Köln – Unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeisterin Henriette Reker kamen von Donnerstag bis Samstag rund 700 Aktive der bundesweit 947 Tafeln zu ihrer Mitgliederversammlung, dem 23. Bundestafeltreffen, zusammen. Neben der Wahl des neuen Vorstandes ging es vor allem um die Zukunft der Hilfsorganisation und darum, sich der Öffentlichkeit zu präsentieren. Dafür fand am Samstag als Höhepunkt auf dem Heumarkt eine Lange Tafel statt.
Auf 100 Metern wurde Essen ausgegeben und ein buntes Rahmenprogramm geboten. So spielten etwa die Domstürmer, Schauspieler der „Lindenstraße“ unterhielten sich mit Gästen und halfen bei der Essensausgabe. FC-Vizepräsident Markus Ritterbach verkündete eine zunächst einjährige Unterstützung der Kölner Tafeln durch die Stiftung des Bundesligisten in Kooperation mit Rewe.
Freiwilliges Engagement rettet Tafeln
Der Tafel in Deutschland gehe es „gut“, weil sich insgesamt rund 60 000 Menschen engagierten, für andere einsetzten und Lebensmittel retteten, die sie Menschen, die es nötig haben, zur Verfügung stellten, fasste Jochen Brühl die Situation der Hilfsorganisation gegenüber der Rundschau zusammen.
Der Essener war am Freitag mit 94 Prozent der Stimmen zum Vorsitzenden des Dachverbandes der Tafel wiedergewählt worden. Der 53-jährige führt seit 2013 die Tafel Deutschland ehrenamtlich. In den kommenden vier Jahren wolle er die Tafel als „größten Lebensmittelretter Deutschlands“ weiterhin „zukunftsstark“ machen und etwa für Nachwuchs im Ehrenamt sorgen.
Es sei, so Brühl weiter, die Aufgabe der Politik und der Gesellschaft, daraus Schlüsse zu ziehen, „dass 1,5 Millionen Menschen mittlerweile zu den Tafeln kommen“. Die Tafel halte lediglich einen Spiegel vor und helfe. Seit 2007 habe die Zahl der Nutzer sich verdoppelt, jedes Jahr würden rund 264 000 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung gerettet.
Alarmierendes Signal
Dass mittlerweile etwa 23 Prozent der Klientel, die die Angebote der Organisation nutzen, Rentner seien, ist für den Bundesvorsitzenden ein alarmierendes Signal. „Das muss man besorgt zur Kenntnis nehmen, und darauf muss reagiert werden“, so Brühl am Rande der Langen Tafel auf dem Heumarkt.
Auch für Karin Fürhaupter, Vorsitzende der Kölner Tafel, sind die steigenden Zahlen der hilfsbedürftigen Rentner ein fatales Signal. „Wir würden sehr gerne vermehrt spezielle Ausgabestellen für Senioren einrichten – da hakt es im Augenblick jedoch“, erklärte sie der Rundschau. Gerade ältere Menschen seien oft scheu, „ihre Armut nach außen hin zu zeigen“, erläuterte sie die Notwendigkeit solcher speziellen Einrichtungen.
An Spendern mangele es derzeit in Köln zwar nicht, auch wenn man weiterhin die Augen offen halte, so Fürhaupter. Woran es jedoch mangele, seien Kooperationspartner, die die Lebensmittel auch verteilten – insbesondere in der Innenstadt. „Wir waren und sind weiterhin bemüht, uns anzustrengen, aber wir brauchen bei der Ausgabe einfach mehr Unterstützung“, so die Kölner Tafel-Chefin.
