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KommunalwahlSieben Parteien bewerben sich in Reichshof

6 min
DLRG-Aktivisten am Beckenrand.

Das Schwimmbad in Wildbergerhütte ist gerettet. Um so mehr muss die Gemeinde Reichshof darauf achten, was sie sich leisten kann.

Vor der Kommunalwahl am 14. September geben wir einen Überblick über Themen und Bewerber. Heute: Reichshof.

Bei der Kommunalwahl sind im Reichshofer Gemeindegebiet 15.337 Menschen wahlberechtigt. CDU, SPD, FWO, Grüne, FDP und Linke wollen wieder in den Rat einziehen, die AfD will das erstmals, die ÖSL tritt nicht an. Die Linke hat Bewerber in zwölf von 17 Wahlbezirken aufgestellt, alle anderen sind in allen Bezirken vertreten. Als Einzelbewerberin tritt zudem Christine Brach (zurzeit ÖSL) im Wahlbezirk Denklingen II an. 2020 lag die Wahlbeteiligung bei 49,62 Prozent.

Wie ist die Ausgangslage, wie sind die Mehrheitsverhältnisse im jetzigen Gemeinderat?

2020 holte die Reichshofer CDU 13 der 17 Wahlbezirke direkt, darüber hinaus gewann der jetzige CDU-Bürgermeisterkandidat René Kauffmann, der sich später der CDU-Fraktion anschloss, in Sinspert das Direktmandat als parteiloser Kandidat mit Abstand. Die drei anderen Bezirke – Windfus/Hespert sowie Wildbergerhütte I und II – eroberte die FWO (Freie Wählergemeinschaft Oberberg, die nichts zu tun hat mit den „Freien Wählern“, die im bayerischen Landtag mitregieren).

Entsprechend stark sind die Christdemokraten zurzeit im Gemeinderat (auch wenn Ina Kuhlmann nach der Wahl von der CDU zur SPD wechselte): Inklusive dreier Überhangmandate und mit der Bürgermeisterstimme von Rüdiger Gennies kommt die CDU auf 17 Stimmen im 34-köpfigen Gemeinderat – die Hälfte. Durch die enge Zusammenarbeit mit der zweiköpfigen FDP-Fraktion reicht es aber stets für eine einfache Mehrheit, wenn alle an Bord sind.

2020 holte die CDU 44,9 Prozent der Stimmen. Das war mehr, als die drei nächsten Verfolger zusammen auf sich vereinigen konnten: Addiert man die Stimmen für SPD (14,88), FWO (14,07) und Grüne (12,99), kommt man auf 41,94 Prozent. Die zweitstärkste Ratsfraktion stellt zurzeit die SPD mit sechs Mitgliedern – unmittelbar nach der Wahl und bis zum Kuhlmann-Wechsel waren es zunächst fünf. Zu fünft sitzt die FWO im Rat. Die Grünen sind zu dritt, FDP und Öko-Soziale Liste (ÖSL) sind zu zweit.

Wer tritt am 14. September zur Wahl an?

Manch bekannter und manch unbekannter Name ziert die Reichshofer Stimmzettel. Ganz vorne auf der Reserveliste der CDU steht der aktuelle Fraktionsvorsitzende Thomas Funke, gefolgt von Viktoria Welter (Jahrgang 2002) und dem CDU-Vorsitzenden René Semmler. Die SPD-Liste führt Anja Theis an, gefolgt von Bürgermeisterkandidat Gerald Zillig und der aktuellen Fraktionsvorsitzenden Marlies Schirp.

Die FWO hat ihre aktuelle Ratsfraktion auf die vorderen Plätzen gesetzt, mit Fraktionssprecher Reinhard Krumm ganz vorne, gefolgt von Matthias Leienbach und Karl Bodo Leienbach. Die Grünen haben ihr Ortsvereins-Sprecherduo Beate Mauelshagen (Platz 1) und Oliver Wiesner (3) gut abgesichert, auf Platz 2 steht mit Jürgen Barth der Sprecher der aktuellen Ratsfraktion.

Bei der FDP steht mit Monika Treutler die Vorsitzende der Reichshofer Liberalen auf Listenplatz 1, der stellvertretende Vorsitzende Lukas Hillen auf Platz 2. Die aktuelle Fraktionssprecherin Anja Krämer folgt auf der 3. Die Liste der Linken führt Gerhild Pett an, auf Platz 2 folgt Barbara Nosbach und auf Platz 3 steht Taieb Hachem.

Die Reichshofer AfD hat mit Eugen Schmidt einen Ex-Bundestagsabgeordneten und Sprecher der Gruppierung der Russlanddeutschen in der AfD auf dem Listenplatz 1 aufgestellt. Der Verfassungsschutz zitiert Schmidt in seinem jüngsten AfD-Gutachten. Vor der jüngsten Bundestagswahl bekam er bei der Aufstellung der AfD-Landesliste nicht die Unterstützung der oberbergischen AfD, bei der er einer von drei stellvertretenden Sprechern ist. Auf den Plätzen zwei und drei stehen Angelo Zientarski und Christian Willm Kuipers.

Die beiden Jüngsten im Reigen der sieben Reichshofer Reservelisten stellen die FDP mit Shannon Maureen Heß und die SPD mit Titus Theis – beide sind Jahrgang 2006.

