Leverkusen – „Drilla“ von Luciano heißt Florian Wirtz„ aktueller Lieblingssong und wenn er sich am Samstag mit Bayer Leverkusen in die Allianz Arena begibt, wird er sicher ganz laut aufdrehen. „Direkt vor einem Spiel höre ich dieses Lied besonders gerne“, offenbarte der 18-jährige Shootingstar der Fußball-Bundesliga jüngst seinen Musikgeschmack, „das ist ein sehr explosiver Song, er geht nach vorne und motiviert mich.“
Gegen den FC Bayern München braucht der Teenager, auf den nicht nur aufgrund seiner herausragenden Leistung beim jüngsten 3:0-Heimsieg gegen Arminia Bielefeld alle schauen werden, weniger die klischeehaften Gangster-Raptexte, aber wohl die hymnenhaften Instrumentals und die treibenden Bässe des Songs. „Das bringt mich auf Spieltagsspannung“, erklärte Wirtz. Er gab auch zu, dass die Anspannung vor Duellen mit den Bayern „automatisch etwas höher“ sei.
Beim Ausnahmetalent regen sich Revanchegelüste
Wenn sich das Ausnahmetalent, das naturgemäß auch auf der Transferliste des Rekordmeisters steht, an das 1:5 (0:5) im Hinspiel erinnert, regen sich große Revanchegelüste. Vor knapp fünf Monaten bereitete er in der BayArena zwar den Ehrentreffer von Patrik Schick vor, war im Mittelfeld aber doch meist nur hinterhergelaufen. „Joshua Kimmich steuert Bayerns Spielaufbau. Er kriegt die meisten Bälle. Da werde ich also versuchen, das mit Druck zu unterbinden, dass er seine Mitspieler nicht bedienen kann“, gibt Wirtz seltene, individualtaktische Einblicke. In einem vereinsinternen Interview erklärte er zudem, dass die Leverkusener im Videostudium die Laufwege seines Nationalmannschaftskollegen und die Art wie Kimmich brenzlige Situationen löst, verinnerlicht haben.
Generell ist die größte Erkenntnis aus der Lehrstunde vom 16. Oktober 2021 die, dass der Dritte gegen den 14 Punkte besser dastehenden Klassenprimus „viel verteidigen“ muss. „Wir müssen in der Defensive als Mannschaft konzentriert sein und das eigene Tor im Kollektiv verteidigen“, forderte Wirtz, „im Gegenzug müssen wir dann durch unsere eigene Stärke, das Konterspiel, Chancen kreieren.“ Offensiv agieren Wirtz und Co. nämlich gerade mit einer „gewissen Leichtigkeit“, was wiederum Spaß und Motivation bringe, „sich von Spiel zu Spiel weiterzuentwickeln“.
Trainer schwärmt wiederholt von Witz´ Talent
Die Art und Weise wie Leverkusens blutjunger Spielgestalter vor dem Topspiel für sich, aber auch das Team spricht, zeigt seinen größeren Einfluss. Das bestätigt auch Trainer Gerardo Seoane. Der Schweizer schwärmt immer wieder vom Talent des 18-Jährigen und dessen unbändigem Willen voran zu kommen. Gleichzeitig nimmt er Wirtz aber auch in die Pflicht, kritisierte ihn etwa beim Thema „Emotionskontrolle“ und kann sicher sein, dass dieser an der Dhünn und nicht an der Isar den aktuell richtigen Platz für seine Weiterentwicklung sieht.
Die Freiheit, Fehler machen zu können, weil die Werkself mit Moussa Diaby, Jeremy Frimpong oder dem gerade verletzten Patrik Schick auch andere Unterschiedsspieler hat, scheint ihn zu beflügeln. Jedenfalls schwebte er gegen Bielefeld geradezu durch die gegnerischen Abwehrreihen und wird dies nach getaner Verteidigungs- und Balleroberungsarbeit auch gegen „die Besten“ in München versuchen. „Die Bayern stehen vermeintlich hoch“, nennt er einen Angriffspunkt, geht verbal aber gleich wieder in die Defensive, „das machen sie gut, deswegen stehen sie an der Spitze.“
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Selbst wenn er Lucas Alario statt 20-Tore-Stürmer Schick (Wade) vor sich haben wird, Karim Bellarabi (Oberschenkel) als routinierter Außenangreifer ebenso ausfällt, wie Ersatzkeeper Andrey Lunev (Syndesmoseband) und hinter Robert Andrich (Knie) ein Fragezeichen steht, wird Wirtz sich voll auf seine Leistung konzentrieren. Schließlich möchte er im fünften Bundesliga-Spiel erstmals gegen die Bayern punkten – und am besten gleich dreifach.
Dafür wird er sich erst musikalisch und fußballerisch in den „Drilla“-Modus versetzen. Der Titel seines aktuellen Lieblingssongs meint umgangssprachlich bewaffnete, zu allem entschlossene Männer, die schießen und auch treffen. Im übertragenen Sinne trifft dies auch auf ihn zu, wenn er sagt: „Es wird wichtig sein, die erspielten Chancen zu nutzen. Gegen die Bayern kriegt man nämlich nicht viele.“


