Findet der Weihnachtsmarkt im kommenden Jahr statt oder nicht? In einem Aufruf fordern die Ausstellerinnen und Aussteller Planungssicherheit von der Stadt.
Markt am Kölner Dom in GefahrAussteller am Kölner Weihnachtsmarkt fürchten um ihre Existenz

Glasbläser Rainer Schrade an seinem Stand auf dem Weihnachtsmarkt am Dom.
Copyright: Costa Belibaskis
Glasbläser Rainer Schrade verkauft seit 15 Jahren seine Kunst auf dem Weihnachtsmarkt am Dom. Touristen und Kölner kommen gleichfalls gerne an seinen Stand, denn dort kann man ihm bei seiner Arbeit zuschauen. In den 40 Jahren als Kunsthandwerker stand Schrade schon auf vielen Weihnachtsmärkten. 18 Jahre in Berlin auf dem Breitscheidplatz, dann in Freiburg, in Mannheim. „Köln ist der schönste Weihnachtsmarkt, den ich erlebt habe“, sagt er mit Überzeugung. Auch deshalb setzt sich Schrade zusammen mit anderen Ausstellern des Weihnachtsmarktes am Dom für dessen Fortbestand ein.
Wie berichtet, könnte der Markt im kommenden Jahr nicht stattfinden – oder andersherum: fest bestätigt ist er noch nicht für 2026. Die Stadt muss den Weihnachtsmarkt am Dom erneut ausschreiben, nachdem das erste Vergabeverfahren geplatzt ist. Die Frist läuft nun bis zum 19. Dezember. Gleichzeitig weist die Stadt die potenziellen Betreiber aber auf ein großes Risiko hin: Die Tiefgarage unter dem Roncalliplatz ist so marode, dass der Markt ab 2026 stark eingeschränkt sein oder sogar ganz ausfallen könnte – möglicherweise auch mehrere Jahre hintereinander.

Johanna Weber (r.) in ihrem Stand von „Kupferlicht“.
Copyright: Costa Belibasakis
Ein umfassendes Statik-Gutachten soll erst Mitte 2026 Klarheit bringen. Bis dahin ist ungewiss, ob schwere Lkw oder der Aufbau von Bühne und Weihnachtsbaum überhaupt noch möglich sind. „Es gibt überhaupt keinen Plan für das kommende Jahr“, so Schrade. „Wir hängen total in der Luft.“ Der Markt habe laut Schrade in den vergangenen Jahren nur zugelegt: an Besucherzahlen und in der Außenwirkung. „Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass die Stadt Köln so was einfach absägt.“
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160 Unterschriften von Ausstellern gesammelt
Für Schrade ist der international beliebte Weihnachtsmarkt aber natürlich nicht nur ein schöner Platz. Er ist auch finanziell nicht wegzudenken. „Ich mache in den letzten sechs Wochen des Jahres fast 50 Prozent vom Jahresumsatz“, so der Glasbläser. Für den Fortbestand des Marktes in dieser Form hat er von Ausstellern rund 160 Unterschriften gesammelt und einen Aufruf an die Stadtverwaltung verfasst. „Wir wollten nicht dasitzen wie die Maus vor der Schlange, sondern uns aktiv engagieren.“
In ihrem Aufruf fordern die Aussteller die Stadt auf, „schnellstmöglich eine Interimslösung zu beschließen“: Der bisherige Betreiber, die Kölner Weihnachtsgesellschaft, solle den Markt bis zum Ende des Rechtsstreits weiterbetreiben. „Diese Lösung gewährleistet die Kontinuität und Qualität des Marktes, erhöht die Planungssicherheit für uns Aussteller und gibt der Verwaltung die notwendige Zeit, das komplexe und fehlerbehaftete Vergabeverfahren in Ruhe und unter vollständiger Einhaltung des Vergaberechts neu aufzurollen“, heißt es in der Forderung.
Wir lieben diesen wunderschönen Markt. Er ist nicht nur unsere Haupteinnahmequelle im Jahr – er ist auch unsere Herzensangelegenheit.
Die Tiefgarage sieht Schrade nur als „Ablenkungsmanöver“ – schließlich sei die Notwendigkeit einer Sanierung der Stadt schon seit acht Jahren bekannt. „Merkwürdig“ findet dies auch Johanna Weber. Sie verkauft seit 14 Jahren Teelichthalter aus Kupfer auf dem Weihnachtsmarkt. „Der Markt ist für uns existenziell. Wir arbeiten das ganze Jahr auf diesen Weihnachtsmarkt hin, und haben natürlich unser Sortiment auch auf Köln ausgerichtet“, sagt Weber, die die Einzelstücke für ihre Marke Kupferlicht selbst entwirft und anfertigt. „Die Situation ist sehr problematisch für uns.“
Johanna Weber und die anderen Aussteller fordern vor allem Planungssicherheit. „Das muss noch in diesem Jahr geschehen“, so die Kunsthandwerkerin. „Sonst stehen wir plötzlich vor dem Nichts.“ Die Bewerbungsschluss-Termine für viele andere Weihnachtsmärkte stehen an oder sind sogar verstrichen. „Natürlich macht uns das sehr traurig. Wir wollen nicht weg von hier. Wir lieben diesen wunderschönen Markt. Er ist nicht nur unsere Haupteinnahmequelle im Jahr - er ist auch unsere Herzensangelegenheit.“
