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Beißender Gestank„Super-Gau“ verursacht Millionenschaden

4 min

Die Löscharbeiten an dem brennenden Mülllager in Köln-Niehl dauerten auch am Donnerstag noch an.

Köln – Eine große Menge einer illegal entsorgten brennbaren Flüssigkeit hat vermutlich am Mittwochabend den Großbrand in der Müllsortieranlage in Niehl ausgelöst. Zu dieser ersten Einschätzung kommt der Geschäftsführer des betroffenen Unternehmens „Gewerbeabfallsortierung und Verwertung Gesellschaft“ (GVG), Matthias Müller, und spricht von einem „Super-Gau“. Die Schadenssumme schätzt er auf rund fünf Millionen Euro.

Kölns Umweltdezernentin Henriette Reker empfiehlt den Verbrauchern

Obst und Gemüse

aus ihren Gärten in diesen Tagen

vor dem Verzehr

intensiv zu

waschen.

Obwohl nach dem Feuer keine Gesundheitsgefahr für die Bürger bestehe, sei es besser,  Lebensmittel zu reinigen. Dies gelte insbesondere für die

Kleingärtner im Umkreis der Verwertungsanlage.

Es sei nicht auszuschließen, dass sich zum Beispiel

Rußpartikel

auf dem Obst niedergelegt hätten.

Umweltdezernentin Reker betonte ebenfalls vor Journalisten, dass

keine  gesundheitsgefährlichen Stoffe

bei dem Brand

freigesetzt

worden seien. (ta)

Für die Kölner Feuerwehr ist der dramatische Einsatz in Niehl der größte der vergangenen Monate. In der Nacht waren rund 280 Kräfte im Einsatz. Dabei gab es für die Feuerwehr direkt mehrere Probleme. Es mussten über viele hundert Meter Schläuche von Hydranten und umliegenden Unternehmen zum „Tatort“ verlegt werden. Zeitweise sei das Wasser knapp gewesen, sagte Feuerwehrchef Stephan Neuhoff. Dann war es den Kräften nicht möglich, in der 2000 Quadratmeter großen Halle zu löschen. Zwei tragende Säulen seien akut einsturzgefährdet, sagte Neuhoff. So riss in der Nacht ein Spezialbagger das Dach des Gebäudes auf und holte mit seinem langen Ausleger den Müll heraus. Gestern Mittag kam ein zweiter Spezialbagger nach Niehl.

Kurz vor dem Ausbruch des gewaltigen Feuers waren zwei Mitarbeiter mit Schredderarbeiten in der später brennenden Lagerhalle beschäftigt gewesen. Einer habe mit einem Bagger Gewerbeabfall in die Schredderanlage geschüttet, als es zu einer Verpuffung und einer Stichflamme kam, berichtet Geschäftsführer Müller. „Große Menge Brandbeschleuniger ergossen sich über die Anlage, die daraufhin in Flammen aufging.“ Entweder durch Funkenpflug oder durch die heiße Oberfläche der Maschine sei das Feuer ausgebrochen. Beide Arbeiter konnten sich in Sicherheit bringen.

In der Halle lagerten etwa 1000 Tonnen Müll. Die Anlieferung von Benzin und anderen brennbaren Stoffen ist an der Geestemünder Straße verboten. Der Gewerbemüll werde eigentlich genau überprüft und der Eingang protokolliert. In diesem Fall sei dem Annahmepersonal wohl etwas „durch die Lappen gegangen“. Dass der Absender der brennbaren Flüssigkeit gefunden wird, hält Müller nach den Schredderarbeiten für ausgeschlossen.

Nach mehreren Bränden in den vergangenen Jahren nehme die „GVG“ das Thema Brandschutz sehr ernst, betont der Geschäftsführer. „Wir sind auf dem neuesten Stand der Technik und haben Ende Juni die Bestellung für eine verbesserte Brandschutzmeldeanlage abgegeben“, sagt Müller. In drei oder vier Monaten sollten neue Brandmelder und Löschkanonen installiert werden. Doch die Geräte seien noch nicht eingetroffen. Derzeit verfüge die Halle über ein Rauchansaugsystem.

Am Mittwochabend zog eine gewaltige Rauchwolke in südöstlicher Richtung über die Stadt. Acht Messfahrzeuge waren im Einsatz, um die Schadstoffkonzentrationen im Stadtgebiet zu messen, darunter auch zwei Fahrzeuge des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen (Lanuv).

Bis zum Nachmittag wurden keine gesundheitsschädlichen Belastungen festgestellt, betonten Feuerwehr und Stadt. Das Landesamt hatte auch die Schadstoffe in der Rauchwolke direkt über der Einsatzstelle gemessen und auch dort keine gefährlichen Werte festgestellt.

Am Mittag trug der Wind Rauch und den Gestank von verbranntem Plastik in die Innenstadt und andere Stadtteile. Insgesamt rund 500 Anrufe von besorgten Bürgern gingen bei der Feuerwehr ein, die aber beruhigt werden konnten. „Wenn sich Kliniken, Kindergärten oder größere Betriebe über den Gestank beschwerten, sind wir mit einem Messwagen vor Ort gewesen“, erklärte Feuerwehrchef Neuhoff. Auch dort habe es keine erhöhten und gefährlichen Konzentrationen gegeben.

Neuhoff geht davon aus, dass die Arbeiten an der Müll-Sortierungsanlage noch bis Freitag weitergehen. Es sei problematisch, an die letzten Glutnester in dem großen Gebäude heranzukommen.

In der Verwertungsanlage wurde gestern kein Müll angenommen, möglicherweise wird auch heute der Betrieb für den Anlieferverkehr geschlossen bleiben. Je nach Entwicklung der Lage müssten in den kommenden Tagen Betriebe in anderen Städten den Kölnern aushelfen und den Gewerbemüll entsorgen, hieß es. Für Fragen im Zusammenhang mit dem Brand in Niehl hat die Stadt ein Bürgertelefon unter Ruf 07 00/02 21-11 11 geschaltet