„Ich hatte ein schönes Leben“Älteste Kölnerin Elisabeth Steubesand mit 107 Jahren gestorben

Lesezeit 3 Minuten
Elisabeth Steubesand auf ihrer Bank am Decksteiner Weiher in Köln.

Elisabeth Steubesand auf ihrer Bank am Decksteiner Weiher in Köln.

Elisabeth Steubesand war mit 107 Jahren die älteste Kölnerin. Nun ist sie friedlich und ohne Schmerzen eingeschlafen.

„Ich hatte ein schönes Leben“ – diesen Satz sagte Elisabeth Steubesand noch im Januar an ihrem letzten Geburtstag. Stolze 39 195 Tage dauerte dieses Leben. Am 6. Mai ist die über viele Jahre älteste Kölnerin im Alter von 107 Jahren und 4 Monaten friedlich und ohne Schmerzen eingeschlafen.

Die Lebensgeschichte von Elisabeth Steubesand ist reich an besonderen Ereignissen. Geboren wurde sie am 13. Januar 1916 in Brühl und begann mit 14 Jahren eine kaufmännische Ausbildung im jüdischen Kaufhaus Landauer in der Kölner Innenstadt. Sie arbeitete in den 1930er Jahren in der Kölner Innenstadt, später dann während des Krieges bei der AOK in Hürth. Ihre einzige Tochter bekam sie 1944 in Bonn. Während draußen die Bomben fielen, begann im Schutzkeller des Krankenhauses ein neues Leben.

1955 zog Steubesand nach Köln, wohnte erst in Mauenheim und später über 60 Jahre in Sülz. Die Menschen rund um die Sülzburgstraße kannten die freundliche Frau, die dort oft in ihrem roten Mantel unterwegs war. Ein wichtiger Teil ihres Lebens war der Karneval. 25 Jahre lang war sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Georg in der Kölnischen Karnevalsgesellschaft aktiv, ging mehrere Male im Rosenmontagszug mit.

Alles zum Thema Henriette Reker

Elisabeth Steubesand: Eine Bank zum 105. Geburtstag

Noch mit 101 Jahren genoss sie auf einem Schiff der KD auf dem Rhein die Kölner Lichter. Mit 103 Jahren verließ sie ihre Wohnung in Sülz, und zog in eine barrierefreie Wohnung in der Kölner Innenstadt. Zu ihrem 105. Geburtstag schenkte ihre Familie ihr eine Bank am Decksteiner Weiher, die sie singend einweihte.

Große mediale Aufmerksamkeit richtete sich in der Pandemie auf Steubesand, sogar weit über die Stadtgrenzen hinaus. Am 7. Februar 2021 war sie die erste, die im Kölner Impfzentrum an der Messe eine Impfung gegen das Coronavirus bekam. Die Frage, ob sie die Impfkampagne der Stadt unterstützen wollte, stellte sich für sie nicht. „Ich will ein gutes Beispiel geben, das ist eine gute Sache.“, sagte sie. Und auch zur Bundestagswahl ging sie einige Zeit später gut gelaunt ins Wahllokal, um ihre Stimme abzugeben. Auch das war ihr wichtig. Im Sommer 2022 trug sie sich ins Gästebuch der Stadt Köln ein, verbunden mit einem besonderen Dank von Oberbürgermeisterin Henriette Reker.

Für jeden ein Lächeln

Mit 105 zog Elisabeth Steubesand in der Residenz am Dom, wo sie noch zwei schöne Jahre verbringen dürfte. In Erinnerung bleibt für alle in ihrem Umfeld ihr fröhliches und zuversichtliches Wesen. Fast immer hatte sie für ihre Mitmenschen ein Lächeln übrig. Die Freundlichkeit gegenüber ihren Mitmenschen war ihr wichtig.

Im Januar 2023, an ihrem 107. Geburtstag, äußerte Elisabeth Steubesand einen besonderen Wunsch. Sie hoffe, dass sie sich irgendwann ganz friedlich verabschieden könne.

Ihr Wunsch hat sich nun erfüllt.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren