Vor 80 Jahren, am 19. März 1946, erschien die Kölnische Rundschau zum ersten Mal. Hauptlizenzträger Reinhold Heinen gehörte zu den Gründergestalten der rheinischen CDU. Mit Konrad Adenauer aber verband ihn ein ambivalentes Verhältnis.
80 Jahre RundschauAdenauer, Heinen und das Ringen um Unabhängigkeit

1956 feierte die Rundschau im Kölner Hotel Excelsior ihr zehnjähriges Bestehen. Bundeskanzler Konrad Adenauer spricht. Vorn links Josef Kardinal Frings und Verleger Reinhold Heinen.
Copyright: Hansherbert Wirtz
Es sind Bilder der Harmonie. Köln, Hotel Excelsior, 19. März 1956: Die Kölnische Rundschau feiert ihr 10-jähriges Bestehen. Rundschau-Verleger Reinhold Heinen steht mit Bundeskanzler Konrad Adenauer und dem Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings zusammen. Ein weiteres Bild zeigt Heinen und Frings, die Adenauers Ansprache lauschen.
Knapp acht Jahre später, am 20. Januar 1964, ist dieses politisch-geistlich-mediale Triumvirat wieder zu sehen: Beim Bankett zur Einweihung des Rundschau-Hauses in der Kölner Stolkgasse sitzen die drei zusammen. Adenauer ist nicht mehr Kanzler, aber immer noch Abgeordneter, CDU-Bundesvorsitzender und ein Mann, der versucht, seinen Einfluss auszuspielen. Und er blickt mit feinem Lächeln auf Heinen.
Auf jenen Heinen, der ein Dreivierteljahr zuvor in einem Brief an den in der Schweiz lebenden und aus Österreich stammenden US-Publizisten Franz Robert Ingrim (1896-1964) über Adenauer geschrieben hatte: „Ich lehne den Herrn ab wegen seiner Charaktereigenschaften, unbeschadet der Tatsache, dass ich seine Politik aus sachlichen Überlegungen mitgemacht habe, ihn auch in den letzten Jahren unterstützt habe und auch, soweit mir das richtig erscheint, unterstützen werde. Aber das ändert nichts an meinem persönlichen Urteil über ihn.“
Erhalten geblieben ist dieses Schreiben vom 8. Juni 1962 in einem Ordner „K. Adenauer“, der jüngst beim Ausräumen eines Aktenschranks im Rundschau-Haus wieder auftauchte. Von der gedruckten Einladung über Schriftwechsel bis zu Telefonprotokollen sicherte Heinen dort Belege seiner Kontakte zum Gründungskanzler. Heinens Briefwechsel mit Adenauer ist zudem auch in dessen eigenem Nachlass erhalten.

Adenauer und Heinen bei der Einweihung des Rundschau-Hauses 1964. Mit dem Rücken zum Fotografen sitzt Kardinal Frings.
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Heinens hartes Urteil über Adenauer lässt auf eine langjährige und gespannte Beziehung schließen. In der Tat: Beide kannten sich aus Zeiten der Weimarer Republik. Seit 1921 war der Journalist und promovierte Staatswissenschaftler Heinen Generalsekretär der Kommunalpolitischen Vereinigung (KPV) der Zentrumspartei und geriet in dieser Funktion wiederholt mit seinem Parteifreund Adenauer, dem Kölner Oberbürgermeister, aneinander. Details sind in der 2005 erschienenen Heinen-Biografie des Politologen Rainer Moltmann nachzulesen.
Adenauers Vorbehalte wurzelten so tief, dass er 1946 bei der britischen Besatzungsmacht vergeblich gegen Heinens Berufung zum Hauptlizenzträger der Rundschau intervenierte. Heinen trug ihm das noch Jahrzehnte später nach. In einer Notiz von 1964 stellte Heinen auch eine frühere Initiative, ihn zum Städtetags-Geschäftsführer zu machen, in diesen Zusammenhang.
Dabei gab es einiges, was beide Männer verband. Heinen, geboren am 7. Januar 1894 in Düsseldorf, war ebenso wie der genau 18 Jahre und zwei Tage ältere Adenauer gläubiger Katholik. Beide zahlten einen hohen Preis für ihre Ablehnung des NS-Regimes. Der spätere Bundeskanzler verbrachte ein Jahr in politischer Haft. Bei Heinen wurden es vier Jahre, davon drei im Konzentrationslager Sachsenhausen, in dessen „Erziehungsblock“ er misshandelt wurde. Beide gehören zu den Gründergestalten der CDU im Rheinland, und beide waren vom gleichen Impuls getrieben: den Rückfall in eine Diktatur zu verhindern.
