„Moorleiche“Fund im Worringer Bruch kommt am Mittwoch zu „Aktenzeichen XY ungelöst“

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28.03.2023 US-Spezialist Wesley Neville hat die Leiche aufgrund von 100 Messungen des gefundenen Schädels rekonstruiert.

Fachmann Wesley Neville rekonstruierte vor vielen Jahren das Gesicht der unbekannten Toten vom Worringer Bruch. Bis heute ist die Identität ungeklärt.

Ein weiterer Kriminalfall gibt Rätsel auf. Nun soll eine Ausstrahlung im TV an diesem Mittwoch weitere Hinweise bringen. 

Dass die Mordermittler der Kölner Polizei nicht aufgeben, beweisen die Beamten in diesen Tagen. Mehrere alte ungeklärte Mordfälle werden derzeit neu aufgerollt. Besonders der Fall der getöteten 16-jährigen Seckin Caglar fordert die Ermittler. Nun haben die Polizisten einen neuen Fall im Blick, der auch nach über zwanzig Jahren noch aufgeklärt werden soll.

Es geht um die „Moorleiche“ aus dem Worringer Bruch. Der Fund der Frauenleiche ist weiter nicht aufgeklärt und soll nun in der ZDF-Fahndungssendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ ausführlich behandelt werden. Der Beitrag über die „Moorleiche“ ist der Beginn einer TV-Serie des Bundeskriminalamtes über ungeklärte Verbrechen an Frauen.

„Wir werden den Fall am 10. Mai 2023 in der Sendung vorstellen“, sagte Mordermittler Markus Weber der Rundschau. Es sei der Beginn einer ganzen Reihe von Berichten über ungeklärte Fälle dieser Art bei „Aktenzeichen XY ungelöst“. Neben dem Kölner Fall würden weitere Fälle aus den Niederlanden und anderen Ländern nach und nach gezeigt.

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Mit Hilfe einer Datenbank bekam die Tote ein Gesicht

Die Kölner Kripo schöpft damit neue Hoffnung. Seit dem 14. Oktober 2001 forschen die Ermittler im Dunkeln. An diesem Tag machte ein Pilzsammler im Worringer Bruch unweit des Senfweges eine grausige Entdeckung: Er fand die Leiche einer Frau. Die sterblichen Überreste waren bereits stark skelettiert. Etwa zwei Jahre nach dem Fund hatten die Ermittler eigentlich schon aufgegeben. Die Mordkommission „Moor“ wurde aufgelöst, die Recherchen eingestellt.

Als letzte Chance wandten sich die Ermittler an einen weltweit angesehenen Fachmann für Gesichtsrekonstruktion aus den USA. Er sollte der Toten ein Gesicht geben.

Mit Hilfe einer Datenbank, in der etwa 1000 verschiedene Gesichter gespeichert sind, rekonstruierte der Experte Wesley Neville das Aussehen entstellter Leichen. Der Schädel wurde in etwa 80 Positionen vermessen, dann wurden   die Daten in das Computerprogramm eingegeben. Schritt für Schritt verglich das Programm die Maße mit den Gesichtern aus der Datenbank. Augenabstand, Position und Größe der Nase oder die Stirnhöhe - wie beim Mosaik wurden die Stücke zusammengesetzt.

Der US-Fachmann verlässt sich aber nicht nur auf das Computerprogramm. Die Detailinformationen, die der Schädel vorgibt, sind wichtig: Seine Bögen und Winkel, die Höhe der Eckzähne oder die Neigung des knöchernen Nasenbodens geben Wesley Neville wertvolle Informationen. Es entstand ein Gesamtbild der Toten. Das Foto wurde in den Medien veröffentlicht, aber auch hier keine heiße Spur. Damals wie heute nennt die Polizei die vorliegenden Daten: Die Frau war etwa 20 bis 30 Jahre alt, 1,60 bis 1,70 Meter groß, trug schwarzes Haar mit eingeflochtenem Kunsthaar. Als auffällig werden die guten Zähne beschrieben. Die Frau war afro-asiatischer Abstammung. Sie trug zur Tatzeit eine auberginefarbene Damensteppjacke, eine helle Jeanshose Größe 36, einen schwarzen, gerippten Rollkragen-Pullover und schwarze Lederschuhe der Marke „Graceland“ mit silberfarbener Metallschnalle. Auch in der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ werden diese Daten wieder genannt und das Bild der Toten gezeigt. Bei der Klärung der Identität hatte die Staatsanwaltschaft in Köln auch Kontakt zur amerikanischen Sicherheitsbehörde aufgenommen und bat dort um Hilfe bei einer Gesichtskonstruktion.

Die Ermittler waren dort aber zu sehr mit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 überlastet, berichtete der damalige Oberstaatsanwalt Burkhard Jansen gegenüber der Rundschau. So bekam Fachmann Neville den Auftrag.

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