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phil.Cologne in KölnOlaf Scholz diskutiert mit Axel Honneth zum Thema Arbeit

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Bundeskanzler Olaf Scholz (Mitte) in der Diskussion mit Svenja Flaßpöhler und Axel Honneth.

Bundeskanzler Olaf Scholz (Mitte) in der Diskussion mit Svenja Flaßpöhler und Axel Honneth. 

Auf der phil.Cologne war Bundeskanzler Olaf Scholz zu Gast und diskutierte mit Axel Honneth über "Arbeit und Demokratie". Moderatorin Svenja Flaßpöhler hakte beim Thema der unbesetzten Stellen nach.

Wie wichtig ist Arbeit? In den USA und anderen Ländern haben Menschen ihren Job aufgegeben, da sie der Überzeugung sind, dass er ihr Leben ärmer macht, selbst wenn sie gut verdienen. Schon sprechen manche von einer „Anti-Work-Bewegung“.

Arbeit sollte erfüllen

Svenja Flaßpöhler, die in der Flora das Gespräch von Bundeskanzler Olaf Scholz und Philosoph Axel Honneth moderierte, brachte im Endspurt der Debatte den neuen Trend ins Spiel. „Arbeit und Demokratie“, so der Titel, des phil.Cologne-Nachmittags hatte bis dahin mehr den Aspekt behandelt, wie wichtig die Arbeit für den Zusammenhalt der Demokratie ist.

Die Anti-Arbeit ist für Honneth, Professor an der New Yorker Columbia University, keine neue Nachricht. Doch es sei ein Alarmzeichen. Das Problem sei die Schwierigkeit, eine Arbeit zu finden, die erfülle. Er fordert eine komplette Neubewertung von Arbeit.

Repetitive Tätigkeiten, bei denen gleiche oder ähnliche Arbeitsabläufe wieder und wieder durchgeführt werden, könnten weitaus attraktiver gestaltet werden. Den meisten Menschen, die arbeiten müssten, fehle die Zeit, sich mit Politik zu beschäftigen. Auch Putzen schließe vor politischer Partizipation nicht aus. Generell müsse aber mehr für die Bildung getan werden, um vom Diskurs nicht ausgeschlossen zu sein.

Der 73-Jährige hat gerade das Buch „Der arbeitende Souverän“ geschrieben. „Ich liebe das Thema und habe das Buch gleich gelesen“, erklärte Scholz, ehemals Arbeitsminister und schon nach dem Studium als Anwalt für Arbeitsrecht unterwegs.

Applaus für Pflegekräfte

Bald feiert er ein halbes Jahrhundert Mitgliedschaft in der SPD. Viele Menschen seien ihm auf seinem Weg begegnet, die politisches Engagement auch dann an den Tag legten, wenn sie repetitive Arbeit machten.

Als Skandal bezeichnete er das Wegschauen, wenn Menschen anstrengende Arbeit mit niedrigsten Löhnen machten. Die Coronakrise habe es mit dem Applaus für die Pflegekräfte gezeigt. Respekt sei wichtig, ihm müsse aber auch finanzielle Anerkennung folgen. Flaßpöhler sprach ihn auf die Agenda 2010 an, in deren Folge sich die Leih- und Zeitarbeit massiv ausweitete.

Scholz holte weit aus, sprach von einer der größten Herausforderungen der Geschichte, aber auch von einigen Kurskorrekturen, die in jüngster Zeit erfolgt seien. „Der Kündigungsschutz ist wieder da“, betonte der Kanzler. Die Erwerbsminderungsrente werde im kommenden Jahr angehoben. Es gebe den Mindestlohn. „Wir haben jetzt wieder den richtigen Kurs.“

Doch Flaßpöhler ließ mit ihren Fragen nicht locker: 12 000 Lehrerstellen seien bundesweit nicht besetzt. Wie wolle Scholz diese Bildungsdilemma angehen? „Wir müssen diese Wahrheit anerkennen“, sagte der Kanzler. Es gelte Überzeugungsarbeit bei den Studierenden für den Lehrerberuf zu leisten. „Da müssen wir uns ganz schön anstrengen.“

„Wir leben in einer Zeit, in der die Arbeit keine Kultur der Aufmerksamkeit erhält“, kritisierte Honneth. Auf technischen Fortschritt zu hoffen, reiche nicht. „In der Pflege werden Roboter die Arbeit nicht ersetzen können. Und ich kann mir auch nicht vorstellen, dass man Schülerinnen und Schülern einen Roboter vorsetzen kann. Ich glaube daher nicht, dass uns die Arbeit ausgeht.“

Isoliert im Homeoffice

Das Ende der Diskussion galt dem Thema Homeoffice. Honneth warnte vor den Nachteilen der Isolierung, es gebe weitaus weniger diskursiven Austausch. Homeoffice könne mit der Zeit enorm belasten, wenn der Austausch mit Kollegen über Fragen im Arbeitsalltag fehle.

„Das wird sich schnell rächen.“ Die psychische Belastung nehme zu. Es dürfe kein Zwang zum Homeoffice geben. Auch hier zeige sich, dass das Arbeitsverhältnis eine große Rolle im öffentlichen Diskurs spiele. Es komme auf den richtigen Mix durch Mitbestimmung im Betrieb an.