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Kölner ZentralmoscheeBegegnung unter imposanter Kuppel am Tag der offenen Tür

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Im Grußwort ging Henriette Reker auch auf die Auswirkungen der Pandemie ein.

  1. Glaube in außergewöhnlichen Zeiten: Beeindruckt zeigten sich die Gäste beim Besuch in der Zentralmoschee am Tag der offenen Tür unter besonderen Hygienemaßnahmen.
  2. In Grußworten wurden etwa Schwierigkeiten und Gemeinsamkeiten während der Pandemie herausgehoben.

Köln – „Beeindruckend!“ „Toll!“ „Wow!“ Die Urteile der Besucher, sobald sie den Gebetssaal der Ditib-Zentralmoschee betraten, waren eindeutig. Imposant wölbt sich die riesige helle Kuppel mit ihren goldenen Kalligrafien und vielen Fenstern, die großzügig das Tageslicht in den Raum mit dem blauen Gebetsteppich hineinlassen, über den Köpfen derer, die am Samstag zum Tag der offenen Moschee den Weg in das muslimische Gotteshaus an der Inneren Kanalstraße in Ehrenfeld gefunden hatten. Darunter auch Henriette Reker.

Und auch der Blick der Oberbürgermeisterin (OB) wanderte als erstes nach oben, als sie am Mittag unter anderem mit dem Bundesvorsitzenden der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (Ditib), Kazım Türkmen, und der Bundestagsabgeordneten Gisela Manderla (CDU) die Moschee an der Venloer Straße betrat. „Wunderbar!“, murmelte Reker dabei unter ihrem Mund-Nasen-Schutz.

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Dabei hatte Kölns gerade erst wiedergewählte OB sich noch vor zwei Jahren diesem Anblick selbst verwehrt. Und das aus gutem Grund. Als am 29. September 2018 zur offiziellen Eröffnung des Baus auch das umstrittene türkische Staatsoberhaupt Recep Tayyip Erdoğan eingeladen war, sorgte das Verhalten der Ditib, die ohnehin immer wieder wegen ihrer Nähe zu der autokratischen türkischen Regierungspartei AKP in der Kritik steht, für einen politischen Affront. Wegen Unstimmigkeiten im Programmablauf sowie der Nichtzusage einer Redezeit hatte Reker damals ihr Erscheinen zur Eröffnungsfeier kurzerhand abgesagt. Zuvor hatte auch unter anderem NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) eine Teilnahme ausgeschlossen.

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Von solchen Unstimmigkeiten und Zerwürfnissen war zumindest am vergangenen Samstag beim diesjährigen Tag der offenen Moschee, der seit 1997 am Tag der Deutschen Einheit begangen wird, nichts zu spüren. Vielmehr war der Streit von vor zwei Jahren bei den offiziellen Grußworten einfach kein Thema mehr. Stattdessen wurden die Schwierigkeiten und Gemeinsamkeiten während der Corona-Pandemie hervorgehoben, wie auch bereits das Motto des diesjährigen Tags der offenen Moschee („Glaube in außergewöhnlichen Zeiten“) andeutete. Sämtliche Veranstaltungen und Führungen während der offenen Tür standen natürlich unter besonderen Hygiene- und Sicherheitsmaßnahmen.

Hohes Gut der Religionsfreiheit

„Wir stehen hier geeint in unserem Interesse und unserem Wunsch, einander zu begegnen und voneinander zu lernen“, hob etwa der Ditib-Generalsekretär im Bundesverband, Abdurrahman Atasoy, in seinem Grußwort hervor und betonte die „großen Wellen der Solidarität“, die dafür gesorgt hätten, „dass das Gemeinwesen weiter funktioniert“.

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Henriette Reker dagegen betonte, dass sie „weiterhin Oberbürgermeisterin aller Kölner und Kölnerinnen sein“ möchte und eine Stadtgesellschaft wolle, „die weiter zusammenwächst“. Durch Corona hätte sich „über Nacht quasi“ der gesamte Alltag verändert und auch das „hohe Gut der Religionsfreiheit“ sei durch die Pandemie „derzeit sehr eingeschränkt“.

Dennoch hätten die Monate, so Henriette Reker weiter, in ihr das Bewusstsein geschaffen, „dass wir uns auch in Krisenzeiten aufeinander verlassen können“.