapelweise um volle Altkleidercontainer herum, ebenso verdreckte, nasse, einzelne Schuhe, aufgerissene Tüten, gerne auch mal Müll oder alte Elektrogeräte. Die Malteser haben schon Bücher und Tretroller in den Sammelbehältnissen gefunden, die eigentlich dazu da sind, eine Zweitverwertung gebrauchter Kleidung zu ermöglichen. Der ganze Müll stellt Hilfsorganisationen wie die Arbeiterwohlfahrt und den Malteser Hilfsdienst vor immer größere Probleme, das Deutsche Rote Kreuz hat schon abgewunken und im Kreisgebiet 50 Container abgezogen. Müll an Kleidercontainern gab es schon immer, aber seit einer neuen EU-Verordnung ist es besonders schlimm, sagen die Beobachter. Die Hotspots: Meckenheim und Bornheim.

Das sagen die Malteser

 Container-Standort Neuer Markt, Meckenheim: Hier stehen vier Altkleidercontainer des Malteser Hilfsdienstes. Alle proppenvoll, Säcke wurden noch hineingestopft, dass die Klappen nicht mehr schließen, Kleidung und Müll liegen ringsherum. „Es nimmt überhand, man kommt überhaupt nicht mehr hinterher“, beschreibt es Daniela Egger, Referentin des Malteser Hilfsdienstes in der Diözesangeschäftsstelle Köln. „Vielleicht wissen viele nicht, wohin mit kaputten Kleidungsstücken“, vermutet Eggers. Aber es müsste doch klar sein, dass sie nicht in den Container gehören. Missverstanden werde wohl, dass kaputte und verschmutzte Textilie nach wie vor Restmüll sind.

„Der Müll muss von uns entsorgt werden und ist wieder ein Kostenfaktor“, sagt Egger. Dazu komme, dass Sortierunternehmen die gesammelten Textilien kaum noch gewinnbringend weiterverkaufen könnten. Die Lager sind überfüllt, die Erlöse für gemeinnützige Sammler wie die Malteser sind sehr gering. Die Einnahmen aus der Altkleidersammlung fließen direkt in soziale Projekte, etwa in die Versorgung obdachloser Menschen, die Unterstützung von Familien in Notlagen, die Hospizarbeit oder die Ausbildung von Ehrenamtlichen. Je mehr Müll entsorgt werden muss, desto weniger Geld bleibt für den eigentlichen Zweck.

Auch bei den Maltesern stehe die Sammlung von Alttextilien auf der Kippe, so Egger. Ohne kurzfristige Unterstützung müssten auch sie ihre Container abziehen – das sind in der Diözese Köln zurzeit 534, bundesweit betreiben die Malteser rund 7000 Container (Stand Juni 2025) und sammeln jährlich mehr als 25.000 Tonnen Alttextilien. Die Hilfsorganisation appelliert, keine Altkleider neben volle Container zu stellen, sondern zu warten, bis der Container geleert wurde, oder einen anderen Standort zu nutzen!

Meckenheim
Altkleidercontainer Mittelstraße quillen über

Standort Mittelstraße Meckenheim: Die Container quillen über, Müll auch hier.

Auch aus Sicht der Stadt Meckenheim hat sich „die Lage seit der Änderung der EU-Vorgaben stark verschärft“. Im Stadtgebiet gibt es insgesamt acht Altkleidercontainerstandorte im öffentlichen Verkehrsraum, die von der RSAG oder den Maltesern betrieben werden, weitere Altkleidercontainer anderer Anbieter, zum Beispiel der AWO, sind auf privaten Flächen aufgestellt.

