Ob Wortspiele, Ortsspiele oder Werbung, an der man wortwörtlich nicht vorbei kommt – die Kommunalwahl ist im Kreis nicht zu übersehen.
Kommunalwahl Mit allerlei kuriosen Plakaten kämpfen Rhein-Bergs Politiker um ihre Wähler

Schwarz, grün, gelb und rot – ein großes Spektrum der Parteien findet sich stets an der Overather Straße in Bensberg wieder – auf der Trasse, auf der mal die Linie 1 fahren sollte.
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Am aktuellen Wahlkampf kommt man gar nicht vorbei – und das ist mancherorts ganz wörtlich der Fall. In Rösrath beispielsweise, wo sich die Kandierenden mit den Formaten ihrer Plakate an den Laternenmasten auch direkt neben dem Gehweg buchstäblich überbieten. Und das ist nicht die einzige Kuriosität im aktuellen Straßenwahlkampf. Eine Auswahl:
Kommt es auf die Größe an? In Rösrath jedenfalls hat wohl jemand mit DIN A0 als Format für die Laternenmasten angefangen – klar, dass da andere unbedingt nachziehen wollten. Und das bei sechs Bürgermeisterkandidierenden und noch mehr Parteien und Wählergemeinschaften, die um die Stimmen des Wahlvolks buhlen. Da kommt schon einiges zusammen – und rutscht dann die Laternenmasten ob des Gewichts wieder hinunter. Auf schmalen Gehwegen, wie etwa in der Siedlung am Sandfeld, wird's da schnell so eng, dass Fußgänger entweder auf die Straße ausweichen oder die Plakate an den Masten parallel zum Gehweg drehen müssen, um passieren zu können.
Viele Plakate hängen in Reih und Glied
Immer eine bunte Reihe: Schwarz, grün, gelb, rot und ganz am Ende auch noch blau – ein breites Spektrum an Parteien findet sich stets an der Overather Straße in Bensberg . Den Platz dafür bietet ausgerechnet ein Projekt, das bis heute nicht realisiert wurde. Denn die Plakate stehen auf der Trasse, auf der eigentlich einmal die Straßenbahnlinie 1 aus dem Bensberger U-Bahnhof fort- und wieder ans Tageslicht geführt werden sollte, um dann bis zum Technologiepark, nach Herkenrath oder gar bis Spitze weiterzufahren. Doch aus dem Projekt ist wegen eines unzureichenden Kosten-Nutzen-Faktors bislang nichts geworden – zum Glück für die Wahlstrategen, die den Raum an der Overather Straße regelmäßig vor Wahlen mit Großplakaten zu nutzen wissen.
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Vielstöckig ist die Wahlwerbung an einem Bergisch Gladbacher Laternenmast.
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Spiel mit dem Namen: Eigentlich gilt ja „Keine Witze mit Namen“. Wenn's der Betroffene dann aber doch selbst tut?! Der Overather Bürgermeisterkandidat der CDU, Michael Eyer, jedenfalls hat seinen Namen – jedenfalls den Nachnamen – mit ins Kurzprogramm aufgenommen, in dem er aufzählt, was Overath braucht. Eigentlich, so erläuterte er auf Nachfrage beim Sommerfest, sollte es ein Dreiklang an den Laternen werden, mit drei hintereinander folgenden Aussagen: Overath braucht Kompetenz, Overath braucht Zukunft, Overath braucht Eyer. Da allerdings in Overath nur jeweils ein Plakat an einem Mast hängen darf und selten drei hintereinander noch unbesetzt waren, hängt der Dreiklang bisweilen vereinzelt – und erschließt sich daher in der Regel nur auf den Großplakaten.

Was braucht Overath? Eier? „Nein, Eyer“, meint der Bürgermeisterkandidat der CDU.
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Die FDP teilt sich den Plakatplatz mit Kartoffeln
Wenn das Plakat mit der Umgebung spielt: Ein Plakat mit der Forderung nach mehr Kita-Plätzen kann deplatziert wirken, wenn's vor der Seniorenresidenz prangt. Bei manchem Plakat des Bergisch Gladbacher Bürgermeisterkandidaten von SPD und Grünen scheinen die Wahlstrategen die Umgebung unterdessen bei der Auswahl genau im Blick gehabt zu haben. So ist er am Zandersareal im Industrieambiente zu sehen, das Großplakat, das den Kandidaten mit Fahrrad samt Kindersitz zeigt, ist hingegen wohl bedacht, direkt am Radweg platziert.

