Im dritten Jahr in Folge sind die Umsätze von Bau- und Gartenmärkten in Deutschland gesunken. Besserung soll es im laufenden Jahr geben.
Bau- und GartenmärkteHeimwerker zeigen keine Konsumlust

Die Kunden haben Einkauswagen in den Baumärkten ein weiteres Jahr geringer befüllt.
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„Wir sind mit einem blauen Auge davongekommen.“ So beschreibt Peter Abraham, der Vorstandssprecher des Handelsverbands Heimwerken, Bauen und Garten (BHB), in Köln am Dienstag das abgelaufene Jahr. Zufrieden ist die Branche allerdings nicht mit einem Umsatz von 20,58 Milliarden Euro in Deutschland. Das ist ein Minus von 1,6 Prozent. Eigentlich wollte die Branche zulegen.
Passend zu der schleppenden Baukonjunktur gab es bei den Bereichen Baumaterialien/Bauchemie ein Minus, länger waren die Minuszeichen im Bereich Wohnen/Deko. Hier beklagen Heimwerkermärkte wie auch Möbelhäuser die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die sparten eher in Krisenzeiten wie diesen, in denen auch noch im Nahen Osten ein Krieg aufgeflammt ist. Und sie kaufen zunehmend bei Discountern und anderen Konkurrenten.
Branche setzt auf Wohnungsbau und Sanierungen
Wachstum nimmt die Branche sich jetzt für das laufende Jahr vor. Abraham setzt auf die gestiegenen Baugenehmigungen, darauf, dass der Renovierungsstau, der von Jahr zu Jahr länger werde, endlich aufgelöst wird. 50 Prozent der Wohngebäude seien renovierungsbedürftig. „Jeder, der in Gold investieren wollte, hat das in den vergangenen zwei Jahren getan. Immobilien seien auch werthaltig“, sagte Abraham. In die müsste invertiert werden.
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Besseres Wetter könnte der Branche helfen Und die Branche hofft auf besseres Wetter. Denn das hat die Branche über die Konsumzurückhaltung der Verbraucher zusätzlich gebremst. Nach einem warmen April folgten nämlich Regenphasen im abgelaufenen Sommer. Das macht keine Lust, im Garten, auf der Terrasse oder dem Balkon Blumen zu pflanzen oder neue Möbel aufzustellen. Stattdessen hätten die Bürger Geld für Urlaub oder Freizeit ausgegeben — die Konkurrenten der Bau- und Gartenmärkte im Sommer, so Abraham.
Zahl der Baumärkte sinkt auf 2004
Das Umsatzminus im abgelaufenen Jahr hat Folgen: Die Zahl der Standorte sank um 26 auf 2004 Märkte. Am Ende des laufenden Jahres würden es wohl weniger als 2000 sein, so Wüst. Auch die Fläche sank um 170.000 Quadratmeter auf 13 Millionen Quadratmeter. Manche Standorte lohnten sich nicht mehr, weil etwa die Verkehrsströme sich verändert hätten oder die angebotenen Sortimente oder die Ladengrößen nicht mehr passten.
Der komplette Heimwerkermarkt in Deutschland ist 2025 um 0,8 Prozent auf 131,5 Milliarden geschrumpft. Außer den Baumärkten waren die Fachmärkte und Kleinbetriebsformen im Minus, so dass der Umsatz im klassischen Heimwerker- oder DIY-Markt um 1,2 Prozent auf 49,1 Milliarden geschrumpft ist. Zusammen mit dem übrigen Fachhandel, weiteren Anbietern und dem Handwerk, die als einzige Gruppe leicht um 1,3 Prozent auf 34,37 Milliarden zulegen konnten, ergibt sich dann der Gesamtumsatz.
Online-Umsätze legen zu
Darin enthalten sind Online-Umsätze von 5,8 Milliarden, ein Plus von 3,7 Prozent. Hier seien alle Sortimentsbereiche im Plus. Zum Teil wird der Umsatz von Bau- und Heimwerkermärkten mit eigenen Online-Portalen erzielt, zum größeren Teil von reinen E-Commerce-Händlern, auf die mehr als die Hälfte des Online-Umsatzes entfällt. Der BHB beklagt in dem Zusammenhang unfaire Wettbewerbsbedingungen von chinesischen Anbietern. Er sieht hier die EU gefordert, etwa gegen Dumping und minderwertige Ware vorzugehen. „Wir können keine Pakete kontrollieren“, sagte Abraham. Die EU agiert für ihn allerdings zu langsam.
Heimwerker-Kurse sollen für neue Kunden sorgen
Aber auch die Branche habe Hausaufgaben zu machen, so Abraham und Wüst. Die Baumarkte wollte sich um Produkte im Preiseinstiegsbereich bemühen. Ein Weg dazu könnten Eigenmarken sein. An der Qualität soll nicht gespart werden. Die Branche will sich stärker auf Produkte für Sanierung und Renovierung ausrichten und setzt auf Service und Beratung.
Sie bietet außerdem Hilfe für die Kunden zum Arbeiten im Haus oder dem Garten durch Kurse vor Ort und online. Hier könnten Heimwerker ihre Kenntnisse verbessern oder angehende Heimwerker sie erst erwerben, so dass sie Baumarkt-Kunden werden. „Die Branche hat Chancen ohne Ende“, so Hauptgeschäftsführer Peter Wüst. Zulegen will sie im laufenden Jahr nach seinen Worten über der Inflationsrate, und zwar zwischen einem und zwei Prozent darüber. Bürokratieabbau, der zu schnellerem Bauen führen könnte, oder die Investitionspakete der Bundesregierung würden aber erst 2027 sichtbare Effekte zeitigen.
