Abo

Kampf um den Relegationsplatz1. FC Köln will Anschluss halten für die entscheidenden Wochen

Lesezeit 4 Minuten
Zusammenhalt in schweren Zeiten: FC-Torschütze Eric Martel (l.) und Luca Kilian beim Punktgewinn in Stuttgart.

Zusammenhalt in schweren Zeiten: FC-Torschütze Eric Martel (l.) und Luca Kilian beim Punktgewinn in Stuttgart.

Der 1. FC Köln hat vor der letzten Länderspielpause der Saison noch zwei weitere Schwergewichte vor der Brust. Der so wichtige 16. Tabellenplatz droht an den FSV Mainz 05 verloren zu gehen.

Die Ausgangslage hat sich verschoben. Bot sich dem 1. FC Köln vor zwei Wochen zum Auftakt des 22. Spieltags noch die Chance, die Konkurrenz im Tabellenkeller durch einen Heimsieg gegen den SV Werder Bremen verstärkt unter Zugzwang zu setzen, könnte der Druck auf den Relegationsplatz-Inhaber der Fußball-Bundesliga nun selbst massiv zunehmen. Nach drei sieglosen Spielen in Folge droht dem FC das Szenario, auf einem der beiden direkten Abstiegsplätze liegend in das Derby am Sonntag (15.30 Uhr, DAZN) gegen den ungeschlagenen Tabellenführer Bayer 04 Leverkusen gehen zu müssen.

Es ist schließlich gar nicht mal so unwahrscheinlich, dass der unter seinem neuen Trainer Bo Henriksen im Aufwind befindliche Tabellensiebzehnte FSV Mainz 05 am Samstag vor eigenem Publikum gegen die wankelmütige Gladbacher Borussia gewinnt und sich mit dann einem Zähler mehr auf dem Konto im Schneckenrennen um Rang 16 an den Geißböcken vorerst vorbeischiebt. Auch das aktuell um vier Zähler schlechter dastehende Schlusslicht SV Darmstadt 98 hat am heimischen Böllenfalltor gegen den FC Augsburg eine Aufgabe vor der Brust, bei der es im Abstiegskampf zu punkten gilt.

Es wird ambitioniert und anspruchsvoll. Aber wir werden einen guten Plan entwickeln.
Davie Selke, FC-Stürmer, vor dem Derby gegen Bayer 04 Leverkusen

Mit den Heimspielen gegen Bayer 04 Leverkusen und Champions League-Achtelfinalist RB Leipzig (15. März) warten vor der letzten Länderspielpause der Saison noch zwei Schwergewichte der Liga auf die Mannschaft von Trainer Timo Schultz. Alles andere als zwei Niederlagen käme einer Überraschung gleich. Nicht zuletzt, weil die Kölner in der Hinrunde in beiden Partien chancenlos blieben. Fiel das 0:3 in der BayArena trotz erdrückender Unterlegenheit rein auf das Ergebnis bezogen noch einigermaßen akzeptabel aus, veranlasste die 0:6-Demütigung in Leipzig den damaligen FC-Coach Steffen Baumgart dazu, die Mentalität seiner Spieler öffentlich infrage zu stellen.

Alles zum Thema SC Freiburg

Für die Kölner geht es in den drei ausstehenden Begegnungen bis zur Unterbrechung des Ligabetriebs in erster Linie darum, im Kampf um den Relegationsplatz nicht allzu viel Boden gegenüber dem Hauptkonkurrenten FSV Mainz 05 zu verlieren. Die vorerst wohl beste Chance auf etwas Zählbares bietet sich dem FC am Samstag in einer Woche, wenn das zweite Derby hintereinander ansteht, dann in Mönchengladbach. Glückte den Geißböcken in der Hinrunde gegen den Erzrivalen vom Niederrhein der langersehnte erste Saisonsieg, sind in Anbetracht der prekären Lage auch im zweiten Vergleich drei Punkte fast schon Pflicht. Zumal Mainz vor der Länderspielpause mit Mönchengladbach und dem VfL Bochum noch zwei Heimspiele gegen vermeintliche Kontrahenten auf Augenhöhe in der Hinterhand hat.

Einstimmung auf die entscheidende Phase mit einem Trainingslager

Nach der Länderspielpause stehen dann „ganz entscheidende Wochen“ für den FC an, wie Mittelstürmer Davie Selke bei einem Blick auf den Spielplan unterstreicht. Mit dem FC Augsburg (auswärts), VfL Bochum (heim), SV Darmstadt 98 (heim), FSV Mainz 05 (auswärts), SC Freiburg (heim), 1. FC Union Berlin (heim) und 1. FC Heidenheim (auswärts) stammen sieben der letzten acht Gegner aus der Region ab Platz neun abwärts. Klarer Außenseiter sind die Kölner lediglich am 29. Spieltag in München. Um sich auf die entscheidende Saisonphase einzustimmen, absolviert der FC während der Länderspielpause vom 18. bis 23. März ein Trainingslager in Algorfa bei Alicante, zu dem auch ein Testspiel gegen den isländischen Erstligisten Breidablik Kópavogur (22. März) gehört.

„Wir müssen kontinuierlich weiterarbeiten und anfangen, Spiele hintereinander zu gewinnen“, erklärt Davie Selke, wie die Verteidigung des 16. Tabellenplatzes gelingen kann. Die direkte Rettung dürfte bei mittlerweile acht Zählern Rückstand auf Platz 15 kaum noch realisierbar sein. Trotz klarer Kartenverteilung wollen die Kölner auch gegen Primus Leverkusen ihre Chance suchen. „Wir gehen in das Spiel rein, um zu gewinnen. Das ist ein Derby. Wir spielen zu Hause. Da ist es immer der Anspruch, zu gewinnen. Ob man es dann am Ende schafft, sei mal dahingestellt. Wir können hier einen enormen Druck erzeugen mit den Leuten. Das muss der Weg sein“, appelliert Selke, der in Bayer 04 die „aktuell beste Mannschaft“ Deutschlands sieht. „Es wird ambitioniert und anspruchsvoll. Aber wir werden einen guten Plan entwickeln.“ Dass sich die Werkself zuletzt gegen den FC-Rivalen Mainz zu einem 2:1-Sieg mühte, spielt für das Derby am Sonntag laut Selke keine Rolle: „Sie gewinnen auch die dreckigen Spiele. Das zeichnet eine Spitzenmannschaft aus.“ Ein Luxusproblem, von dem man in dieser so komplizierten Saison am Geißbockheim nur träumen kann.

Rundschau abonnieren