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Stadt Köln würdigt frühere OBWas es mit dem Porträt von Henriette Reker auf sich hat

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Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker enthüllen ein Porträtgemälde der früheren OB.

Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker enthüllen im Rathaus ein Porträtgemälde der früheren OB.

Mit einem Festakt hat die Stadt Köln die frühere Oberbürgermeisterin Henriette Reker gewürdigt. Nach zehn Jahren im Amt wurde sie in Öl verewigt, ihr Porträt hängt künftig neben dem Amtszimmer des OB.

Bewegender Abschied von Henriette Reker (69): Im Rahmen einer Festsitzung des Kölner Stadtrats wurden am Dienstagabend die Verdienste der früheren Kölner Oberbürgermeisterin gewürdigt. Sie war zehn Jahre lang, vom 22. Oktober 2015 bis 31. Oktober 2025, das Stadtoberhaupt von Köln - als erste Frau in der Geschichte. Rund 300 geladene Gäste nahmen an der Feierstunde in der Piazzetta des Kölner Rathauses teil, darunter bekannte Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, Kultur und Sport. 

In seiner Laudatio sagte Oberbürgermeister Torsten Burmester (62, SPD) über seine parteilose Amtsvorgängerin, sie habe mit dem ersten Arbeitstag als OB alles Persönliche hinter ihr Amt gestellt. „Ihre klare Priorität lautete: Köln. Alles andere hatte sich unterzuordnen. Ein hoher Anspruch an sich selbst. Immer erreichbar und immer bereit, an die eigenen Grenzen zu gehen – oder sogar darüber hinaus, wenn es denn im Sinne dieser Stadt war.“

Kölns OB Burmester lobt Leistung seiner Vorgängerin Henriette Reker

Wenn man mit jemandem über Henriette Reker spreche, so Burmester, falle immer wieder ein Satz, der ihr zugeschrieben werde: „Ein Amt kennt keinen Feierabend, kein Wochenende und keinen Urlaub.“ Der OB lobte Reker für ihre Disziplin, Leistungsbereitschaft und ein Arbeitsethos, „das einige vielleicht als preußisch bezeichnen würden“. Ihre Amtszeit sei „gespickt mit Krisen“ gewesen - von der Flüchtlingswelle 2015 über die Corona-Pandemie bis zum Krieg in der Ukraine. Doch sie habe sie alle gemeistert. „Sie haben Köln gedient, liebe Frau Reker, mit jeder Faser Ihres Seins. Meinen herzlichsten Dank hierfür und meinen großen Respekt vor Ihrer Leistung als erste Oberbürgermeisterin in Kölns 2000-jähriger Stadtgeschichte“, sagte Burmester.

OB Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker mit ihrem Porträtfoto, das künftig vor dem Ratssaal hängt.

OB Torsten Burmester und seine Vorgängerin Henriette Reker mit ihrem Porträtfoto, das künftig vor dem Ratssaal hängt.

Reker zeigte sich gerührt, sie sagte: „Ich bedanke mich für Ihre Sicht auf meine Amtszeit. Und dass Sie meine Fehler und Unzulänglichkeiten nicht erwähnt haben, war auch nett.“ Einen besonderen Dank sprach sie ihrem Ehemann Perry Somers aus, „der mich zehn Jahre lang hingebungsvoll versorgt hat“. Der Saal reagierte mit donnerndem Applaus.

Kölner Künstlerin verewigt Henriette Reker in Öl

Bei der Feierstunde wurden zwei Porträts von Henriette Reker enthüllt. Das eine ist ein Schwarzweiß-Foto, das künftig im Spanischen Bau vor dem Ratssaal in der Reihe der Oberbürgermeisterporträts hängen wird. Das andere ist ein Ölgemälde, das neben dem Amtszimmer des Oberbürgermeisters angebracht wird. „Ich freue mich, Sie jetzt jeden Morgen begrüßen zu können“, sagte Burmester. Anschließend trug sich Reker in das Goldene Buch der Stadt Köln ein. Sie schrieb: „Es war mir die größte Ehre meines Lebens, Oberbürgermeisterin meiner Heimatstadt zu sein.“

Porträt der früheren Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker, gemalt von der Kölner Künstlerin Helena Parada Kim.

