Kölner KarnevalFrauenband Mätropolis will im Fastelovend durchstarten

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Trish Ross (von links), Jenny Gerdts und Linda Teodosiu sind gemeinsam mit Johanna Eicker Mätropolis. Die drei Frauen gehen eine dunkle Straße entlang.

Trish Ross (von links), Jenny Gerdts und Linda Teodosiu sind gemeinsam mit Johanna Eicker (nicht im Bild) Mätropolis.

Weibliche Bands gibt es im Kölner Karneval nicht viele. Die vier Frauen von Mätropolis starten gerade in ihrer ersten Session auf den Kölner Bühnen durch – und bekommen bereits Zuspruch von einigen Karnevals-Größen.

„Da gucken wir mal, was die Mädels so auf dem Kasten haben.“ Bevor die neue kölsche Band „Mätropolis“ im Januar das erste Mal auf die Bühne einer Herrensitzung kommt, klingt der Sitzungspräsident noch skeptisch.

Als die vier Kölnerinnen loslegen, fegen sie mit ihren Pop-Rock-Songs jedoch alle anfänglichen Zweifel vom Tisch. „Bisher haben wir jede Sitzung gerockt“, erzählt Sängerin Linda Teodosiu. Wer die Bandmitglieder kennt, sollte davon nicht überrascht sein. Alle von ihnen haben längst ihre Wurzeln in der Musikbranche geschlagen. Jetzt beweisen sie sich als eine von wenigen Frauen im Karneval.

Durch die Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ wurde Frontfrau Linda Teodosiu als Teenagerin bekannt und hat internationale Pop-Größen wie Beyoncé als Vorband auf Tour begleitet. Die Bassistin Jenny Gerdts ist hauptberuflich Produzentin und lehrt an der Kölner Hochschule für Musik und Tanz.

In der kölschen Musikszene sind besonders die Namen der Gründerinnen Johanna Eicker und Trish Ross bekannt: „Unsere Gitarristin Jo und ich waren vorher bei den Rockemariechen“, erzählt Schlagzeugerin Ross. Als die Band sich auflöste, sei den beiden schnell die Idee für eine neue gekommen. „Und wir wollten wieder mehr Frauen im Karneval, also haben wir eine Mädels-Band gesucht. Mätropolis ist aktuell die einzige weibliche Karnevalsband, die alle Instrumente selber spielt.“

Mit Schäl-Sick-Charme auf die Bühne

Mit Schäl-Sick-Charme will Mätropolis, was so viel wie Mutterstadt heißt, den Karneval erobern. „Ich bin in Porz aufgewachsen und lebe immer noch da“, erzählt Frontfrau Teodosiu stolz. „Mein Opa wird 91 und hat immer Kölsch mit mir gesprochen. Meine Mutter Belinda war lange als Sängerin im Karneval unterwegs. Und so bin ich jetzt auch reingerutscht.“ Damit bei den kölschen Texten alles stimmt, steht Teodosius Familie der Band zur Seite: „Es ist mega oft so, dass wir im Studio sind und Linda ihre Mutter anruft, um Wörter zu checken“, erzählt Bassistin Gerdts lachend.

Mama sei Dank, ließ der erste karnevalistische Ritterschlag nicht lang auf sich warten: „Jörg P. Weber ist zu uns gekommen, als wir im Brauhaus Sion gespielt haben. Das ist einer der krassesten Personen im Karneval - der Kölsche Guru. Er hat gesagt, dass unsere Texte richtig geil sind.“

Die Debüt-Single „Hingerm Horizont“ und Nachfolger „Fiästa“ liefern tanzbare Klänge für die Session. Im Studio werde fleißig gearbeitet: „An Muttertag erscheint eine sehr intime Ballade“, verrät die Frontsängerin.

Vorband bei Kasalla und Miljö

Trotz ihrer Routine im Showbusiness, musste sie schnell feststellen: Die Herausforderungen als Band im Karneval sind besonders: „Es kostet unglaublich viel Kraft. Allein an Weiberfastnacht haben wir fünf Auftritte. Meine Stimme muss sich daran gewöhnen, die Hände der anderen auch“, erklärt Teodosiu.   Doch die Arbeit zahlt sich aus. „Manchmal sieht man schon Leute, die mitsingen“, schwärmt Ross. „Da haben wir echt Gänsehaut.“

Blöde Sprüche, wenn Frauen eine Männerhöhle wie den Karneval rocken? „Ist man gewohnt“, witzelt Gerdts und bezieht sich auf ihre Erfahrungen als eine von wenigen Produzentinnen deutschlandweit. „Man hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Aber grade Bands, mit denen wir zusammenarbeiten, zum Beispiel Miljö, unterstützen uns total“, fügt Ross an. „Wir wurden in der Szene mit offenen Armen empfangen.“

Als Vorband hat die Band schon Shows von Kasalla und Miljö eröffnet. „Aber auch die Mädels, also Nicki von Kempes Feinest, die Beer Bitches oder Funky Marys sind total froh, dass mehr Frauen in den Karneval nachrücken.“

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