Mit dem Rad auf den Radweg: Die Plakate von Bürgermeisterkandidat Marcel Kreutz (SPD, Grüne) in Bergisch Gladbach „spielen “mit der Umgebung.
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Der etwas andere Huckepackkandidat: Als Kandidat um Kandidat in Rösrath aufgestellt wurde, da juckte es auch den liberalen Landwirt Kalli Müllenbach vom Hofferhof nochmal in den Fingern: Mit 82 Jahren trat er wieder in die FDP ein, der er vor einigen Jahren wegen Differenzen mit damaligen Wortführern den Rücken gekehrt hatte – und ging auf die Suche nach einem eigenen Bürgermeisterkandidaten. „Wir brauchen jemanden mit klaren Vorstellungen für Rösrath, offenen Ohren für die Menschen und der Fähigkeit, Brücken zu bauen“, sagt er und fand all das nach eigenem Bekunden in Tom Höhne, der zuvor bereits die FDP „geräuschlos neu aufgestellt“ habe. Am Hof seiner Familie hat Müllenbach den Kandidaten aufgeladen – auf einen landwirtschaftlichen Anhänger – direkt neben dem Kartoffel-Hinweisschild, an dem Kalli Müllenbachs eigenes Konterfei prangt.

Aufgeladen hat FDP-Rückkehrer Kalli Müllenbach am Hofferhof seiner Familie bei Rösrath-Hoffnungsthal den FDP-Bürgermeisterkandidaten Tom Höhne.
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In Kürten tritt ein Mann vieler Worte an
Gnade mit dem politischen Gegner: Rolf Becker kandidiert für die CDU in der Gladbacher Innenstadt, genauer für den Wahlbezirk Stadtmitte-West. Sein direkter politischer Gegner ist dort Klaus Waldschmidt von der SPD. Und Becker hat eines seiner Plakate genau vor das Haus von Waldschmidt aufgehängt. Wohlgemerkt unwissend, dass dort eben sein Gegner wohnt. Die Perspektive war für Waldschmidt also, jeden Tag auf seinen Gegner zu schauen. Schon hart. Aber - und jetzt kommt es - Becker ließ Gnade walten, als er Waldschmidt traf und hängte das Plakat ab. „Ich hätte ihn ja doch nicht überzeugt, mich zu wählen.“

Wer viel unterbringen möchte, braucht wie Kürtens SPD-Bürgermeisterkandidat Sascha Pechbrenner, manchmal auch mehrere Plakate nebeneinander.
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Von wegen wenig Worte machen: „Wer etwas Wichtiges zu sagen hat, macht keine langen Sätze“, hat John F. Kennedy einmal gesagt. Lange Sätze macht auch Sascha Pechbrenner nicht, aber viele. Sein Kurzprogramm findet sich auf den Plakaten wieder, die an der Straße hängen. Da muss man manchmal schon stehen bleiben, um alles zu erfassen. Dafür findet man dann auf den Plakaten des SPD-Bürgermeisterkandidaten, der in der Gemeinde Kürten gegen Mario Bredow antritt, unter anderem auch die Handynummer. Bredow hat auch eine Menge Buchstaben hinter sich, ist er doch der gemeinsamen Kandidat von CDU, FDP, Bündnis90/Die Grünen und Freien Wählern BfB Kürten. Dafür ist Kürten die einzige Kommune im Verbreitungsgebiet, in der sich nur zwei Kandidaten um den Chefsessel im Rathaus bewerben.
Haben Sie auch Kurioses im Wahlplakate-Dschungel an Rhein-Bergs Straßen gesehen? Dann schreiben Sie uns gerne und schicken am besten gleich ein Bild, das wir veröffentlichen dürfen, mit – per E-Mail an die Redaktion: redaktion.rhein-berg@ksta-kr.de.