Das Porträtgemälde zeigt Henriette Reker in einer langen grünen Jacke mit Stehkragen im chinesischen Stil vor einem grünen Hintergrund, der die Struktur der Leinwand erkennen lässt. Die Jacke ist mit einem floralen Muster mit Blättern und Blumen verziert, sie wird durch Knebelverschlüsse geschlossen.

Gemalt hat das Bild die Künstlerin Helena Parada Kim. Sie ist Tochter spanisch-koreanischer Eltern, wurde 1982 in Köln geboren und wuchs dort auf. Sie stehe „für eine zeitgenössische Porträtauffassung und ist bekannt für geradezu altmeisterliche Großformate, die immer auch die Frage nach Identität aufwerfen“, erklärte das städtische Presseamt. Kim hat an der Düsseldorfer Kunstakademie studiert, war Meisterschülerin von Prof. Peter Doig. Sie lebt und arbeitet in Berlin. Ihre Bilder zeigen häufig Pflanzen und prachtvolle Gewänder, aber auch Tiere und Stillleben.

Porträtbild von Reker hängt künftig in der OB-Galerie im Kölner Rathaus

Henriette Reker sagte, sie habe ihr Porträt von Kim malen lassen, „weil ihre Kunst Brücken baut – zwischen Kulturen, zwischen Tradition und Gegenwart. Das war auch immer mein Anspruch. Die Kölner Künstlerin Helena Parada Kim hat ihn in eine eigenständige, sensible Bildsprache übersetzt und hält ihn damit in dem Porträt, das künftig Teil der Kölner Stadtgeschichte sein wird, lebendig.“

Henriette Reker bei dem Festakt im Kölner Rathaus mit (von links): OB Torsten Burmester, ihrem Ehemann Perry Somers und NRW-Europaminister Nathanael Liminski.

Henriette Reker bei dem Festakt im Kölner Rathaus mit (von links): OB Torsten Burmester, ihrem Ehemann, dem australischen Golflehrer Perry Somers, und NRW-Europaminister Nathanael Liminski.

Das Gemälde wird künftig neben den zahlreichen Porträts ihrer Vorgänger seit Konrad Adenauer hängen. Jürgen Roters, Oberbürgermeister von 2009 bis 2015, ließ sich seinerzeit von einem Freund und Nachbarn, dem aus Nigeria stammenden Künstler Peter Uka, in Öl malen. Das Porträt von Fritz Schramma, Kölner OB von 2000 bis 2009, stammt von dem berühmten Kölner Künstler Gerhard Richter. Dabei handelt es sich um eine überarbeitete Fotografie.

Liminski: Köln hat in der Corona-Zeit Maßstäbe gesetzt

Bei einer von Bettina Böttinger moderierten Talkrunde sagte die frühere Geschäftsführerin des Sozialdienstes katholischer Frauen, Monika Kleine, über Reker, ihre Haltung habe sich in zehn Amtsjahren „überhaupt nicht verändert“. Ihre Nahbarkeit sei bis heute geblieben. Nach dem Attentat auf sie habe Reker nie der Angst Raum gegeben. „Du hast immer gesagt, das Thema, die Aufgabe ist wichtiger.“

Der frühere Präsident der IHK Köln, Werner Görg, lobte, Reker habe allen Forderungen widerstanden, im „Hochsteuerland“ Köln die Gewerbesteuer zu erhöhen. Das habe der Wirtschaft gutgetan, und der amtierende OB solle sich daran „für die Zukunft ein gutes Beispiel nehmen“. NRW-Europaminister Nathanael Liminski (CDU) würdigte unter anderem, dass Köln unter Reker in der Corona-Zeit bundesweit Maßstäbe für die Krisenbewältigung gesetzt habe. Nach dem Überfall Russlands auf die Ukraine habe sie „die Grundlage gelegt für die größte Friedensdemonstration, die wir in unserem Land je erlebt haben: den Rosenmontagszug zugunsten der Ukraine“.