Frechen – Das Ergebnis der Versteigerung kam für die Eltern überraschend. „Eigentlich hatten wir vorher darüber gesprochen, dass es auf keinen Fall der Königstitel sein sollte“, erzählt Mutter Manuela – halb schimpfend, halb schmunzelnd. „Na ja, ein guter Freund hat mich eben bequatscht, und am Ende war ich König“, entschuldigt sich der 19-jährige Maurice.
Auch „seine“ Maikönigin, die 22-jährige Nina Moritz, hat Maurice überrascht. „Sie ist zwar nicht meine Freundin, aber es war zwischen uns schon klar, dass ich auf sie steigere. Als ich aber das mit der Königin gesagt habe, war sie zuerst schon ein bisschen geschockt“, erzählt Maurice grinsend. „Das geht ja gut ins Geld“, fügen seine Eltern hinzu.
Auf den ersten Blick klingt die Geschichte des neuen Habbelrather Maikönigs wie der ganz normale Mai-Wahnsinn. Doch ganz so „normal“ ist die Sache nicht: Am 7. August 2009 war Maurice Vossel in Kerpen von einem Balkon etwa fünf Meter in die Tiefe gestürzt. Seitdem ist er querschnittsgelähmt und sitzt im Rollstuhl. Nach einer Reihe von Operationen kann er inzwischen zwar seine Arme wieder bewegen. „Voll funktionsfähig werden sie aber wohl nie mehr“, stellt Maurice nüchtern fest.
Inzwischen hat der 19-Jährige sein Schicksal aber akzeptiert und versucht, das Beste aus seinem Leben zu machen. Im vergangenen August hat er eine Ausbildung zum Industriekaufmann bei RWE Power begonnen. Auch hier braucht er zwar Unterstützung – ein Helfer schreibt zum Beispiel die Klausuren, die Maurice ihm diktiert. Zu den unterschiedlichen Arbeitsstätten wird er mit dem Taxi gefahren.
Maurice macht die Ausbildung Spaß. Es ist die einzige Möglichkeit für ihn, einen echten Beruf zu erlernen. „Als ich den anderen Patienten im vergangenen Sommer im Krankenhaus davon erzählt habe, hieß es nur: ,Da hätte ich keine Lust zu’“, berichtet Maurice. Eine Einstellung, die er nicht verstehen kann. „Nichtstun wäre nicht mein Ding.“
Das gilt auch für das Privatleben. Dazu gehört nicht nur die Habbelrather Maigesellschaft, der er schon im vergangenen Jahr beigetreten ist. „Ich treffe mich oft mit Freunden. Wir fahren zum Feiern nach Köln oder gehen zusammen ins Kino – und im Sommer fliege ich sogar für eine Woche nach Mallorca“, sagt Maurice.
Ohne einen Pfleger, der mit ihm reist und sich auf der Insel um ihn kümmert, kommt Maurice aber nicht aus. „Man sieht eben erst jetzt all die Hindernisse und zusätzlichen Kosten, die ein Leben mit Behinderung mit sich bringen“, sagt Vater Raimund Vossel.
Hindernisse, die auch seine Regentschaft als Maikönig begleiten werden. „Mein erster Gedanke, nachdem ich die Königswürde ersteigert hatte, war: Wie kommst du bloß in die Kutsche?“, bekennt Maurice lachend. Eine Frage, die er und seine Eltern in Habbelrath schon öfter gehört haben.
Insgesamt sei die Resonanz auf den neuen Habbelrather Maikönig allerdings durchweg positiv. „Das gilt nicht nur hier im Ort, sondern auch für die anderen Vereine“, erzählt Maurice. Auch zu deren Festen wird er nun mit seiner Königin fahren. Sein Vater will die Rolle des Chauffeurs übernehmen.
Den Höhepunkt der Regentschaft des Maikönigs bildet aber das Habbelrather Maifest am 25. und 26. Mai. Spätestens dann stellt sich auch wieder die Frage mit der Kutsche. „Auch dafür finden wir schon eine Lösung“, beruhigen die Eltern ihren Sohn. „Vielleicht lassen wir uns auch was ganz Besonderes einfallen.“
