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Radverkehr ForumHenriette Reker ist Radfahren in Köln zu gefährlich

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Zweiradfahrer unter sich: Mehrere tausend Radler haben am Sonntag bei der Sternfahrt für bessere Bedingungen für Radfahrer demonstriert.

Zweiradfahrer unter sich: Mehrere tausend Radler haben am Sonntag bei der Sternfahrt für bessere Bedingungen für Radfahrer demonstriert.

Köln – Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat am Samstag gleich zu Beginn deutlich des Forums Radverkehr „RadKomm“ klar gemacht, wie sie das Risiko für Radfahren in Köln einschätzt. „Ich bin mit dem Auto gekommen. Mir ist das Radfahren in Köln zu gefährlich“, sagte Reker.

Bei der „Radkomm“ sind Fahrrad-Aktivisten und Vertreter aus Stadtverwaltung, Politik und Wissenschaft im Ehrenfelder Bürgerzentrum zusammen gekommen: Die verschiedenen Workshops, Vorträge und Diskussionen zu den Themen Verkehrsplanung und Feinstaub-Belastung waren der Auftakt zu einem „verkehrspolitischen Wochenende“, zu dem die Fahrrad-Sternfahrt durch die Innenstadt mit mehreren Tausend Teilnehmern am Sonntag gehörte.

Zahlreiche Missstände benannten die radelnden Demonstranten: „Auf der Venloer Straße fahren die Autofahrer über den Radstreifen“, prangerte etwa Lehrerin Julia Müller (29) an. Auf der Inneren Kanalstraße in Höhe der Dürener Straße seien die Radwege wegen durchbrechender Baumwurzeln fast gar nicht mehr zu befahren. Auf den Ringen drohe Gefahr gleich von rechts und links – auf der einen Seite die Gäste der Gastronomie, die mit ihren Stühlen oft schon auf dem Radweg säßen, auf der anderen Seite die parkenden Autos, deren Türen ohne Rücksicht aufgerissen würden. Gefährlich sei die Situation auch für Radfahrer mit Kinderanhänger, berichtete Sandra Boszello. „Die Radwege sind für die Anhänger zu schmal. Wenn man auf die Straße ausweicht, wird man geschnitten oder angehupt.“

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Die Erkenntnis, dass sich in den vergangenen 15 Jahren in Sachen Stadtverkehr bei allen Beteiligten ein „Rucksack voller Unzufriedenheit“ angehäuft habe, äußerte auch Verkehrsdezernentin Andrea Blome bei einem Podiumsgespräch der „Radkomm“. Ein Teil dieses Unmuts trug das Publikum an sie heran. Nur für geringen Trost sorgte ihre Ankündigung, in der Ulrichgasse ab den Sommerferien eine ganze Autospur zu einem Fahrradstreifen umzugestalten und das „Leuchtturm-Projekt“ „Ring Frei“ voranzutreiben. „Der Niehler Gürtel ist seit 50 Jahren eine offene Wunde im Stadtbezirk Nippes“, klagte ein Bürger. Andere forderten, die Radwege deutlicher farbig zu markieren, so dass die Radstreifen sowohl bei Fußgängern und Autofahren mehr Beachtung fänden.

Ein weiterer kritischer Punkt waren die seit Jahren überhöhten Feinstaub- und Stickstoffdioxid-Werte, die nach Ansicht des Mediziners Christian Döring die Forderung nach einer Verkehrswende untermauerten. In einem Workshop konnten Teilnehmer lernen, wie man Feinstaubmessgeräte selbst baut.

In einige Jahren, so Reker, werde sie hoffentlich doch mal mit dem Rad zur „Radkomm“ fahren können . Aber: „Wir stehen noch ganz am Anfang einer Strecke.“

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