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ParteitagJan Griskewitz löst Frederik Schorn als FDP-Vorsitzender im Kreis Euskirchen ab

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Frederik Schorn verlässt mit der Kaffeetasse in der einen und der Aktentasche in der anderen Hand die Bühne. Links vom ihm sitzen Präsidiumsmitglieder, im Vordergrund Besucher des Parteitags.

Der Abgang: Frederik Schorn gibt sein Amt als Kreisparteichef ab und verlässt die Bühne.

Die FDP sei wichtig und unverzichtbar, betonten die Redner auf dem Kreisparteitag. Die Mitglieder wählten Jan Griskewitz zum neuen Vorsitzenden.

Knapp zwei Wochen, nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz nach der für die Liberalen desaströsen Landtagswahl in Baden-Württemberg die Todesdiagnose für die FDP getroffen hatte, traf sich der Kreisverband Euskirchen zum alljährlichen Parteitag im Pfarrheim in Mülheim. Ob mit der Wahl des Versammlungsortes göttlicher Beistand für das Wahlergebnis am nächsten Tag in Rheinland-Pfalz gesichert werden sollte, blieb unausgesprochen. Wie so vieles.

Denn auch wenn sich die aus dem Vorstand ausscheidenden Frederik Schorn und Thomas Müller Luft machten und der neue Kreisvorsitzende Jan Griskewitz Stellung bezog, blieb der Aufschrei der Basis aus. Wie bereits beim Kreisparteitag nach der Bundestagswahl 2025, als die FDP an der Fünf-Prozent-Hürde scheiterte, gab es niemanden unter den Mitgliedern, der in der Aussprache seine Meinung kundtun wollte. Der Rest war Schweigen und Parteitagsbusiness as usual.

Klare Linien und neues Personal gefordert

Vor allem Thomas Müller, bisher als Kassierer in Kreisvorstand aktiv, fand deutliche Worte über den Zustand der Partei. Es brauche klare Linien und neues Personal, forderte er. Diskussionen sollten nicht öffentlich über Twitter, sondern innerparteilich ausgetragen werden.

„Ich bin bereit, weiter für die FDP zu kämpfen, aber mit mehr Basis und weniger Versagern“, sagte er. Schon die NRW-Wahl mit ihrem katastrophalen Ergebnis sei bis heute nicht aufgearbeitet worden. „Ich kann diese Leute nicht mehr sehen. Sie haben es verkackt, und mich nervt es, dass die gleichen Leute sehr wahrscheinlich jetzt schon wieder in die Verantwortung kommen“, schimpfte er. Und: „Wir kriegen es nicht hin, neue Gesichter nach vorne zu bringen.“

Wir Liberale aber sind Optimisten.
Frederik Schorn

So hätten Leute aus Köln mehr Chancen als zum Beispiel Kandidaten aus dem Kreis Euskirchen. Der Parteivorsitzende Christian Dürr sei ein feiner Kerl mit großen Verdiensten. Jedoch, so Müller: „Christian Dürr ist einer der Architekten der Ampel. Ein erfolgreicher Neustart war immer unrealistisch.“ Er finde, Dürr sollte mit dem Bundesvorstand zurücktreten, damit der Bundesparteitag im Mai einen Neuanfang beschließen könne.

Ansonsten waren alle Redner bemüht, zu betonen, wie wichtig und unverzichtbar die FDP allgemein und wie lebendig sie im Kreis Euskirchen sei. „Ein Comeback der FDP ist für diesen Schuldenkanzler Friedrich Merz das Worst-Case-Szenario“, so Schorn. Ein Land, in dem nur der Staat und die Behörden wachsen, während die Wirtschaft stagniere, sei ein Land im Abstieg: „Wir Liberale aber sind Optimisten.“

Die Lage im Kreis Euskirchen sei erfreulich

Und so sei die Situation der Partei im Kreis immer noch erfreulich, sagte Schorn. Die Mitgliederzahl liege weiterhin bei rund 300, die Beteiligung am Parteitag sei mit über 40 Personen ähnlich wie in den Vorjahren. Doch im Kreis sei zu merken, was es bedeute, wenn die FDP keine Verantwortung mehr trage – nach der Kommunalwahl war die Liste mit CDU und UWV Geschichte. Denn während in den Kommunen Stellen nicht besetzt seien, sei der Kreis einer der größten Arbeitgeber im Kreisgebiet.

Dass Schorn nach 16 Jahren im Vorstand nicht mehr zur Wiederwahl als Vorsitzender antrat, begründete er mit seiner Absicht, beim Bezirksparteitag für den Vorsitz des Bezirks Aachen und damit die Nachfolger von Markus Herbrand zu kandidieren, was auch den Einzug in den Landesvorstand bedeuten würde. Mit ihm verließ auch Thomas Müller, bisher als Schatzmeister aktiv, den Vorstand.

Er begründete sein Ausscheiden damit, dass er sich mehr auf seine junge Familie konzentrieren wolle, zudem auf seine Aufgaben als Ortsvorsteher von Sötenich und Rinnen, als Ratsmitglied in Kall und Mitglied des Kreistags. Zum Nachfolger von Schorn wurde der 28-jährige Jan Griskewitz aus Schleiden gewählt. Auch wenn die Gesamtpartei in der Krise stecke, übernehme er einen starken und in sich geschlossenen Kreisverband, sagte er. Deutschland brauche dringend Reformen und eine andere Finanz-, Sozial- und auch Rentenpolitik.

„Wir verwalten uns in Deutschland zu Tode, das Geld versickert in der Bürokratie statt unseren Bürgern effektiv zu helfen“, sagte er angesichts von 52 Sozialleistungen, die in 29 Behörden verwaltet werden. „Wir sind die einzige Partei, die sich im Zweifel für die Freiheit entscheidet“, zitierte Griskewitz den vor zehn Jahren verstorbenen Guido Westerwelle. Der Bürger müsse erkennen, dass es eine liberale Partei in Deutschland brauche. Er sei davon überzeugt, dass der Kreisverband Euskirchen eine solide Basis für ein echtes Comeback der FDP sei.


Annegret Milbert mit Theodor-Heuss-Medaille geehrt

Neuer Kreisvorsitzender ist Jan Griskewitz, seine drei Stellvertreter sind Oliver Totter, Petra Kanzler und Christof Milischewski. Neuer Kassierer ist Sven Rollinger. Beisitzer sind Thomas Scholzen, Britta Schiffer, Lukas Krüger, Dr. Christoph Krebs und Timo Zander. Langjährige Mitglieder wurden beim Parteitag geehrt.

Neben Jan Griskewitz (l.) stehen (von rechts) Markus Herbrand, Ursula Schubert-Sarellas und Annegret Milbert.

Der neue Vorsitzende Jan Griskewitz (l.) ehrte langjährige Mitglieder.

Für 50 Jahre erhielt die ehemalige Kreisgeschäftsführerin Annegret Milbert die Theodor-Heuss-Medaille in Gold. Geehrt wurde für 40 Jahre Mitgliedschaft Ursula Schubert-Sarellas. Der ehemalige Bundestagsabgeordnete Markus Herbrand wurde für 25-jährige Mitgliedschaft geehrt.