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Ratsschiff
„Stählernes Juwel“ soll saniert werden

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Die MS Stadt Köln, die 1938 vom Stapel lief.

Die MS Stadt Köln, die 1938 vom Stapel lief.

Köln – 2008 sollte die ganze Sache endlich Fahrt aufnehmen. Der damalige OB Fritz Schramma war „zuversichtlich, das stählerne Juwel zu erhalten“, ließ die Stadt verlautbaren.

Nachdem der Betreiber, die Häfen und Güterverkehr AG (HGK), offenbar die Faxen dicke hatte und vorschlug, die aus dem Jahr 1938 stammende „MS Stadt Köln“ (wie schon 1982) entweder zu verkaufen oder aber zu verschrotten, winkte Schramma ab und gab stattdessen beim Stadtkämmerer ein Konzept in Auftrag.

120 000 Streckenkilometer zurückgelegt

Seither dümpelt das Ratsschiff, in dem schon Königin Elisabeth II., Charles de Gaulles, Michael Jackson und Konrad Adenauer über den Rhein schipperten, vor sich hin. „120 000 Streckenkilometer hat das Ratsschiff in rund 70 Jahren zurückgelegt, hätte also in dieser Zeit – 22 000 Betriebsstunden – dreimal die Erde umrunden können“, erklärte die Stadt vor Jahren. 1990 in die Denkmalliste eingetragen, ist die „MS Stadt Köln“ eines der vier beweglichen Denkmale in Köln. Dazu gehören außerdem: Das Motorschiff „Düsseldorf“ seit 1998, der Motor des Dampfschiffes „Goethe“ seit 2008 und der Doppeltriebwagen der Köln-Bonner Eisenbahnen ET 57 seit 2009.

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Ebenfalls seit 2009 liegt die „MS Stadt Köln“ im Niehler Hafen.

Nun hat sich der Verein Freunde und Förderer des historischen Ratsschiffes MS Stadt Köln gegründet. Der Kostenvoranschlag einer Werft hat den Optimisten allerdings einen Dämpfer verpasst: Die Instandsetzung wird danach eine Million Euro verschlingen. Das will Axel Kaske, SPD-Ratsherr und Schatzmeister des Fördervereins, nicht akzeptieren: „Die oberste Pflicht ist jetzt erst einmal die Sicherung des Denkmals. Dann müssen wir belastbare Zahlen haben.“

Rechtliche Situation muss geklärt werden

Ein Fachmann aus Duisburg soll sich das Schiff ansehen und schauen, ob es nicht auch preiswerter geht. Als erstes, betont Kaske, müsse die rechtliche Situation geklärt werden, etwa wer Aufträge vergeben könne, „sonst kann der Verein kein Geld einwerben“. Immerhin hat der Schatzmeister dafür gesorgt, dass das Ratsschiff, das 1938 unter dem Namen „Hansestadt Köln“ vom Stapel lief, betankt worden ist. Es soll einen Liegeplatz im Hafen am Schokoladenmuseum bekommen, „die Bereitstellung des Steigers, des Strom- und Wasseranschlusses will die HGK übernehmen“, so Kaske.

Das Schiff wurde für die 1940 geplante Internationale Verkehrsausstellung in der Mainzer Werft Christof Ruthof gebaut. Hitler sollte mit dem luxuriösen Motorschiff zur Eröffnung der Schau nach Köln gebracht werden. Nachdem der Krieg ausgebrochen war, nahm die damalige „Hansestadt Köln“ zunächst keine Fahrt auf.

Das repräsentative Schiff hat neben zwei Salons eine abgeschlossene Gästewohnung. In den Teppichboden wurde das Stadtwappen eingewebt, im Aussichtssalon Tische und Stühle im Chippendalestil den Möbeln auf alten Fotos nachempfunden. Wände und Decke in den Salons sind mit mattiertem Nussbaumholz verkleidet, die Wände in der Gästewohnung mit poliertem weißen Ahornfurnier. Teile der ursprünglichen Möblierung und die sanitären Anlagen sind noch aus den 30er Jahren erhalten. Das Schiff wurde in Leichtbauweise errichtet, die beiden Sechszylinder-Viertakt-Dieselmotoren von Klöckner-Humboldt-Deutz haben jeweils 375 PS.

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