Paradoxerweise ist es dieser Impuls, der Adenauers autoritären Politikstil erklärt. Zutiefst misstraute der erste deutsche Bundeskanzler dem eigenen Volk, das die Weimarer Demokratie verspielt hatte. Heinen, der Publizist, hoffte demgegenüber, mit Aufklärung Erfolg zu haben. Die erste Rundschau-Ausgabe vom 19. März 1946 brachte einen ausführlichen Bericht über den Nürnberger Hauptkriegsverbrecherprozess. Im Editorial „Neues Beginnen“ hieß es über die CDU, sie sei „kein reaktionäres Sammelbecken“ und „keine Rechtspartei“, in ihr sei „kein Raum für eine Hitlerrenaissance“.
Die KZ-Erfahrung prägte Heinen. 1958 lehnte er das Große Bundesverdienstkreuz ab, weil man seinen Widerstand gegen den Nationalsozialismus nicht ausreichend gewürdigt habe. Noch Anfang 1969, kurz vor seinem Tod, empfing er im Rundschau-Haus eine Delegation der DDR-Gedenkstätte Sachsenhausen. Andererseits hatte er gegen Adenauers Staatssekretär Hans Globke, Kommentator der Nürnberger Gesetze, so wenig einzuwenden wie der Kanzler selbst.
Von dieser Schuftigkeit soll jedes Wort der Nachwelt erhalten bleiben.
Trotzdem: Es waren keinesfalls nur Streitigkeiten aus Weimarer Zeiten, die Adenauer und Heinen trennten. Intensive Nachwirkung hatte Adenauers Verhalten in Sachen „Allgemeine Kölnische Rundschau“. Unter diesem Titel hatte Heinen am 10. September 1948 eine überregionale Zeitung für die britische Besatzungszone herausgebracht. Dazu angehalten hatte ihn Adenauer, damals CDU-Chef in dieser Zone. Das Projekt scheiterte. Im März 1950 wurde die „Allgemeine Kölnische Rundschau“ eingestellt, unterm Strich stand ein Minus von einer Million Mark. Vergeblich hatte Heinen Adenauer gebeten, Empfehlungsschreiben an potenzielle Förderer zu schicken – Adenauer meinte, solche Briefe könne er „in meiner Eigenschaft als Bundeskanzler unmöglich unterschreiben“. Noch bei einem Abschiedsessen, das der scheidende Kanzler am 2. Oktober 1963 gab, geriet Heinen mit ihm über diese Sache in Streit. Adenauer sah die Gründung der „Allgemeinen Kölnischen Rundschau“ als die „eine gute Tat“ in Heinens Leben. Der Verleger hielt ihm daraufhin vor, die Zeitung „getötet“ zu haben. Zudem äußerte Heinen den Verdacht, Adenauer habe Heinens Blätter dem Konkurrenten Kurt Neven DuMont zuschanzen wollen, der wegen seiner NS-Belastung unter den Briten keine Zeitung herausbringen durfte, mit Gründung der Bundesrepublik aber seinen „Kölner Stadt-Anzeiger“ startete. „Von dieser Schuftigkeit soll jedes Wort der Nachwelt erhalten bleiben“, drohte Heinen einem Sprecher Adenauers, nachdem der Kanzler gegangen war.
