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Angriffe ohne Trumps HilfeRaffinerien in Flammen, Unruhe in Moskau – und neue Probleme für Putin?

4 min
Immer wieder greift die Ukraine seit Kriegsbeginn russische Raffinerien oder Öldepots an, wie hier im Jahr 2023 auf der von Russland illegal besetzten Halbinsel Krim. Im August 2025 gelang der Ukraine nun eine ganze Reihe ähnlicher Nadelstiche. (Archivbild)

Immer wieder greift die Ukraine seit Kriegsbeginn russische Raffinerien oder Öldepots an, wie hier im Jahr 2023 auf der von Russland illegal besetzten Halbinsel Krim. Im August 2025 gelang der Ukraine nun eine ganze Reihe ähnlicher Nadelstiche. (Archivbild)

Putins Raffinerien gehen erneut in Flammen auf. Moskaus Blogger wirken nervös. US-Analysten prognostizieren derweil „weitere Instabilität“.

Die Treibstoffkrise in Russland spitzt sich zu. Nach erneuten Angriffen der ukrainischen Streitkräfte auf Raffinerien und Öl-Terminals in Russland dürften die Kapazitäten der russischen Ölindustrie nun noch weiter sinken. Nach einem ukrainischen Drohnenangriff könne das Ölexportterminal Ust-Luga im September nur mit der Hälfe seiner üblichen Kapazität betrieben werden, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Branchenquellen am Freitag (29. August).

Die langwierige Störung des Terminals in Ust-Luga zeige, wie die jüngsten ukrainischen Angriffe auf wichtige Energieanlagen „die russischen Exporte erschweren und zu Versorgungsunterbrechungen führen können“, stellte die US-Nachrichtenagentur fest. Zuvor hatte das Weiße Haus entsprechende Presseberichte über die erheblichen Auswirkungen der ukrainischen Angriffe bestätigt.

USA: „20 Prozent der russischen Ölraffinerie-Kapazität lahmgelegt“

Allein im August sind bisher mindestens zehn russische Energieanlagen den Kampfdrohnen aus dem Nachbarland zum Opfer gefallen. „Im Laufe ihrer Angriffe im August haben sie tatsächlich 20 Prozent der russischen Ölraffinerie-Kapazität lahmgelegt“, erklärte inzwischen auch die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, nachdem in der Nacht auf Donnerstag erneut russische Ölraffinerien in Flammen aufgegangen waren.

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Die ukrainischen Nadelstiche sorgen in Russland unterdessen bereits seit Tagen für Frust: Vor Tankstellen in vielen Regionen des Landes bildeten sich lange Schlangen, die Benzinpreise schnellten zwischenzeitlich in die Höhe. Auch in den Reihen der russischen Kriegsunterstützer herrscht derzeit große Unruhe.

Putins Kriegsblogger attestieren dem Kreml „Inkompetenz“

Ein kremlnaher Militärblogger warf „autorisierten Behörden“ zuletzt vor, die wichtigen Ziele im Land nicht ausreichend zu schützen und ukrainische Drohnen nicht abzuschießen. Ein anderer beklagte in seinem Telegram-Kanal derweil „mangelnde Initiative und Inkompetenz“ der russischen Regierung. Es müssten dringend mehr Luftabwehrsysteme an besonders gefährdeten russischen Einrichtungen errichtet werden, forderte der Kriegsblogger.

Zuvor hatten die kremlnahen Telegram-Gruppen bereits vor drohenden Angriffen mit dem neuen ukrainischen Marschflugkörper Flamingo gewarnt. Die neue Waffe soll bis zu 3.000 Kilometer weit fliegen können – damit wäre die Großzahl der russischen Ölraffinerien für die Ukraine plötzlich in Schlagdistanz. Die Kriegsblogger sehen deshalb bald noch größere Probleme auf Russland zukommen.

US-Analysten: Steigende Inflation nach ukrainischen Angriffen

Auch die Analysten des amerikanischen Instituts für Kriegsstudien kommen nun zu diesem Schluss. „Die anhaltende Angriffskampagne der Ukraine auf russische Ölraffinerien trägt zu Benzinknappheit in ganz Russland bei, die voraussichtlich die Inflation ansteigen lassen und zu weiterer makroökonomischer Instabilität in Russland führen wird“, lautet die für Moskaus Kriegswirtschaft bedrohliche Prognose der US-Analysten.

Arbeiter inspizieren einen Flamingo-Marschflugkörper in der geheimen Fabrik von Hersteller Fire Point in der Ukraine. (Archivbild)

Arbeiter inspizieren einen Flamingo-Marschflugkörper in der geheimen Fabrik von Hersteller Fire Point in der Ukraine. (Archivbild)

Die Ukraine kann dabei in Zukunft offenbar nicht nur auf den selbst entwickelten Flamingo-Marschflugkörper setzen, sondern auch auf neue hochmoderne ERAM-Raketen aus den USA – zumindest theoretisch.

USA liefern neue Rakete – aber es gibt einen Haken

Die luftgestützte Präzisionswaffe kann Ziele in Entfernungen von 240 bis 450 Kilometern angreifen. Jüngsten Berichten aus den USA zufolge hat Washington jetzt eine Lieferung von 3.350 ERAM-Raketen genehmigt, die von Dänemark, Norwegen und den Niederlanden finanziert wird.

Einen wichtigen Haken gibt es dabei jedoch: Die Ukraine werde „keine uneingeschränkte operative Autorität über die neue Waffe haben“, heißt es aus den USA. Der Einsatz der ERAM werde eine fallweise Genehmigung durch das Pentagon erfordern, betonten mehrere US-Beamte.

Keine Freigabe für Angriffe auf Ziele in Russland für US-Waffen

Die Regierung um US-Präsident Donald Trump hatte bereits vor Monaten ein geheimes Veto-Verfahren eingerichtet, wie kürzlich bekannt geworden war. Die Entscheidungsgewalt über den Einsatz von amerikanischen Langstreckenwaffen gegen Ziele in Russland liege demnach jetzt bei US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, hieß es in Medienberichten.

US-Präsident Donald Trump zusammen mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Kabinettssitzung in dieser Woche. (Archivbild)

US-Präsident Donald Trump zusammen mit US-Verteidigungsminister Pete Hegseth bei einer Kabinettssitzung in dieser Woche. (Archivbild)

Seit der Einführung des Kontrollmechanismus habe die Ukraine keine weitreichenden amerikanischen Raketen mehr eingesetzt, offenbar aufgrund fehlender Freigaben von Hegseth, der nicht zu den Ukraine-Unterstützern in der US-Regierung zu zählen ist. Zuvor hatten die ukrainischen Streitkräfte mit ATACMS-Raketen mehrfach erfolgreiche Angriffe auf Ziele in Russland durchgeführt.

Ukraine will auf ihren Flamingo setzen – ohne Absprache mit den USA

Auch bei diesem Problem soll der neue Flamingo nun bald Abhilfe schaffen und so die Treibstoffkrise in Russland möglicherweise noch weiter befeuern, ließ der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in dieser Woche durchblicken.

„Mittlerweile setzen wir unsere im Inland hergestellten Langstreckenwaffen ein“, sagte Selenskyj mit Blick auf die ukrainischen Drohnenangriffe. „Und um ehrlich zu sein, haben wir solche Angelegenheiten in letzter Zeit nicht mehr mit den USA besprochen“, fügte der Präsident an. Die Massenproduktion des Flamingo-Marschflugkörpers werde bald beginnen, ließ Selenskyj außerdem wissen.