In Hamburg sollen Besucher wieder in die Aussichtsplattform des Funkturms strömen. Beim Colonius in Köln fehlt dafür eine finanzielle Perspektive.
Baudenkmal ColoniusWarum der Funkturm in Hamburg wieder öffnet und der in Köln nicht

Im Abendrot: Die Kanzel des 266 Meter hohen Colonius schwebt über den Dächern der Stadt.
Copyright: Rolf Vennenbernd/dpa
Während die Stadt mit einem „Köln-Standard“ für günstigeres Bauen derzeit versucht, Hamburg hinterher zu eifern, ist die Hansestadt auch bei einem anderen wichtigen Bauthema einen Schritt schneller: dem Funkturm. Der Senat des Stadtstaates hat Anfang Dezember beschlossen, dass der Heinrich-Hertz-Turm ab 2031 wieder für die Öffentlichkeit öffnen soll. Auch eine Aussichtsplattform soll der Funkturm am Messegelände erhalten. Die Rundschau fragte bei der Gesellschaft Deutsche Funkturm (DFMG) nach, was diese Entscheidung für Köln und den Colonius bedeutet.
„Wir freuen uns, dass unser Wiedereröffnungsprojekt des Hamburger Fernsehturms mit Unterstützung des Senats voranschreitet“, erklärt Benedikt Albers, Leiter Kommunikation. Die Deutsche Funkturm ist Infrastrukturdienstleister und Betreibergesellschaft zahlreicher Funkriesen, wie dem sogenannten „Tele-Michel“ in Hamburg, dem Europaturm in Frankfurt oder dem Berliner Fernsehturm. Das Tochterunternehmen der Telekom sitzt in Leverkusen. Albers weiter: „Wir können uns immer noch sehr gut vorstellen, dieses erfolgreiche Projekt auch auf den Colonius zu übertragen.“
Eine Frage des Geldes
Das ist jedoch eine Frage des Geldes und das ist in Köln derzeit bekanntlich knapp. Das Projekt in Hamburg hat ein Volumen von rund 40 Millionen Euro, gut die Hälfte übernimmt mit 21,1 Millionen Euro die Stadt. Rund 18,5 Millionen Euro Fördergelder hat der Bund bereits 2016 freigegeben. Das ist möglich, weil der Hamburger Turm wie seit 2022 auch der Kölner Colonius unter Denkmalschutz steht. Für den Betrieb setzen sich in Hamburg zudem schon länger prominente Geldgeber wie zum Beispiel Philipp Westermeyer ein, der Gründer der sogenannten „Online Marketing Rockstars“. Das OMR-Festival lockte in diesem Jahr rund 67.000 Personen aus Medien und Marketing nach Hamburg.
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In Köln fehlen bisher öffentlich bekannte Förderer eines neuen Betriebs der Kanzel am Colonius, die seit Ende der 1990er-Jahre geschlossen ist. Umso mehr kommt es auf die Stadt und die Politik an. Albers führt aus: „Das öffentliche Interesse ist nach wie vor immens groß und es gibt einen ernstzunehmenden Interessenten für den Betrieb des Turms, wenn die Rahmenbedingungen ähnlich wie in Hamburg geklärt sind. Dazu ist es notwendig, die Unterstützung der Stadt für den Colonius zu konkretisieren. Trotz regelmäßiger positiver Gespräche ist dies noch nicht gelungen. Aber wir erhoffen uns, dass die guten Nachrichten aus Hamburg auch Impulse für Köln geben und wir im kommenden Jahr mit der neu gewählten Stadtverwaltung den Ball wieder aufnehmen können.“
Ein Betreiber, aber keine Einigkeit
Wie die Rundschau berichtete, verriet die DFMG im Mai dieses Jahres, dass es einen ernsthaften Interessenten für einen öffentlichen Betrieb im Colonius gebe. Die Stadt wiegelte allerdings ab. Die Zitate der Verwaltung vom Mai klingen angesichts der gerade überwundenen Haushaltssperre heute fast aktueller als damals: „Selbst wenn die DFMG die genannten Bedingungen für die Prüfung einer möglichen finanziellen Beteiligung der Stadt Köln erfüllen würde, erscheint vor dem Hintergrund der aktuellen Haushaltslage eine städtische Förderung derzeit jedoch als wenig aussichtsreich.“
Beim Colonius lag die Rechnung höher als in Hamburg, Kosten rund 60 Millionen Euro kursierten. Seitens der Stadt hieß es im Sommer weiter: „Grundsätzlich begrüßt die Stadt Köln die Ideen und Bestrebungen einer Wiedernutzbarmachung des Colonius. Weiterhin ist eine Unterstützung mit aller Voraussicht nach erheblichen finanziellen Mitteln der öffentlichen Hand bei gleichzeitig unvorhersehbaren Kostenentwicklungen im Baubereich in Anbetracht der aktuellen Haushaltslage schwer darstellbar.“
Keine Kohle für den Colonius
Die finanzielle Lage hat sich seitdem noch verschlechtert. Gleichzeitig hat die Verwaltung mit einer möglichen Bewerbung für die Ausrichtung olympischer Sommerspiele bereits das nächste Großprojekt im Visier. Dementsprechend ist die Analyse einfach: Die Idee einer öffentlichen Nutzung des Colonius bleibt weiterhin im Sparstrumpf.
Die Deutsche Funkturm gibt die Hoffnung aber nicht auf. Albers: „Der Colonius ist und bleibt der wichtigste Funkstandort für Köln und die Region – auch ohne öffentlichen Betrieb. Neben seiner technischen Bedeutung liegt das touristische Potenzial leider seit mehr als zwanzig Jahren brach. Deswegen möchten wir dem Colonius in Zukunft seine Doppelfunktion zurückgeben und den Turm wieder besuchbar machen.“