Abgesehen vom geschäftlichen Desaster sorgte die „Allgemeine Kölnische Rundschau“ wie ihre lokale Schwester für inhaltliche Auseinandersetzungen. Heinens überregionale Zeitung sei „aus der Reihe getanzt“, kritisierte Adenauer noch ein paar Monate vor deren Ende am 29. Dezember 1949. Interventionen dieser Art gab es immer wieder. Am 17. November 1949 etwa hatte Adenauer eine „völlige Änderung“ bei der Rundschau verlangt, am 15. November 1958 kommentierte er eine Überschrift mit den Worten: „Das können Sie ruhig der SPD als Wahlzeitung verkaufen.“ Und am 6. Juni 1962 berichtete der neu ernannte Rundschau-Chefredakteur Rudolf Heizler seinem Herausgeber über ein sehr spezielles Gespräch mit Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU). Adenauer, so wusste Strauß zu erzählen, habe sich vor den Kabinettsmitgliedern über Heizler beschwert. Er, Strauß, habe geantwortet, die kritische Haltung der Rundschau bestehe doch schon viel länger. „Adenauer erwiderte, ja, er habe den Engländern damals schon gesagt, es sei falsch, dem Dr. Heinen eine Lizenz zu erteilen, worauf Strauß erwiderte, wie er hinzufügte, unter starkem Schmunzeln der übrigen Minister: Und da wundern Sie sich noch, dass die Rundschau Ihnen gegenüber eine reservierte oder kritische Haltung hat?“
Einer der engsten Mitarbeiter Heinens war Hans Heider. Der 2017 im Alter von 92 Jahren verstorbene Heider hat nach eigener Aussage im Laufe seiner Karriere – vom Redakteur über die Geschäftsführerposition bis zum Verwaltungsratsmitglied – nie einen Vertrag unterschrieben. Heinen hatte ihn per Handschlag verpflichtet. Heider also erklärte die Auseinandersetzungen damit, dass „Adenauer eben der kühl kalkulierende Staatsmann war, Dr. Heinen dagegen oft aus dem Bauch heraus argumentierte, besonders wenn es um soziale oder kommunale Anliegen, vor allem aber, wenn es um Unabhängigkeit und Meinungsfreiheit ging“.
Das Soziale, Reinhold Heinens Sorge um den Geldbeutel der kleinen Leute, dürfte bei Auseinandersetzungen über die Besteuerung von Zucker 1951 eine Rolle gespielt haben. Aber auch nahezu jedes andere Thema konnte Anlass für einen Konflikt sein, von der Rundschau-Nachrichtengebung zu europapolitischen Fragen (Adenauer-Beschwerde vom 4. Mai 1950) bis zum Umgang mit dem Geheimbesuch von Finanzminister Fritz Schäffer (CSU) in Ost-Berlin anno 1955, der erst drei Jahre später bekannt wurde. Die bizarre Schäffer-Affäre war der Anlass für Adenauers Invektive über die vermeintliche SPD-Wahlzeitung. Eine der frühesten Auseinandersetzungen galt der Rundschau-Berichterstattung über den Umgang mit einer Kreuzwegdarstellung im oberbergischen Ründeroth 1947. Dabei hatte Adenauer allerdings in einem Punkt Recht – die Rundschau hätte dem angegriffenen Pfarrer Gelegenheit zur Stellungnahme geben müssen.
Die Kölnische Rundschau hat gewiss eine politische Meinung, und diese liegt im Großen und Ganzen in der Linie der CDU, aber sie ist unabhängig, und zwar völlig unabhängig, insbesondere auch von irgendwelchen Parteistellen und auch vom Herrn Bundeskanzler.Reinhold Heinen
Auch nach Adenauers Rücktritt hörte die Streiterei nicht auf. Im August 1965 etwa führte Adenauer vor der Unionsfraktion Klage darüber, dass die Rundschau den SPD-Fraktionschef Fritz Erler interviewt hatte. Außerdem missfiel ihm die Berichterstattung über kommunalpolitische Themen in Bad Honnef. Ein halbes Jahr zuvor sorgte Rundschau-Politikredakteur Willy Nissel (1926–2022) für Verstimmung. Nissel, der selbst zu den Mitgründern der CDU im sauerländischen Fröndenberg gehörte, hatte am 1. Dezember 1964 einen geschliffenen Leitartikel über „Das Tragische um Adenauer“ veröffentlicht. Nissels Analyse berührte zwei für den Ex-Kanzler äußerst schmerzliche Punkte: Adenauers verfehlte Reaktion auf den Berliner Mauerbau 1961 (laut Nissel zeigte er sich als „Polemiker“, nicht als „staatsmännischer Vater der Nation“) und seine Weigerung, sich hinter Ludwig Erhard als Kandidaten für seine Nachfolge zu stellen. Durch diese Fehler habe Adenauer bei der Bundestagswahl 1961 die absolute Mehrheit verspielt. Die veränderten Machtverhältnisse hätten, so Nissel, einen „Dolchstoß“ gegen den deutsch-französischen Elysée-Vertrag möglich gemacht (dessen mit Rücksicht auf die USA gesetzte Präambel Paris tatsächlich verstimmt hatte).
