Über fünf Stunden dauerte die Proklamation des Dreigestirns - die Reaktionen fielen überschwänglich aus.
PrinzenproklamationWarum diese Pripro in Köln so gut funktionierte

Ein Prinzen-Profi: Niklas I. grüßt in den Saal
Copyright: Costa Belibasakis
Die große Gala neigt sich bereits dem Ende entgegen, als die Emotionen den Festkomitee-Präsidenten übermannen. Christoph Kuckelkorn hatte bis dahin als Moderator souverän durch das mehrstündige Programm der Prinzenproklamation geführt. Dass es eine emotionale Nacht für ihn werden würde, war aber von Beginn an zu spüren. Bereits bei der Begrüßung, als die Kameras des WDR noch nicht aufzeichnen und Kuckelkorn die Ehrengäste samt eigener Familie und seiner Frau begrüßt, da bricht die Stimme mehrfach leicht.

Gerührt: Christoph Kuckelkorn, mit Frau Katia, bekam ein Krätzchen seines Vaters überreicht.
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Kurz vor dem großen Finale mit Cat Ballou trifft es den scheidenden Präsidenten, der sein Amt nach 21 Jahren im Festkomitee-Vorstand nach der Session niederlegen wird, dann aber unvorbereitet. Ein junger Blauer Funk nähert sich Kuckelkorn und überreicht ihm ein Krätzchen des Traditionskorps. Es hatte Kuckelkorns Anfang 2024 verstorbenen Vater Fro gehört. Doch damit nicht genug. Auf der Bühne stimmt Michael Kuhl sein Lied „Karneval, ach Karneval“ an, auf dem Bildschirm leuchtet der Schriftzug „Danke Christoph“ auf. Der scheidende Präsident umarmt vor der Bühne seine Frau Katia und kämpft mit den Tränen. Inmitten seiner Vorstandskollegen des Festkomitees genießt er den Moment. Mit der Proklamation beginnt nun eine sechswöchige Abschiedstournee.

Die Prinzen-Garde wurde beim Einzug in den Gürzenich gefeiert.
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Während Kuckelkorn Abschied feiert, feiert ein anderer Protagonist Premiere. Als „der Neue“ stellt sich Oberbürgermeister Torsten Burmester dem „Pripro“-Publikum dann auch vor und macht mit Blick auf eine mögliche zweite Amtszeit direkt klar: „Ich darf heute und – wenn es nach mir geht – auch die nächsten neun Jahre das Dreigestirn proklamieren.“ Seine Vorgängerin Henriette Reker hatte sich bei ihren Auftritten im Gürzenich dazu entschieden, Kölsch zu sprechen – und blieb ihrer Linie trotz jeder Menge Häme treu. Burmester entscheidet sich bewusst dagegen und will sich gar nicht erst an möglichen Erwartungshaltungen messen. „Der OB soll so sprechen, als sei er vor hundert Jahren im Vringsveedel aufgewachsen“. Das sei er bekanntlich nicht. Aus seiner Arbeit im Kanzleramt habe er mitgenommen: „Etwas nicht zu können, hat gerade in der Bundespolitik noch niemanden davon abgehalten, es trotzdem zu tun.“ Er bleibe, dem Publikum zuliebe, dennoch beim Hochdeutsch. Bis auf kleinere Versprecher tut er das dann auch souverän. Mit Blick auf das neue Dreigestirn ist er sich sicher: „Köln wird Euch tragen auf einer Welle der Sympathie und Herzlichkeit, da habe ich keine Zweifel.“
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Moderatorin Laura Wontorra im Selfie-Fieber.
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Und auch Burmester sammelt mit seinem Auftritt Sympathiepunkte. Von vielen karnevalistischen Akteuren gab es schon vorher Lob für den OB. Er stelle gute Fragen und zeige großes Interesse am Brauchtum, war von verschiedenen Seiten zu hören. Auch seinen ersten großen Bühnen-Auftritt hat er nun gemeistert. Genau wie das Dreigestirn, dass sich dafür einsetzen will, Menschen zu verbinden. „Lasst uns nicht darauf konzentrieren, was uns trennt, sondern auf das, was uns eint. Und das ist die Liebe zu unserem Fastelovend“, ruft Prinz Niklas I. (Niklas Jüngling) in die Menge. Gemeinsam mit Bauer Clemens (Clemens von Blanckart) und Jungfrau Aenne (Stefan Blatt) will er Brücken zwischen den Generationen bauen.

Sichere Bank: Das „Herrengedeck“ räumte ab auf der Bühne
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Der Prinz gehört mit 33 Jahren zu den jüngeren Vertretern seiner Art. „Auch wir jungen Karnevalisten haben ein Herz für den Kölner Karneval“, bekräftigt er. „Und wir werden dafür sorgen, dass diese Tradition nicht verloren geht.“ Ihre Bühnen-Tauglichkeit beweisen die Tollitäten mit ihrem Sessionstitel „Loss mer all zesamme stonn“. Beim anschließenden Dreigestirns-Medley überzeugt der Prinz (als ehemaliger Tanzoffizier bei Jan von Werth) mit seiner tänzerischen Einlage, Bauer Clemens und Jungfrau Aenne greifen zu Trompete und Kastagnetten.
Später im Foyer wurde dem Programmgestalter Ralf Schlegelmilch ein äußerst glückliches Händchen bescheinigt. Lange nicht mehr wurde ein Pronzenproklamation so gefeiert. Die Mischung an feierlichen Elementen wie mit dem Männergesangsverein,den Streicherinnen vom Kwartett Latäng und Tenor Thomas Heyer ergänzte sich mit den Party-Elementen der Brass-Formation Druckluft, die ihre Karnevalsmaus durch den Saal schickte. Und den Tänzerinnen der Kölner Gesellschaften, die dabei den Saal fluteten. Stadtdechant Monsignore Robert Kleine nahm das Motto der Session, „Mer dun et för Kölle“ kurzerhand ins kölsche Grundgesetz auf und stellte das Ehrenamt motivierend wie humorvoll heraus. Jeder, der sich fürs Miteinander einsetzt, lasse sich nicht von zu wenig Geld und zu viel Problemen einschüchtern. Ganz nach der Devise: Wie wäre es, wenn wir einfach mal anpacken.
Der Schlussakkord blieb der Band Cat Ballou vorbehalten. Da strömten viele schon ins Foyer, die Heimkehr-Hymne „deine Stadt“, die Frontmann Oliver Niesen mit der Berliner Sängerin Wilhelmine (mit Smoking und Fliege) darbrachte, ging im Partymodus unter. Aber von der Heimatstadt musste um diese Zeit ohnehin niemand mehr überzeugt werden.
