Decke wie ein Schweizer KäseWarum der Durchgang am Kölner Dom noch immer gesperrt ist

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Die Decke der Dombauhütte.

Die Decke der Dombauhütte.

Seit fast einem Jahr ist der Durchgang zwischen Kölner Dom und dem Römisch-Germanischen Museum gesperrt. Was eine zügige Sanierung werden sollte, stellt sich als immenser Aufwand heraus.

Egal ob Touristen oder Pendler, viele nutzen den Durchgang zwischen Kölner Dom und dem Römisch-Germanischen Museum (RGM) – eigentlich. Denn seit fast einem Jahr ist dieser gesperrt. Was eine zügige Sanierung werden sollte, stellt sich als immenser Aufwand heraus. Das größte Problem ist Wasser.

Denn die Fläche zwischen RGM und Dom ist undicht – und das bereits seit Jahrzehnten. Das große Problem: Der Boden, über den im Jahr grob sechs Millionen Dom-Besucher schreiten, ist zugleich das Dach der eine Etage tiefer liegenden Dombauhütte und ihrer Werkstätten. Der Blick von unten lässt erschrecken. Überall sind Löcher, Rost, Wasserflecken. Die Mitarbeiter haben Eimer an Rohre gehängt, die das Tropfwasser auffangen. In der Schmiede haben die Mitarbeiter sogar eine Zwischendecke aufgehangen, um das Wasser abzuhalten – sie ist verrostet.

Es war allerhöchste Eisenbahn, dass was passiert
Mitarbeitende der Dombauhütte

„Es war allerhöchste Eisenbahn, dass was passiert“, ist von den Mitarbeitern der Dombauhütte zu vernehmen. Und es passiert: Die Gebäudewirtschaft der Stadt vollzieht die Sanierung im Vorfeld der Instandsetzung des RGM. Doch was die Fachleute unter den Granitplatten gefunden haben, damit hat wohl niemand gerechnet. Denn Papierröhren, die in der Betondecke für Leichtigkeit und zum Material sparen eingesetzt waren, haben sich über die Jahre mit Wasser vollgesogen und die darüber liegende Estrichschicht nach oben gedrückt. Ein „nicht zu erwartendes Schadensbild“, heißt es, ein „deutlich schlechterer Zustand“ als die Untersuchungen haben erkennen lassen.

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„Machen wir uns nichts vor, die Decke sieht nicht so aus, weil es nur eine Woche reingeregnet hat“ erklärt die technische Leiterin der Gebäudewirtschaft, Petra Rinnenburger. „Wir würden das heute nicht nochmal so machen“, betont Dombaumeister Peter Füssenich und verspricht: „Gemeinsam mit der Gebäudewirtschaft werden wir erreichen, dass die Menschen wieder um dem Dom herumschlendern können.“

Schadstoffe wie Asbest gefunden

Zu allem Überfluss sind auch noch Schadstoffe wie Asbest gefunden worden, was die Sanierung noch deutlich aufwendiger machte, die Rundschau berichtete. Doch es ist noch tückischer: Denn Museum Ludwig, RGM und Dombauhütte liegen im Untergrund aneinander. „Ein bisschen wie Tetris“, so Rinnenburger.

Zwischen Dom und Römisch-Germanischem Museum gehen sonst Millionen Touristen am Dom entlang. So sieht der Boden derzeit aus.

Zwischen Dom und Römisch-Germanischem Museum gehen sonst Millionen Touristen am Dom entlang. So sieht der Boden derzeit aus.

Ein Beispiel: An einer Ecke stößt die Sanierung der Decke der Dombauhütte an das Mauerwerk des Ludwigs. Es muss also alles mit Vorsicht und Bedacht geschehen. Bei einem Teil der Fläche – rund ein Drittel – steht die Sanierung zudem noch aus. Die Fachleute rechnen mit ähnlichen Funden. Es wird zudem spannend, was zum Beispiel bei der Sanierung der Dom-Tiefgarage noch entdeckt wird. Denn es ist das erste Mal seit Anfang der 1980er-Jahre, dass diese Betondecken untersucht werden.

Der Mehraufwand führt dazu, dass die beliebte Route zwischen Dom und RGM bis mindestens Oktober gesperrt bleiben wird. Der Aufwand lässt erahnen: Es wird auch deutlich teurer. Mit Dringlichkeit soll nun mehr Geld freigegeben werden. In Verwaltungskreisen ist die Rede von rund 5,6 Millionen Euro, eine Kostensteigerung von 4,1 Millionen Euro. Da die Dombauhütte zum Erzbistum gehört, werden die Kosten vermutlich aufgeteilt. Allerdings sei noch nicht klar, in welchem Verhältnis, voraussichtlich 70 Prozent Stadt, 30 Prozent Erzbistum.

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