Noch am Abend des gleichen Tages musste Reinhold Heinens Schwiegersohn Heinrich Heinen beim „Alten“ antreten. Er versicherte, auch ihm und seinem Schwiegervater hätten Nissels Angriffe „direkt wehgetan“. Aber: „Herr Nissel hat, so glaube ich ihn verstehen zu müssen, Sie mit diesem Artikel auf Vordermann bringen wollen, damit rechtzeitig vor den Wahlen die Stoßkraft der Partei stark sei.“ Immerhin soll Adenauer nun gelächelt haben. Aber zufrieden war er weiterhin nicht mit der Rundschau.
Am 16. August 1965 mokierte sich Adenauer vor Journalisten des Vereins „Union-Presse“ über den Begriff „der CDU nahestehende Zeitungen“. Laut einer Aktennotiz von Reinhold Heinen führte er aus: „Die Art, wie sich die Zeitungen von der Partei distanzierten, könne von ihm nicht als richtig betrachtet werden.“ Dabei nannte er die Rundschau und die „Rheinische Post“, deren Verleger Anton Betz vehement widersprach: Er, Betz, sei CDU-Mitglied, „aber seine Zeitung als solche könne nicht Mitglied einer Partei sein“. Heinen sekundierte: „Der Leser wolle im übrigen heute mehr als vor Jahren die Argumente aller Parteien kennenlernen.“
Frappierend: 1965 wiederholte Adenauer eigentlich nur, was er bereits am 13. November 1956, also neun Jahre zuvor, vor der Unionsfraktion gesagt hatte. Zeuge war damals Rundschau-Parlamentskorrespondent Franz Göddert (1893-1978), der Heinen über die vertrauliche Aussprache, bei der er zuhören durfte, unterrichtete. Adenauer erwähnte die Rundschau, die „Rheinische Post“ und die „Ruhr-Nachrichten“: „Man merkt nur manchmal etwas in diesen Blättern davon, dass sie CDU-Blätter sind“ – obwohl sie „als CDU-Blätter von der Besatzung konzessioniert worden“ seien. Göddert bat Heinen, nicht durchblicken zu lassen, dass die Informationen über diese Ansprache von ihm kamen. Also spielte man über Bande: Kollege Betz übernahm es, Adenauer darauf hinzuweisen, dass die Zeitungslizenzen an Personen aus der CDU, aber nicht an die Partei gegangen waren. Dass die Rundschau keine „Parteizeitung im alten Sinne des Wortes“ sei, hatte schon im Editorial „Neues Beginnen“ von 1946 gestanden.

Die Kölner Stolkgasse im Mai 1955. Links die alte Hauptpost, rechts ein Flachbau an der Stelle des heutigen Rundschau-Hauses.
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Aber: So oft sich Adenauer beklagte und so sehr Heinen auf Unabhängigkeit achtete – Außenstehende sahen sein Blatt als „Adenauers kölnische Leib- und Magenrundschau“ („Der Spiegel“ vom 1. März 1950) oder gar als „das Organ des Herrn Bundeskanzlers“, wie Werner Jacobi (SPD) am 14. Februar 1952 im Bundestag ausführte. Heinen verwahrte sich dagegen, so wie er auch den FDP-Abgeordneten Thomas Dehler 1953, die DDR-Nachrichtenagentur ADN 1954 und das französische Kommunistenblatt „L’Humanité“ 1955 auf die Unabhängigkeit der Rundschau hinwies. Am 11. Februar 1957 fasste Heinen in einem Brief an die „Saarbrücker Zeitung“ zusammen: „Die Kölnische Rundschau hat gewiss eine politische Meinung, und diese liegt im Großen und Ganzen in der Linie der CDU, aber sie ist unabhängig, und zwar völlig unabhängig, insbesondere auch von irgendwelchen Parteistellen und auch vom Herrn Bundeskanzler.“
Gelegentlich versuchte Heinen, die Verhältnisse umzudrehen und Adenauers Politik zu beeinflussen. In den ersten Jahren der Bundesrepublik, als Adenauer auch Außenminister war, schickte Heinen ihm Einschätzungen seiner Korrespondenten. Ob es um Botschaften in Santiago de Chile und Den Haag ging, um die Beziehungen zu Ägypten oder 1952 um das Bemühen des polnischen Primas Stefan Wyszyński, ein polnisches Domkapitel in Breslau zu errichten – Heinen glaubte zu wissen, was zu tun war. In Sachen Ägypten reagierte Adenauer am 12. Februar 1953 knurrig: „Ich fürchte, die Ägypter treiben ein übles politisches Spiel.“
