Bei der Prinzenproklamation im Gürzenich bekam Ludwig Sebus den Verdienstorden in Gold mit Brillanten.
Vor 1300 GästenSo emotional war die Proklamation des Dreigestirns im Gürzenich

Jungfrau Aenne, Prinz Niklas I. und Bauer Clemens auf der Bühne des Gürzenichs.
Copyright: Costa Belibasakis
Einen großen Moment erlebt der Gürzenich direkt zu Beginn der Prinzenproklamation. In roten Samtsesseln sitzen Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn und der 100 Jahre alte Krätzchensänger Ludwig Sebus auf der Bühne. Kuckelkorn übernimmt die Rolle des Geschichtenerzählers, berichtet von Sebus’ Zeit in Kriegsgefangenschaft, seiner Rückkehr in ein zerstörtes Köln und sein großes musikalisches Werk. „Das sind Heimatlieder, Hymnen, Erinnerungen und Hoffnung zugleich“, sagt Kuckelkorn.

Die emotionale Ehrung von Ludwig Sebus durch Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn war direkt zu Beginn ein Höhepunkt.
Copyright: Costa Belibasakis
Für sein Wirken für den Karneval und die Menschen in der Stadt, seine politische Haltung als „ständiger Mahner“ und seine Rolle als Vorbild zeichnet das Festkomitee den „Grandsigneur“ des Kölner Karnevals mit der höchst möglichen Anerkennung aus: dem Verdienstorden in Gold mit Brillanten. „Ludwig, Alaaf“, ruft Kuckelkorn und der Saal erhebt sich. Sebus bedankt sich mit einem kölschen Medley, gemeinsam mit seinem engen Freund, dem ehemaligen Höhner-Schlagzeuger Janus Fröhlich, singt er „Luur ens vun Düx noh Kölle“ oder Jupp Schmitz' „Wer soll das bezahlen.“
Es ist der Auftakt eines berauschenden Gala-Abends, an dessen Höhepunkt für drei Männer ein Lebenstraum in Erfüllung geht. Aus Niklas Jüngling, Clemens von Blanckart und Stefan Blatt werden bei der Prinzenproklamation Prinz Niklas I., Bauer Clemens und Jungfrau Aenne.
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Abschied für Kuckelkorn, Premiere für Burmester
Jüngling hatte sich diesen Traum womöglich als erster der drei in den Kopf gesetzt. Bereits mit 15 Jahren hatte er sich ein Sparbuch mit dem Titel „Prinz“ angelegt, um zumindest finanziell für den großen Moment gewappnet zu sein. Die Freude darüber, dass der lang gehegte Traum Wirklichkeit wird, ist an diesem Abend im Gürzenich riesig. Beim Prinzen selbst, aber auch bei seinen Kameraden der Prinzen-Garde. Im Traditionskorps ist er bestens vernetzt und in seinen vielfältigen Rollen hochgeschätzt.

Zusammen mit Janus Fröhlich sang Ludwig Sebus ein Medley aus kölschen Klassikern.
Copyright: Thomas Banneyer
Ein emotionaler Abend ist es auch für Festkomitee-Präsident Christoph Kuckelkorn, der die Proklamation zum letzten Mal moderiert. Anfang Dezember hatte er seinen Rücktritt als Kölns oberster Jeck angekündigt. Nach der Session gibt er sein Amt ab, auch weil das zeitintensive Ehrenamt kaum noch mit seinem Beruf als Bestatter zu vereinbaren war. Ganz am Ende dieser langen Proklamationsnacht bekam er seine eigene Hymne. „Danke, Christoph“ leuchtete auf der Leinwand.

Moderiert die Pripro zum letzten Mal: Christoph Kuckekorn.
Copyright: Thomas Banneyer
Während sich Kuckelkorn in dieser Session auf Abschiedstournee begibt, feiert ein anderer seine Premiere. Torsten Burmester ist als neuer Oberbürgermeister erstmals für die Proklamation des Dreigestirns verantwortlich. Der OB meistert seine Rede bis auf wenige Versprecher souverän. Anders als seine Vorgängerin Henriette Reker tut er das nicht auf Kölsch. „Ich bleibe Ihnen zuliebe heute bei Hochdeutsch“, sagt Burmester, der sich mit „seinem“ ersten Dreigestirn sicher ist: „Köln wird Euch tragen auf einer Welle der Sympathie und Herzlichkeit, da habe ich keine Zweifel.“
Zum dritten Mal hat Programmgestalter Ralf Schlegelmilch die Proklamations-Gala in drei Abschnitte aufgeteilt. Handelsübliche Auftritte von Rednern oder Bands, wie sie auf jeder Sitzung zu sehen sind, gibt es seitdem kaum noch. Bevor Prinz, Bauer und Jungfrau in ihr Amt gehoben werden, geht es im ersten Abschnitt vor allem um Inhalte. Eröffnet wird der Abend durch eine Ouvertüre, arrangiert vom Orchester Matthias Heßeler, unterstützt von Darstellern aus der Musical-Szene.

Mit Unterstützung aus der Musical-Szene sorgte die Ouvertüre für die musikalische Eröffnung des Abends.
Copyright: Costa Belibasakis
Ein inszeniertes musikalisches Duell trägt das Orchester mit den Streicherinnen des Kwartett Latäng und der Brassband Druckluft aus. Wie in den vergangenen beiden Jahren ist Jörg P. Weber Teil des Programms. Dieses Mal nicht in seiner Rolle als skandalumwobener Büttenredner Horst Muys, sondern deutlich zurückhaltender und gemeinsam mit Volker Weininger und Martin Schopps als Teil des „Herrengedecks“. Das Trio arbeitet sich wortgewandt an bundespolitischen Themen ab, wirft dann aber auch den Blick auf die eigene Stadt. Was wäre, wenn Tommy Engels „Du bes Kölle“ den wirklichen Ist-Zustand der Stadt beschreiben würde? „Dat es Kölle, wo das Bauamt vill verkack, jeiht jedem op dä Nerv und op dä Sack.“ Und auch hier gibt es den Bezug zum Sessions-Motto: „Dat es Kölle, in der Stadt wir vill verschlamp, die Arbeit mäht dat Ehrenamt.“
Auch Stadtdechant Robert Kleine würdigt in seiner Festrede die vielen Ehrenamtlerinnen und Ehrenamtler. „Ihr seid der Beweis dafür, dass man die Welt, oder zumindest unsere Stadt, ohne großes Budget verändern kann. Deshalb sagen wir heute Danke.“
Für Stimmung sorgen nach dem Proklamations-Akt Stadtrand und die Luftflotte. Den Helden des Alltags widmet Stefan Knittler den eingekölschten Bowie-Hit „Heroes“ („Helde“). Schade, dass zu diesem Zeitpunkt kaum noch jemand im Publikum mit voller Aufmerksamkeit dabei ist. Für das große Finale sind die Musiker von Cat Ballou zuständig.