Das sagt die AWO

 Container-Standort Mittelstraße, Meckenheim: dasselbe Bild. Hier liegt auch noch ein Matratzenschoner daneben und es sieht so aus, als seien die Plastiktüten aufgerissen worden auf der Suche nach Brauchbarem. Die beiden grünen Container sind von der RSAG, der Rhein-Sieg-Abfallwirtschafts-Gesellschaft, aufgestellt worden und werden vom AWO Kreisverband Bonn/Rhein-Sieg geleert. Auch Katja Ruiters, Betriebsleiterin Eingliederungshilfe und Arbeit beim Kreisverband, geht zum Teil von einer missverstandenen EU-Verordnung aus, sieht rücksichtlose Vermüllung aber auch als gesellschaftliches Problem. „Die Menschen nehmen ihre Tüten nicht wieder mit, wenn die Container voll sind.“ Noch nie habe die AWO so viele Meldungen bekommen, dass wieder Container überlaufen, dabei seien Meckenheim und Bornheim die Hotspots. Hineingeworfen werde alles, egal wie zerfetzt oder verschmutzt die Textilien sind. Mittlerweile bestehe das Sammelgut zu 30 bis 40 Prozent aus Müll.

Wilder Müll liegt vor den Altkleidercontainern im Gewerbegebiet Kardorf.

Wilder Müll liegt auch vor den Altkleidercontainern im Gewerbegebiet Kardorf.

Bei der AWO ist die Kleidersammlung zugleich ein Integrationsprojekt: 20 Mitarbeiter, die Hälfte von ihnen schwerbehindert, ist darin eingebunden. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein in der Arbeit mit behinderten Menschen, es dient der Förderung von Personen, die aufgrund ihrer Behinderung aber auch altersbedingt, wegen Langzeitarbeitslosigkeit oder mangelnder Qualifikation besondere Unterstützung benötigen. Die Mitarbeiter sind sozialversichert in der Kleidersammlung tätig, sie transportieren das Sammelgut, sortieren es per Hand, säubern die Container und der Stellplätze. „Aber Müll sortieren ist nicht ihre Aufgabe“, unterstreicht Katja Ruiters.

Zusätzlich zum eigenen Containernetz ist die AWO inzwischen auch der größte Partner der RSAG in Sachen Altkleider. „Aber der Markt ist total zusammengebrochen“, so Katja Ruiters. Es werde versucht, eine möglichst hohe Tonnage zu verkaufen, früher gab es rund 400 Euro pro Tonne, heute könne man die Ware fast umsonst abgeben. Die Ursachen für den Preisverfall sind vielfältig: Ein Überangebot an Alttextilien bei gleichzeitig stagnierender Nachfrage, wegbrechende Exportmärkte insbesondere in Osteuropa und Afrika durch neue Regulierungen und Importbeschränkungen sowie eine sinkende Qualität der abgegebenen Kleidung führen zu steigenden Kosten für Sammlung, Sortierung und Entsorgung, die nicht mehr durch Verkaufserlöse gedeckt werden können.

Das sagt die RSAG

 „Auch die RSAG spürt die Auswirkungen der angespannten Marktlage: Das Sammelaufkommen steigt, ebenso wie Fehlwürfe und wilder Müll an den Containerplätzen. Dies macht die Sammlung anspruchsvoller“, erklärt Kristin Huesmann von der RSAG-Unternehmenskommunikation. „Sobald Tüten, Taschen und Co. mit Kleidung neben die Altkleidercontainer gestellt werden, gilt dies als wilder Müll, der kostenpflichtig entsorgt werden muss. Die Kleidung, die damit nicht mehr witterungsgeschützt ist und quasi auf der Straße steht, verschmutzt zunehmend und ist nicht mehr weiter nutzbar. Diese muss als Restmüll entsorgt werden.“ Heißt das bald auch höhere Müllgebühren? Huesmann dazu: „Wilder Müll ist mit einem höheren Zusatzaufwand verbunden, zusätzliche Mengen wirken sich daher perspektivisch auch auf die Müllgebühren aus.“ Sie sieht noch einen anderen Grund für die Müllberge: „Der wachsende Einfluss von Fast Fashion. Kleidung wird immer schneller aussortiert und entsorgt.“