Schon Ende 1949 hatte Heinen angeboten, „bestimmte Themen und Gedankengänge“ der Bundesregierung auf der Basis „beiderseitiger Aussprache“ in der Allgemeinen Kölnischen Rundschau zu platzieren. Adenauer reagierte scharf: Es sei ihm „als Bundeskanzler ganz unmöglich, der Redaktion einer Zeitung einen Einfluss auf meine Entschließungen zu gewähren“. Heinen-Biograf Moltmann sieht darin ein Missverständnis – aber war das so? Mit der „Aussprache“ hätte Heinen Einfluss auf die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung erhalten. Dass er den suchte, zeigte sich 1953, als er Adenauer „mit Rücksicht auf die Bundestagswahl“ eine Sonderbeilage zur Sozialen Marktwirtschaft vorschlug. Später, zum Jahreswechsel 1953/54, brachte die Rundschau auf ihrer Titelseite einen Adenauer-Gastbeitrag, für den Heinen zuvor eine „Skizze“ eingereicht hatte. Aus dem Jahr 1954 ist gar eine Mappe „Verhandlungen zu Regierungsblatt“ erhalten. Offensichtlich hatten Adenauer und sein Staatssekretär Otto Lenz Ideen geäußert, der Rundschau „Regierungshilfe“ durch bevorzugte Information zu geben. Parlamentskorrespondent Göddert riet ab, ergeben hat sich nichts.
Bei allem Dissens wussten Heinen und Adenauer somit, was sie aneinander hatten. Zu Heinens 70. Geburtstag 1964 ging Adenauer erneut unter die Rundschau-Autoren und würdigte den Verleger als „aufrechten Mann“ von „starkem Temperament und Charakter“, mit dem er öfters „die Klingen gekreuzt“ habe. Heinen bedankte sich herzlich, zumal er „diese Auszeichnung weder erwartet noch verdient“ habe. Zu Adenauers 90. Geburtstag 1966 wiederum schrieb die Rundschau, seit Bismarck habe niemand mehr für das deutsche Volk geleistet als Adenauer. Autor war der vom Ex-Kanzler so kritisch gesehene Rudolf Heizler.
1965 hatte Heinen den ersten Band der Adenauer-Memoiren als Vorabdruck gebracht, nicht ohne Klage über die „Unzuverlässigkeit“ des Autors (23. Februar 1965). Als Adenauer im Sterben lag, bereiteten Heinens Leute die „Aktion Adenauer“ vor, den Druck einer Sonderausgabe. Am 19. April 1967 sah das laut internem Bericht so aus: „Uhrzeit des Todes 13.20 Uhr, Andruck bzw. erstes Exemplar am Ausleger 14.14 Uhr, Druckende 15.25 Uhr.“ 65 Verteiler brachten je 700 Stück unter die Leute. Heinen kondolierte der Familie: Mit Adenauer habe „die Welt einen ihrer fähigsten Köpfe“ verloren.
Wie ist das Verhältnis beider Herren zusammenzufassen? Eine Bilanz mit doppeltem Boden zog Adenauer bei der Einweihung des Rundschau-Hauses 1964. Der Ex-Kanzler mokierte sich über Heinens Pochen auf Unabhängigkeit: „Wir alle sind vollkommen unabhängig. Im Innern sind wir doch irgendwie abhängig.“ Dann aber dankte er Heinen dafür, dass er „nicht den leichten Weg gewählt hat, sondern einen Weg entsprechend seinen Grundsätzen“. Und: „Sie wissen, meine Damen und Herren, zwischen Herrn Dr. Heinen und mir ist nicht immer klare Sicht gewesen. Es hat manchmal Wolken gegeben. Im Grunde haben wir aber immer dasselbe gewollt, und in der Hauptsache und in der Hauptsache sind wir stets einig gewesen.“
Historische Zitate wurden in die aktuelle Rechtschreibung übertragen. Die Erstausgabe der Rundschau finden Sie als Faksimile in unserer heutigen digitalen Ausgabe, dem E-Paper, vom 19. März 2026.

Der Redaktionsgroßraum der Kölnischen Rundschau in der Stolkgasse 1963/64, aus der Festschrift: Peter Josef Hasenberg/Hans Heider/Reinhold Heinen, Rundschau-Haus 1961-1963, Köln 1964. Der Bildautor ist unbekannt.
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