Köln – Michael Plagge rümpft die Nase. Der neue Chef der Wache in Sülz spricht über den Kölnberg, den Gestank, die Müllberge und die Schwierigkeit, die trostlose Hochhaussiedlung in Meschenich in den Griff zu bekommen. Der 46-Jährige ist seit dem 1. Oktober in der Polizeiinspektion 2 zuständig für die Sicherheit von 180 000 Kölnern. Wohl in keiner großen Wache in Köln ist die Diskrepanz der Arbeit der Polizisten höher.
Plagge nennt es einen großen Spagat. Die Kollegen seien bei Einsätzen in Wohngegenden mit Millionären unterwegs, ebenso im sozialen Brennpunkte am Kölnberg. Die Beamten eilten im Notfall nach Marienburg, Rodenkirchen und dem Hahnwald, aber auch zur Hochhausansammlung am Rande der Stadt.
Ein Ziel: Zustände in Meschenich verbessern
Plagge hat sich zum Ziel gesetzt, die Zustände in Meschenich zu verändern – soweit es geht. Erst vor wenigen Tagen hat er sich das Gebiet näher angesehen. „Es hat sehr gestunken“, sagt Plagge und greift sich an die Nase. Das Hygiene- und Müllprobleme am Kölnberg müsse sich ändern, er spricht von „verbesserungswürdigen Zuständen“. Es sei ein sozialer Brennpunkt mit vielen Problemen. Manche Nachbarn kennen die anderen nicht, für die Beamten sei es ein schwieriges Terrain und Plagge stellt klar, dass die Polizei die Probleme nicht alleine lösen kann. Der Inspektionsleiter kündigte Gespräche mit der Stadt und Einrichtungen vor Ort an. Um die Gesamtproblematik zu lösen, seien Ordnungspartnerschaften nötig. Auch die drei oder vier großen Immobiliengesellschaften vor Ort müssten mit ins Boot genommen werden. Beim Gespräch mit dem „Neuen“ wird deutlich: Michael Plagge will am Kölnberg etwas verbessern.
Eine erfahrener Polizist
Der neue Polizeichef im Süden ist seit 27 Jahren Polizist, darunter in Führungspositionen unter anderem bei den zentralen polizeilichen Diensten in Duisburg sowie bei der Autobahnpolizei. Zudem sammelte er viel Erfahrung über das pulsierende kölsche Leben auf der Wache in Ehrenfeld. Der neue Leiter der Wache hat ein Herz für Köln und das hiesige Polizeipräsidium. „Es ist eine innovative Behörde und oftmals Vorreiter“, sagt Plagge. Beim Thema Fußball entschuldigt sich der 46-Jährige mit einem Schmunzeln: „Ich bin Fan von Bayern München. Ich bin in Würzburg geboren. Da habe man keine Wahl gehabt“.
Seine Verbindungen zu Köln sind jedoch intensiv . Enge Familienangehörige leben in der Stadt und freuen sich, dass der 46-Jährige nun ganz in der Nähe ist. Obwohl: Von seinem Wohnort Leichlingen ist es auch nicht weit zu seinem Dienstort. Plagge bezeichnet sich als „offene Führungskraft“. Seine Bürotür sei nie verschlossen, „ich bin immer ansprechbar“.
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Was macht eine polizeiliche Führungskraft in der Großstadt Köln, um abzuschalten? „In der Corona-Zeit haben meine Frau, mein Sohn und ich das Wandern für uns entdeckt. „Wir haben gesehen, wie schön das Kölner Umland ist“, sagt er. Seinen Beruf findet er noch immer ausfüllend: „Ich habe eine hohe Berufszufriedenheit“.
Nun warten neue Herausforderungen.

