Bedburg-Königshoven – Der Schock über die Gewissheit, dass die alte Heimat dem Tagebau zum Opfer fällt, das Anrücken der Braunkohlenbagger, aber auch das Gestalten einer neuen Heimat. Diese Gedanken und Gefühle kennen Menschen, die von Umsiedlung betroffen waren oder immer noch sind.
Dort, wo früher einmal das alte Königshoven war, befinden sich heute Wiesen und Felder, demnächst einige Windräder des Windparks Königshovener Höhe – und die Petrus-Kapelle. Diese Erinnerungsstätte ist zum einen eine Anlaufstelle für die Königshovener und zum anderen für manch einen ein Ausflugsziel. Der Umsiedlungsbeschluss für den alten Ort wurde von der Landesregierung 1969 getroffen, die Umsiedlung selbst erfolgte von 1976 bis 1986. Immerhin habe Königshoven seinen Namen mit an den neuen Standort nehmen können, ein Umstand, über den man noch heute froh sei, wie Willy Moll, der Vorsitzende des Fördervereins Petrus-Kapelle, versichert. Außerdem seien rund 70 Prozent der Königshovener auch am neuen Ort zusammengeblieben.
Vom verlorenen zum neuen Land
Bald soll neben der Kapelle selbst auch der Weg vom neuen Ort dorthin zur Erinnerung an die für viele schwere Zeit beitragen. Als „Weg der Erinnerung“ wird die fünf bis sechs Kilometer lange Strecke durch sieben Stelen des Künstlers Jörg Schröder gestaltet. Schröder hat bereits die Engel-Skulptur an der Kapelle gestiftet und fühlt sich als gebürtiger Königshovener dem Ort verbunden. Moll hat gemeinsam mit dem Künstler überlegt, wie der Weg aussehen könnte. Die sieben Stelen vollziehen den Bogen vom verlorenen zum neuen Land. Sieben seien es, so führt Moll aus, weil in Königshoven sieben Bildstöcke gestanden hätten und auch heute wieder stünden.
Die Stelen sollen an markanten Stellen der Strecke zur Kapelle aufgestellt werden und auch die jeweilige Entfernung bis zum Ziel angeben. Die Stelen aus Stahl sind jeweils 180 Zentimeter hoch, 60 Zentimeter breit und einen Zentimeter dick. Jede wiegt laut Schröder etwa 80 bis 90 Kilogramm. „Wir wollen, dass die Menschen den Bildern auf Augenhöhe begegnen“, begründet er das Format und die Höhe. Die Standorte der Kunstwerke sind in weiten Teilen bereits mit der Stadt abgesprochen, noch in diesem Jahr könnten die ersten drei oder vier aufgestellt werden.
Die Kosten für das Kunst- und Erinnerungsprojekt liegen bei rund 15 000 Euro und sollen vor allem durch Sponsoren getragen werden. RWE Power, die Volksbank und die Kreissparkasse haben bereits ihre Unterstützung zugesagt, andere mögliche Spender will Moll noch ansprechen.