Was sind die drängendsten Themen in Reichshof?

Was die Gemeindeentwicklung angeht, sind viele Weichen gestellt, aber es kommen ja immer wieder neue Fragen dazu, die einer neuen Weichenstellung bedürfen. Über allem schwebt die Finanzlage – sicherlich kein exklusives Problem in Reichshof. Was kann, was will, was muss sich Reichshof leisten? Diese Fragen wird auch der neue Rat immer wieder erörtern und beantworten müssen. Es wird mit Sicherheit weiterhin Bereiche geben, in denen sich Gestaltungswille in handfeste Ergebnisse verwandeln lassen.

Wobei sich manche Investition von alleine auf die Liste schreibt: Jeder weiß, dass es um die Qualität des Straßennetzes in der Flächengemeinde Reichshof mit ihren 106 Ortschaften nicht überall gut bestellt ist und dass zumindest peu-á-peu in Ausbau und Sanierungen von Fahrbahnen investiert werden muss.

Dann sind da verschiedene Gebäude, die ihrer Sanierung harren. Das Integrierte Handlungskonzept ist fortzuführen. Es wird außerdem Grundsätzliches zu klären sein – zum Beispiel, ob die Entwicklung weitere Wohnbaugebiete und Gewerbeflächen politisch gewünscht ist und welchen Rahmen man stecken möchte, in dem sich Wohnen und Gewerbe entfalten können.

Der neue Rat wird die Einbringung des Haushalts für 2026 durch Kämmerer Gerd Dresbach gleich in einer seiner ersten Sitzungen auf der Tagesordnung haben und sich dann flugs an die Beratung begeben.


Wer will Bürgermeister werden?

René Kauffmann (45, CDU, verheiratet, zwei Kinder) ist Diplomwirtschaftsjurist und leitet seit elf Jahren das Bildungszentrum in Gimborn, das sich hauptsächlich mit internationaler Polizeifortbildung beschäftigt. Der gebürtige Reichshofer sagt, er trete an, weil er sich der Gemeinde und den Menschen eng verbunden fühle. Nach 16 Jahren Ratsarbeit wisse er, dass es ihm Freude macht, „Dinge zu gestalten und nach vorne zu bringen“. Augenzwinkernd ergänzt er, sein Weg zur Kandidatur sei vorbestimmt gewesen – so stehe sowohl in seiner Abi- als auch seiner Hochzeitszeitung. Thematische Schwerpunkte sieht er in der schwierigen finanziellen Situation der Kommunen, „da gilt es, vernünftig und hoffentlich parteiübergreifend Ansätze zu finden“. Weitere Themen? Die digitalen Angebote der Gemeinde voranbringen, das Ehrenamt stärken – „und ich möchte die Perlen an Unternehmen, Gewerbetreibenden und Handwerksbetrieben, die wir in der Gemeinde haben, umsorgen“.

Gerald Zillig (60, SPD, zwei erwachsene Töchter) war Maler und Lackierer-Meister, arbeitet heute als Betriebsbereichsleiter beim Aggerverband, dort war er 14 Jahre Vorsitzender des Personalrats und hat Einblick in Verwaltungsabläufe gewonnen. Der gebürtige Kölner hat längst in Oberberg Wurzeln geschlagen, lebte 25 Jahre in Morsbach, jetzt acht Jahre in Reichshof – „ich möchte mich einbringen“. An mancher Stelle nimmt er in Reichshof Stillstand wahr, und da möchte er Abhilfe schaffen. Thematische Schwerpunkte sieht er in der Sanierung der Straßen: Wenn ein Erstausbau nötig ist, will er schauen, wie man Fördergelder bekommen kann, um den Anteil der Anlieger senken zu können. Zillig möchte die Unternehmen unterstützen, Arbeitsplätze zu behalten und neue zu schaffen, denkt über ein Modell nach, Azubis per Bürgerbus zur Lehrstelle zu bringen. Er möchte das Ehrenamt weiter fördern und sich halbjährlich mit Vertretern aller 106 Reichshofer Orte treffen.

Jan Gutowski (48, parteilos, verheiratet, drei Kinder) arbeitet als Polizeihauptkommissar und stellvertretender Dienstgruppenleiter bei der Bundespolizeiinspektion in Köln. Nach einer Ausbildung zum Werkzeugmechaniker wechselte er 2002 zum damaligen Bundesgrenzschutz, absolvierte später ein Diplomstudium an der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung, Fachbereich Bundespolizei. Gutowski gehörte dem Rat als direkt gewählter Vertreter sechs Jahre lang an. Aufgrund gestiegener beruflicher und familiärer Anforderungen kandidierte er nicht erneut, aber: „Mit Bekanntwerden des geplanten Abschieds von Bürgermeister Gennies entstand der Wunsch, erneut aktiv in die Politik einzutreten – dieses Mal als Bürgermeisterkandidat.“ Schwerpunkte als Bürgermeister würde er in Naturschutz und Erneuerbare Energien setzen, in den Bereichen Infrastruktur, Bürokratie und Verwaltungsstruktur, Sicherheit und Ordnung sowie Kinder und Jugendliche.