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Kommentar

Diplomatie statt Konfrontation
Merz' geschickte Trump-Strategie

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2 min
US-Präsident Donald Trump empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus

US-Präsident Donald Trump empfängt Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Weißen Haus

Iran-Konflikt, Ukraine-Krieg, Handelszölle – die Ausgangslage für Friedrich Merz' jüngsten Besuch bei Donald Trump war denkbar schwierig. Doch der Kanzler bewies erneut diplomatisches Geschick.

Der erste Besuch des Kanzlers im Weißen Haus vor nunmehr zehn Monaten verlief harmonisch. Hat Friedrich Merz daran anknüpfen können? Die Ausgangslage beim jüngsten Treffen mit US-Präsident Donald Trump war ungleich schwieriger: Soeben haben die USA den Iran militärisch angegriffen; der Krieg könnte die ganze Nahost-Region in Brand setzen und Folgen für Europa haben.

Zudem galt es, Trump davon zu überzeugen, die Ukraine bei der Verteidigung gegen Russland nicht fallen zu lassen. Und auch der anhaltende Zoff um Zölle zwischen der EU und den USA sorgt seit geraumer Zeit für Verstimmung; von einem reibungslosen Handel hängt schließlich auch die wirtschaftliche Genesung Deutschlands ab.

Da war es nur folgerichtig, dass Merz öffentlich höchst diplomatisch in Washington auftrat – es sei nicht die Zeit für Belehrungen, hatte er schon im Vorfeld wissen lassen. Bei der Zusammenkunft im Oval Office zeigte sich Merz einmal mehr gewieft und gebrieft genug, Trumps Bedürfnis nach öffentlich zur Schau gestellter Bedeutsamkeit und Tatkraft nicht zu schmälern.

Nahezu ohne Punkt und Komma nutzte der US-Präsident die Gelegenheit, die Intervention im Iran als großen Erfolg zu feiern. Dass die US-Armee dazu auch Militärstützpunkte in Deutschland nutzt, hob er lobend hervor. Anders als Spanien sei Deutschland kooperativ: „Fantastisch“. Mit „Freund“ Merz als Anführer herrsche eine ganz andere Stimmung als unter Angela Merkel.

Diesen Seitenhieb dürfte Merz ebenso freudig zur Kenntnis genommen haben wie Trumps Einlassung, dass Washington keine Entsendung deutscher Soldaten erwarte. „Wenn es darum geht, das schreckliche Regime in Teheran loszuwerden, stehen wir auf derselben Seite“, betonte Merz.

Mit der Ankündigung, Spanien davon überzeugen zu wollen, auch endlich fünf Prozent der Wirtschaftsleistung gemäß des Nato-Ziels auszugeben, stellte er sich an die Seite Trumps. So positionierte sich der Kanzler nicht nur als Vermittler, sondern untermauerte auch einen gewissen Führungsanspruch in Europa.

Konziliant und kooperativ – mit dieser Taktik fährt Merz gegenüber Donald Trump bislang ganz gut. In seiner kaum einjährigen Amtszeit kann der Kanzler als pragmatischer Brückenbauer zwischen Europa und dem Trump-Amerika gelten. Offenbar ist es Merz gelungen, einen Draht zum US-Präsidenten zu entwickeln. Auf dass das Bekenntnis zu einer regelbasierten Welt- und Werteordnung dabei mittelfristig nicht auf der Strecke bleibt.