In der „Hölle von Vettweiß“ bebt wieder der Boden: Fünf Mädchensitzungen, 1940 Jecke pro Tag – und Stimmung wie im Kölner Karneval.
66.000 jecke AnfragenSo heiß wird in der Hölle von Vettweiß Karneval gefeiert

Stimmungsmacher sein für 1940 jecke Wiever: Für Cat Ballou-Sänger Oliver Niessen war das kein Problem.
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Und wieder kochte die Stimmung über in der „Hölle von Vettweiß“. Zu den fünf Mädchensitzungen und zum „Männerstammtisch“, allesamt ausverkauft, kamen jeweils die maximal möglichen 1940 Jecken. Und der ausgelegte Bretterboden im Riesenzelt bebte.
„Toppen wir die Arena?“ Marita Köllner, „et Fussich Julche“, stand auf der Bühne der „Hölle von Vettweiß“, wie sie es seit vielen Jahren tut, und erntete als Antwort einen Riesenjubel im Zelt bei der zweiten von fünf Mädchensitzungen der KG Vettweiß in einer Woche. Es ist wieder Zeit für die „Hölle von Vettweiß“. Also bildete sich flugs aus den Bankreihen heraus eine närrische Polonaise.
Die Messlatte für die Lachende Kölnarena wird in Vettweiß gelegt
Durch die beiden Zugänge zum Zelt hinaus ging's ins Vorzelt, wo wie gewohnt die „Weißröcke“ der veranstaltenden KG nach ihrem kurz zuvor beendeten Aufzug zu Beginn des jecken Nachmittags noch ihr Bierchen tranken, um sie herum, und wieder hinein ins Zelt. Sollen die Besucher der „Lachenden Köln-Arena“ es doch erst mal besser machen, lautete die Botschaft aus der „Hölle“ nach Köln.
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Solche rekordverdächtigen Stimmungsnachweise sind für die „Hölle von Vettweiß“ normal. Wenn es hier besonders hoch hergeht, dann bebt und schwingt der Bretterboden so stark, dass man um die Standfestigkeit von Gläsern und Flaschen auf den Tischen fürchten muss. Um die der jecken Frauen eher weniger. Die sind vielmehr im Karnevalsrausch. Es wird geschunkelt, gesungen, die Handykameras sind gezückt. Viele der aus einem Umkreis von 100 Kilometern angereisten Jecken sind schon seit Jahren bei einer der fünf Mädchensitzungen dabei. Ruhestörungsfrei wird am Ortsrand von Vettweiß zwischen 15 und 21.30 Uhr gefeiert. Männer sind nur Akteure oder als Abholdienst erwünscht.

Teuflisch jecke Kostüme: Man beachte bitte die wuchtigen Hörner, meinten die vier „Ziegen“ aus Keldenich.
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Peter Brings fordertt die Jecken auf, den Liedtext mitzusingen. In der „Hölle von Vettweiß“ war das natürlich keine Frage.
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Rekordverdächtig: Die „Höllen“-Polonaise im Festzelt.
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„Das ist eine Stimmung wie im schönsten Kölner Karneval! Hier aber kommen die Kellner schnell, da kann man in Köln lange warten“, meinte etwa Dany von der KG Desteniche Heedmösche, die mit Freundin Christina zum achten Mal in Folge nach Vettweiß gekommen ist.
Unterdessen näherte sich der erste Teil des Programms langsam seinem Ende. Nach Martin Schopps' eher zur Kenntnis genommenem Auftritt und nach Marita Köllners fraglosem Erfolg – sie ist ein Liebling des Höllen-Publikums – versuchte sich „Achnes Kasulke“ mit Satire. „Das Problem beim Abnehmen ist ja: Fett kommt an Stellen, da kommt Sport nicht hin“, zog sie das Fazit aus ihren Selbstversuchen – mittellustig.
Wir wollen, dass es auf jeden Fall eine richtige Sitzung bleibt.
„Wir wollen, dass es auf jeden Fall eine richtige Sitzung bleibt, deshalb haben wir zu Beginn die Redner und später auch unsere Showtanzgruppe und den Musikverein TC Wyss sowie immer den Auftritt einer großen Garde aus dem Kölner Karneval“, verteidigte KG-Vorsitzender Peter Eversheim das Konzept.
Im Zelt spürte man da keinen Widerstand. Manche Redner sind gut, manche weniger – das wissen die Veranstalter, wenn sie länger als ein Jahr im Voraus buchen müssen, auch nie so genau. Nun ja. Die Programmabfolge ist bei den Jecken bekannt, und schließlich wurde Sitzungspräsident Torsten Hubin deutlich: „Ja Mädels, jetzt heißt es für die nächsten vier Stunden: Rambazamba!“

