Bergheim – Wenn der Braunkohlenabbau im Revier eines Tages endet, wird ein Problem bleiben: Das Grundwasser wird wieder steigen. Denn vor allem in der Erftscholle hat sich der Boden um mehrere Meter gesenkt und er wird sich nicht wieder auf das alte Niveau heben. Daher steht schon jetzt fest, dass auch dann noch Grundwasser abgepumpt werden muss, wenn die Bagger schon längst abgerückt sind. Sonst droht Kellern, Tiefgaragen und der in Tieflage gebauten Autobahn 61 zwischen Kerpen und Bedburg die Überflutung.
Ewigkeitsschäden einkalkuliert
Doch wer bezahlt das? Für den Erftverband steht zumindest fest, wer pumpt. Es habe vor dem Aufschluss der Tagebaue in den 1950er-Jahren einen „gesellschaftlichen Konsens“ gegeben, demzufolge die dauerhafte Nutzung auch der Auengebiete vorgesehen ist, ließ der Verband kürzlich im Bergheimer Rathaus bei einer Ausschuss-Sitzung verkünden. Die Tagebaue seien als Chance gesehen worden, die nasse Landschaft trockenzulegen. Als Gewässerverband sehe man es als eigene Aufgabe an, entsprechend des Konsenses den Grundwasserstand niedriger zu halten als von der Natur vorgesehen.
Die Landtagsabgeordnete der Grünen, Gudrun Zentis, fordert nun, den Tagebaubetreiber RWE Power stärker in die Verantwortung zu nehmen, was die Kosten für die Spätfolgen angeht. „Es kann nicht sein, dass der Bürger von morgen für die Kosten des Tagebaus aufkommt“, hält Zentis fest. Die grüne Landtagsfraktion hat gerade eine von ihr in Auftrag gegebene Studie vorgestellt, die mögliche Spätfolgen durch den Tagebau beleuchtet. „Es muss genau geguckt werden, wie viele Kosten dem Bergbau angelastet werden können.“
Das Gutachten eines Geologen sage ganz klar: Es fielen so genannte Ewigkeitslasten an. „Dann sollte jetzt auch Geld zurückgelegt werden“, sagt Zentis. Sie hoffe auf ein Entgegenkommen des Tagebaubetreibers RWE Power. „Vielleicht gibt es ja den guten Willen, sich anständig zu verabschieden.“
Die Forderung unterschreiben auch die Bergheimer Grünen. „Unsere Enkel werden für unsere Fehler zahlen müssen“, sagt Fraktionsvorsitzender Peter Hirseler. Es seien Gesamtkosten von 500 Millionen Euro im Gespräch, alleine Stromkosten in Höhe von 500 000 Euro pro Jahr.
Nach Angaben des Erftverbands gibt es bereits seit den 1980er-Jahren eine Rücklage in Höhe von damals 200 Millionen Euro. Die Rücklage sei eigens für die genannten Ewigkeitslasten gedacht, zwischenzeitlich beim Erftverband selbst angelegt gewesen, jetzt aber wieder wie anfangs bei RWE Power, erläutert Erftverbands-Vorstand Norbert Engelhardt. „Die Summe steht sowohl bei Unternehmen als auch bei uns in den Büchern. Wir sind der Gläubiger und können sie zurückfordern.“ Geklärt werden müsse, welcher Anteil der später drohenden Versumpfung bergbaubedingt ist und welcher natürlich. „Ich sehe Gesprächsbereitschaft beim Tagebaubetreiber“, sagt Engelhardt.
„In den gültigen Braunkohlenplänen ist das Thema schon seit langem verankert“, sagt ein RWE-Power-Sprecher. „Wir betreiben das Geschäft schon ein wenig länger.“ Alle Rückstellungen seien transparent in der Unternehmensbilanz ausgewiesen. Im Übrigen hafte der Bergbautreibende für öffentlich-rechtliche Verpflichtungen mit seinem gesamten Vermögen. Der Gutachter habe auch um eine Expertise von RWE Power gebeten. „Dann aber hieß es, diese könne aus Zeitgründen nicht in das Gutachten einfließen – das finden wir befremdlich.“
