Ukraine-KriegAtombehörde besorgt wegen ukrainischen Reaktoren

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Bewohner benutzen einen Pfad unter einer zerstörten Straßenbrücke hindurch, um die umkämpfte Stadt nahe Kiew zu verlassen.

Berlin/Washington – Die Internationale Atomenergieagentur IAEA hat sich „extrem besorgt“ über die Situation im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja und im stillgelegten Unglückskraftwerk Tschernobyl geäußert. Beide sind von russischen Truppen besetzt, und in beiden gibt es laut IAEA Kommunikationsprobleme zwischen der ukrainischen Atomaufsicht und den russischen Soldaten. In Saporischschja muss die Werksleitung für jede technische Maßnahme die Zustimmung des russischen Kommandanten einholen, was laut IAEA dem Sicherheitskonzept widerspricht: Das Personal müsse seine Aufgaben ohne Druck erfüllen. Zudem gebe es Probleme bei der Versorgung des Personals mit Lebensmitteln.

Umfrage in Deutschland

67 Prozent der Teilnehmer beim Forsa-Trendbarometer für RTL und n-tv glauben nicht, dass die Ukraine den Krieg gegen Russland gewinne kann. Nur 21 Prozent gehen von einem Kriegsende innerhalb von vier Wochen aus – 73 Prozent erwarten längere Kämpfe. 32 Prozent befürchten, dass Russland auch Nato-Staaten angreifen wird – 56 Prozent glauben das nicht. 25 Prozent haben für Ukraine-Flüchtlinge Geld gespendet.

Gespräche mit Putin

Mit einem Besuch des israelischen Regierungschefs Naftali Bennett in Moskau und mehreren Krisen-Telefonaten sind am Wochenende die diplomatischen Bemühungen um eine Deeskalation des Ukraine-Konflikts fortgesetzt worden. Bennett reiste nach einem Gespräch mit Kreml-Chef Wladimir Putin nach Berlin, wo er Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) unterrichtete. Zuvor telefonierte Bennet mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan forderte in einem Telefonat mit Putin eine sofortige Waffenruhe. Auch Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron telefonierte mit Putin und äußerte Sorgen um die Sicherheit der Reaktoren. Papst Franziskus verlangte ein Ende der Kampfhandlungen. Er beklagte „Ströme aus Blut und Tränen“, die in der Ukraine flössen.

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Drama um Mariupol

Gegenüber Macron machte Putin die Ukraine für die gescheiterten Versuche verantwortlich, die Bewohner der belagerten Hafenstadt Mariupol in Sicherheit zu bringen. Die ukrainische Seite warf dagegen den russischen Truppen vor, die Feuerpause nicht einzuhalten. Am Sonntag war ein Versuch, rund 200 000 Bewohner über humanitäre Korridore in Sicherheit zu bringen, erneut gescheitert.

Heftige Angriffe gab es in der Nacht zum Sonntag nach ukrainischen Angaben rund um Kiew, Charkiw und Mykolajiw. Laut US-Außenminister Antony Blinken liegen inzwischen „sehr glaubwürdige Berichte“ über russische Kriegsverbrechen vor.

1,5 Millionen Flüchtlinge

Nach Schätzungen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind bereits 1,5 Millionen Menschen vor dem russischen Angriffskrieg in der Ukraine geflohen. Allein Polen registrierte bereits 922 400 Flüchtlinge.

Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) lobte nach einem Gespräch mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die europäische Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung. „Es ist gut und eben nicht selbstverständlich, dass alle EU-Staaten gemeinsam, schnell und unbürokratisch Kinder, Frauen und Männer aufnehmen“, erklärte er.

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In Russland gab es nach Angaben der Organisation OVD-Info am Sonntag in rund 60 Städten Kundgebungen gegen den Krieg. In westlichen Städten gingen Zehntausende auf die Straße. Angesichts drohender Strafen für nicht der Kreml-Linie entsprechende Berichte über den Krieg stellen ARD, ZDF und Deutschlandradio ihre Berichterstattung aus Moskau vorerst ein. (dpa/afp)

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