Kirchenrechtler zum Fall Woelki„Ein apostolischer Administrator für Köln wäre sinnvoll“

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Hat 16 Jahre lang das Büro des Bischofs von Limburg geleitet: Prof. Thomas Schüller.

Hat 16 Jahre lang das Büro des Bischofs von Limburg geleitet: Prof. Thomas Schüller.

Wie könnte (und sollte) der Vatikan auf die Entwicklung der Ermittlungen im Fall von Rainer Maria Kardinal Woelki reagieren? Fragen an den in Münster lehrenden Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Durchsuchungen bei einem deutschen Bistum – wie wird so etwas im Vatikan behandelt?

Rom beobachtet die Vorgänge sehr genau und wird mit Sorge die heutigen Durchsuchungen zur Kenntnis nehmen. Allerdings vermute ich, dass Rom abwartet, ob die Staatsanwaltschaft nach Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen Anklage erheben wird oder nicht. Es gilt ja weiterhin die Unschuldsvermutung. Allerdings hätte der Richter nicht den Durchsuchungsbefehl unterzeichnet, wenn ihm die Kölner Staatsanwaltschaft nicht substanzielle Verdachtsmomente für eine mögliche Straftat vorgelegt hätte. Sie haben selbst 16 Jahre lang das Büro eines Bischofs geleitet.

Kardinal Woelki argumentiert, er habe Ermittlungsergebnisse hinsichtlich eines Pfarrers an die Glaubenskongregation weitergeleitet und den Begleitbrief abgezeichnet, könne sich aber nicht erinnern, ihn auch gelesen zu haben. Ist das so üblich?

Auch mein damaliger Bischof Franz Kamphaus in Limburg hat in vielen Fällen Aktenmappen weitergeleitet und den Begleitbrief abgezeichnet und sich dabei darauf verlassen, dass seine Mitarbeiter, darunter ich, alles ordentlich zusammengestellt hatten. Aber doch nicht in einem so gravierenden Fall wie bei Vorwürfen, die das Schicksal eines Priesters betreffen. Da sehen auch die kirchenrechtlichen sogenannten Normae vor, dass sich der Bischof mit dem Fall inhaltlich befasst, bevor er ihn nach Rom gibt. Dass er mit seiner Unterschrift beglaubigt: ich stehe dahinter. Kardinal Woelki hätte es tun müssen – ob er es getan hat, weiß ich nicht.

Der Papst kann auch bei besetztem Bischofsstuhl für diese Zeit einen Apostolischen Administrator einsetzen. Das wäre der sinnvollste Weg für Köln.

Dem Papst liegt Woelkis Rücktrittsgesuch ja vor. Was könnte er tun?

Würde der in der Causa Woelki augenscheinlich beratungsresistente und sture Papst Franziskus jetzt den Rücktritt annehmen, könnte dies als Vorverurteilung gedeutet werden. Allerdings stellt sich für Rom inzwischen schon die Frage, ob Woelki angesichts der zahlreichen Prozesse, die er selbst angestrebt hat, und der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen, die gegen ihn laufen, überhaupt noch seinen Dienstgeschäften nachkommen kann. Diese Frage ist sicher zu verneinen. Von daher sollte er zumindest den Papst bitten, ihn in der Ausübung seiner Amtspflichten ruhen zu lassen, bis eine gerichtliche Klärung zu einem Ergebnis gekommen ist. Er würde damit weiteren Schaden vom Erzbistum Köln abwenden. Der Papst kann auch bei besetztem Bischofsstuhl für diese Zeit einen Apostolischen Administrator einsetzen. Das wäre der sinnvollste Weg für Köln. 

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