Selbst Pfeifenreiniger wurden zum närrischen Kopfschmuck.
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Im „Tunnel“: Marita Köllner auf dem Weg zur Bühne.
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Cat Ballou erreichten ansatzlos stimmungsmäßig den Siedepunkt in der „Hölle von Vettweiß“. Sänger Oliver Niesen und die Band gaben ihr Bestes. Auch Niesen beherzigte wie bei vielen „Höllen“-Auftritten zuvor: Hier wird voller Bühneneinsatz erwartet.
Vier „Ziegen“ aus Keldenich wussten das zu schätzen. Henriette, Sarah, Christina und Nadine hatten sich aus Styropor Hörner gebastelt und an Haarreifen befestigt, dazu viel Klebeglitter im Gesicht. Natürlich war das Quartett nicht zum ersten Mal hier. Das galt auch für fünf „hippe Omas“ in Klamotten mit Deko – mal als „Gucci-Oma“, mal als Variante mit Stofftierchenumhang – ein paar Tische weiter.
Vorfreude bevor die Wiever überhaupt im Zelt sind
Andrea, Stephanie, Susanne, Bettina und Nadine kommen aus Düren. Sie sei Kölnerin, meinte Nadine, dann nach Düren gezogen und von dieser Stadt tief enttäuscht: „Die haben keinen richtigen Karneval.“ Aber dann ging es das erste Mal mit den Freundinnen nach Vettweiß. Seitdem ist für sie die Session gerettet: „Die ganze Atmosphäre hier, die prominentesten Bands aus Köln, und die Wahnsinnsstimmung!“
Solche Urteile konnte man bei den jecken Frauen im Zelt reihenweise einsammeln. Auch bei 18 Euskirchenerinnen, die bunte Pfeifenreiniger als Kopfschmuck trugen. Die Clique sei im 15. Jahr im Vettweißer Sitzungskarneval dabei, meinte Michaela: „Wir haben schon Vorfreude, bevor wir hier sind. Wir frühstücken gemeinsam, stimmen uns ein, dann geht es los.“
Apropos Oma: Eine andere und echte ist Waltraud aus Flamersheim. Die 80-Jährige ist seit 23 Jahren überzeugte „Höllen“-Besucherin, wie sie betonte. Das sei einfach das Schönste im Karneval. Katharina und Clara, ebenfalls aus Flamersheim, hatten die Seniorin in diesem Jahr nach Vettweiß begleitet. Waltraud war selig: Ganz nah an der Bühne stand sie und wurde von Domstürmer-Sänger Michael „Micky“ Nauber geherzt. Nauber erkannte sofort, dass für die Flamersheimer Oma der Karneval ein Teil ihres Lebens ist.
Nach Cat Ballou und den Domstürmern sorgten an diesem Nachmittag vor den Auftritten von Kasalla, Klüngelköpp und Miljö die Männer von Brings dafür, dass die „Höllenstimmung“ brodelte.
66.000 Anfragen und vielleicht eine Zusatzsitzung
Der Andrang auf Eintrittskarten für die Sitzungen in der „Hölle von Vettweiß“ ist enorm: Peter Eversheim, der Vorsitzende der Karnevalsgesellschaft Vettweiß, strahlte mit Grund: „Wir haben um die 60.000 Kartenanfragen für unsere fünf Mädchensitzungen, an die 6000 für den Männerstammtisch.“ Doch nur für 11.640 Besucher ist Platz im Zelt bei den sechs Veranstaltungen zwischen dem 9. und 16. Januar.
Die Karnevalsgesellschaft, die in dieser Session das närrische Jubiläum ihres 88-jährigen Bestehens feiert, überlegt nun, ob sie noch einen zweiten „Stammtisch“ für die jecken Herren an den ersten anhängen soll. Dann aber sei das Machbare ausgereizt, so Eversheim: „Denn dann geht das Zeitfenster für den Abbau, das wir nach der letzten Sitzung haben, zu. Am Montagnachmittag muss das Zelt nach Mönchengladbach-Holt, da ist es gebucht.“
Wie gewohnt, konnten er und der KG-Vorstand sich aber auch in diesem Jahr zuvor auf die Unterstützung ihrer Vereinsmitglieder verlassen. Am 12. Dezember hatten sie mit der Vorbereitung des Festplatzes begonnen, ab dem 20. Dezember waren es „an jedem Samstag“ 30 Leute, die mit angepackt haben.
Während der Veranstaltungswoche sind es täglich bis zu 40 Helfer, die zwischen 9 und 11 Uhr am Vormittag das Zeltmobiliar reinigen und wieder herrichten. Bevor dann der Einlass beginnt, wird gemeinsam auf Einladung des Festzeltwirtes gefrühstückt. „Das ist für unsere KG-Familie ein besonders schöner Termin“, ist Peter Eversheim dankbar.
Nach der „Höllenwoche“ ist dann schnell vor der nächsten: Die offizielle Kartenvorbestellung für die Session 2027 findet am Samstag, 31. Januar, ab 9 Uhr (Zeitfenster geht über den ganzen Tag) online übers Internetad statt. Alle über das Onlineformular eingehenden Vorbestellungen werden im Losverfahren gleich gewertet.

