Wenn Teddys Bein gebrochen istStudierende an der Kölner Uni-Klinik sensibilisieren Kinder für den Krankenhausbesuch

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Dem Fuchs geht es heute nicht so gut. Medizinstudenten helfen bei der Diagnose.

Dem Fuchs geht es heute nicht so gut. Medizinstudenten helfen bei der Diagnose.

Bereits seit 26 Jahren veranstaltet die Fachschaft der Medizinstudierenden unter der Schirmherrschaft des Kinderklinik-Leiters Jörg Dötsch einmal im Jahr das Teddybär-Krankenhaus.

Der Tisch im Zelt des Teddybär-Krankenhauses, das auf einer Wiese vor der Frauenklinik der Uniklinik aufgebaut ist, zeugt bereits von zahlreichen Behandlungen: Verpackungen von Verbandsmaterial und benutzte OP-Hauben türmen sich in der Mitte auf. Zahlreiche Kinder im Vorschulalter warten mit Teddy-Bären, Stoffgiraffen oder Puppen, bis sie an der Reihe sind.

Auch Caleb ist mit seinem Teddy gekommen, einem eher kleinen, zierlichen Exemplar. Beim Klettern sei er gestürzt und habe sich das Bein gebrochen, berichtet er der behandelnden Studentin. Die kann ihn beruhigen: „Das ist schnell geschient, da ist er im Nu wieder auf den Beinen“, sagt sie ihm. Während der Behandlung darf er nicht nur zugucken, sondern sogar helfen: Während das Bein geschient und verbunden wird, setzt er dem Stofftier die Atemmaske auf die Schnauze und beatmet ihn. Anschließend werden die beiden gemeinsam zu den Studierenden der Zahnmedizin geschickt, die Caleb anhand des Teddys zeigen, wie man richtig Zähne putzt – und anschließend dürfen sich beide in der „Apotheke“ noch eine Belohnung für ihre Tapferkeit abholen.

Auf dem Röntgenbild wird Teddys Leiden auf den Grund gegangen.

Auf dem Röntgenbild wird Teddys Leiden auf den Grund gegangen.

Seine Mutter Susan Lee kennt das Prozedere schon – sie ist als Dozentin an der Uniklinik tätig und war bereits mit ihren beiden älteren Kindern in der Teddy-Klinik zu Besuch. „Ich finde das wirklich toll, wie die Studierenden hier mit den Kindern umgehen“, sagt sie.

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Bereits seit 26 Jahren veranstaltet die Fachschaft der Medizinstudierenden unter der Schirmherrschaft des Kinderklinik-Leiters Jörg Dötsch einmal im Jahr das Teddybär-Krankenhaus. Die Idee dahinter: Kindern im Kindergartenalter die Angst vor Ärzten und Krankenhäusern zu nehmen. „Darum tragen wir hier auch alle unsere weißen Kittel“, sagt Joschua Müller-Gerbes von der Fachschaft. „Was die Kinder mitnehmen sollen ist: Wenn einem etwas fehlt, geht man ins Krankenhaus, da wird man dann behandelt und man kommt gesund wieder raus“. Nicht nur einzelne Familien besuchen die Teddy-Klinik, ganze Kita-Gruppen nutzen die Gelegenheit für einen Tagesausflug. „Da wir das schon so lange machen, fragen die Kita-Leitungen oft schon im Vorfeld, ob es wieder stattfinden wird“, sagt Nele Bunsen, die ebenfalls im Orga-Team tätig ist.

Detaillierter „Unfallbericht“

Die Beschwerden, die die Kinder ihren Stofftieren zuschreiben, kennen sie bereits aus ihrer eigenen Erfahrung. „Oft Husten oder Schnupfen, ganz oft sind es Arm- oder Beinbrüche – so etwas können wir natürlich schnell behandeln“, sagt Müller-Gerbes. „Teilweise denken sie sich sehr detaillierte Geschichten aus, wie sie sich verletzt haben etwa, weil sie vom Klettergerüst gestürzt seien“. Seltener berichteten die Kinder auch von schwereren Krankheiten, wie etwa Krebs. „Dann können wir natürlich nicht so tun, als wäre es mit einem Pflaster getan“, meint Bunsen, „Dann muss man sehr sensibel sein.“ Für die Studierenden liegt die Herausforderung vor allem darin, ihr medizinisches Wissen in einfache Worte zu kleiden. „Das ist gar nicht so leicht“, weiß Müller-Gerbes. Gleichzeitig mache es jedoch viel Spaß, sagt Bunsen. „Man bekommt einfach total viel von den Kindern zurück, wenn man merkt, wie sie auftauen und anfangen Neugier zu zeigen“, sagt sie.

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