Köln – Die Corona-Krise beenden kann nur eine Durchimpfung von mindestens zwei Dritteln der Bevölkerung. Darüber ist sich die Mehrheit der Experten einig. In Köln liegt die Zahl der Personen, die eine Erstimpfung gegen Corona bekommen haben bei 20471 (Stand Dienstag) – das sind gerade einmal 2,0 Prozent aller Kölner. Bis das oben genannte Ziel erreicht sein wird, werden also noch Monate vergehen. Zu diesem Schluss kommt auch eine 99-köpfige Expertenkonferenz, zu der Oberbürgermeisterin Henriette Reker eingeladen hatte.
Reker befürwortet Strategie der Experten
An der Konferenz nahm auch der Uni-Professor Michael Hallek teil, der Mitglied des Krisenstabes und der Nationalen Akademie der Wissenschaften „Leopoldina“ ist. Hallek ist ein Unterstützer der so genannten „Null-Covid-Strategie“, die die Zahl der Neuinfektionen durch einen harten Lockdown auf Null bringen soll.
„Ich befürworte diese Strategie. Jedoch wird das damit verbundene Ziel realistischerweise erst im September möglich sein,“ sagte Oberbürgermeisterin Reker bei einem Pressegespräch zu den Resultaten der Corona-Expertenkonferenz. Was die Verfolgung eines so herausfordernden Ziels für die Dauer der aktuellen Lockdown-Maßnahmen in Köln bedeutet, darauf ging Reker konkret nicht ein.
Die Konferenz wurde einberufen, um zu bestimmen, wie durch schnelle Maßnahmen die Zahl der Neuinfektionen in den kommenden Wochen deutlich zu senken sind. Reker hob hervor, dass Köln sich grundsätzlich auf dem „richtigen Weg“ befinde. Die aktuellen Corona-Zahlen – der Inzidenzwert lag am Mittwoch bei 75,4 – unterstrichen das. „Wir wollen möglichst weit unter 50 kommen“, so die Oberbürgermeisterin weiter.
Hier die Eckpunkte, die in der Expertenrunde festgelegt wurden:
Corona-Test-Strategie
Die Corona-Tests sollen ausgeweitet werden. So sollen Antigen-Schnelltests in städtischen Seniorenheimen Standard und vor Ratssitzungen und anderen offiziellen Versammlungen eingeführt werden. Über weitere Anwendungsgebiete für regelmäßige Corona-Testungen werde diskutiert, so Reker.
Regeln zur Maskenpflicht
„Wir wollen auch bei der Maskenpflicht hier und da noch nachschärfen. Zum Beispiel haben wir diese im Umkreis von 150 Metern vor Schulen nun auf alle Personen ausgeweitet. Bisher waren nur Schüler, Lehrer und Eltern davon betroffen“, so Reker. Zudem wolle man die Kommunikation zur Einhaltung der Maskenpflicht ausbauen. Dazu wird es vermehrte Durchsagen in Bussen und Bahnen sowie an den Haltestellen geben, erläuterte die Oberbürgermeisterin. Ein Kommunikationskonzept dazu soll in den kommenden Tagen mitgeteilt werden.
Alkoholverbote an Karneval
Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch werden an ausgewiesenen Orten (den üblichen Karnevals-Hotspots) Verkauf und Konsum von Alkohol untersagt. Details zu den Regelungen will die Stadt voraussichtlich am Freitag nennen.
Impfzentrum
Der Start der Impfungen in der Messehalle soll, wie geplant, am kommenden Montag, 8. Februar, beginnen. „Wir halten nach wie vor an unserem Ziel fest, täglich rund 5000 Impfungen durchzuführen – vorausgesetzt, es ist genügend Impfstoff vorhanden“, so der Leiter der Berufsfeuerwehr, Christian Miller. Die Zahl der Tagesimpfungen könne mit größeren Anstrengungen sogar auf bis zu 8000 gesteigert werden. „Dann könnten wir die Durchimpfung Kölns in der zweiten Septemberhälfte erreichen“, so Miller.
Impf-Strategien
Die Stadt will mit speziellen Maßnahmen die Ü80- und Ü70-Jährigen motivieren, sich gegen Corona impfen zu lassen. Dazu zählt zum Beispiel das Angebot, die Taxi-Kosten für die Fahrten zum Impfzentrum zu übernehmen, wenn Nachweise einer Grundsicherung, eines Kölnpasses oder der Pflegestufe 1 bis 2 vorgelegt werden. Damit wolle man auch verhindern, so Miller, dass diese Hochrisikogruppen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren und sich so einer erhöhten Gefahr aussetzen.
Ethik-Kommission
„Aktuell gibt es bereits viele Bittsteller, die sich an uns wenden, weil sie schwer krank sind und geimpft werden möchten, aber keiner Kategorie angehören“, berichtet der Leiter des Gesundheitsamtes, Johannes Nießen. Die Ethik-Kommission werde sich mit diesen Fällen beschäftigen und allen antworten.



