Die Kölner Künstlerin Katharina Jahnke nimmt die Tradition der Postkarten und Souvenirs unter die Lupe.
Künstlerin Katharina Jahnke in der ArtothekAusstellung: Mit Postkarten in die Erinnerungskultur

Die Künstlerin Katharina Jahnke stellt in der Artothek aus.
Copyright: Thomas Brill
„Herzliche Grüße sendet euch Rudi.“ Kurz und knapp ist der Text auf der Postkarte mit Kölnmotiv. Rudi mag da vielleicht ein Rätsel aufgeben. Ob er auf Klassenfahrt war? Zwischenstation machte? Ob er sich die Stadt angeschaut und ein Kölsch probiert hat? Katharina Jahnke näherte sich – dem auch ihr wildfremden – Rudi vor allem über die raumgreifende Schrift, welche die Karte füllt.
Bildbände überklebt
In Aquarelltechnik hat sie die Buchstaben minuziös gemalt und nachempfunden. Ein kleines Puzzlestück in ihrem Werk unter dem Titel „se souvenir“, das sie derzeit in der Artothek ausstellt. In einem Archiv in ihrem Kölner Atelier hat sie unzählige Postkarten in den Rubriken Klassenfahrten, Preisausschreiben oder sonstigen Lebenszeichen unter dem Titel ihrer Werkreihe „wiegehtesdirmirgehtesgut“ gesammelt.
Groß ist der Fundus unterschiedlichster Motive wie zum Beispiel aus den Bereichen Pflanzen, Tiere oder Architektur. „Das Lesen der fremden Post bedient hier ebenso den Reiz der heimlichen Beobachtung wie es gleichzeitig das Bewusstsein für den Verlust der Jahrhunderte alten Kultur der postalischen Urlaubsgrüße schafft, die von der digitalen Kommunikation abgelöst werden“, erklärt Astrid Bardenheuer, Leiterin der Artothek. In ihrer weiteren Serie „Cologne“ arbeitet die 1968 in Berlin geborene Künstlerin mit Motiven aus Bildbänden, die sie überklebt und in einen neuen Kontext setzt.
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Marienfigur mit Addams Family
Zur Marienfigur mit Kind gesellt sich die Addams Family; vor dem Fenster im Treppenhaus des WDR-Funkhaus tummeln sich bunte Papageien. Die Zeichnungen und Collagen, die Katharina Jahnke so akribisch wie witzig zusammenstellte, sind dort direkt im touristischen Herzen der Stadt angesiedelt und schlagen gleichsam einen Bogen zur Erinnerungskultur. Katharina Jahnke arbeitet mit Kunstreiseführern, Kulturbildbänden und Schnappschüssen aus dem Alltagsleben – es ist also quasi ein Archiv für verschickte Urlaubserinnerungen.
Beide Serien stehen in einer auf den Raum bezogenen Installation in einem Dialog und spiegeln das soeben vom Publikum im Außenraum gerade gestreifte Umfeld. Dazu kommen Tauben, die Jahnke modellierte und auf Fenstersimse oder den Boden setzt. Sie gehören – wie mittlerweile auch die Papageien – für die Künstlerin fest zum Stadtbild dazu. Viel Köln-Nostalgie kommt auf, aber immer mit dem humoristischen Hintersinn der Veränderung und Neuzusammenstellung.
Ein Clou der Ausstellung ist ein drehbarer Ständer mit Postkarten, auf denen sich ihre Bilder wiederfinden. Und es gibt sogar die dazu passenden Marken. Wer also ein Souvenir von der Ausstellung haben oder weiterverschicken will, kann sich bedienen.
Bis 28. August, Mo bis Do 13 – 19 Uhr, Fr 10 bis 17 Uhr. Am Hof 50