RWE will weiterhin Grundwasser aus Swisttal für die Entwässerung des Tagebaus Hambach entnehmen.
Bis zu 450 Millionen Kubikmeter Grundwasser sollen pro Jahr abgeleitet werden.
Durch die Absenkung des Grundwasserspiegels wurden in den vergangenen Jahren in Swisttal immer wieder Schäden an Gebäuden und der Infrastruktur festgestellt.
Swisttal – Aus Sorge um den Grundwasserspiegel in Swisttal haben der Planungs- und Verkehrsausschuss sowie der Umweltschutz-, Wirtschaftsförderungs- und Energieausschuss der Gemeinde einem Antrag der RWE Power AG (Essen) die Zustimmung verweigert. Der Energie-Riese wünschte eine wasserrechtliche Erlaubnis zur Fortsetzung der Entnahme und Ableitung von Grundwasser für die Entwässerung des umstrittenen Tagebaus Hambach bis 2030.
Bis zu 450 Millionen Kubikmeter Grundwasser pro Jahr will das Energieunternehmen entnehmen, um die Unterseite der Kohleflöze zu erreichen. So könnte RWE in diesem Zeitraum insgesamt etwa 450 Millionen Tonnen Braunkohle fördern.
Auswirkungen auf Swisttal
Doch das hätte auch Auswirkungen auf Swisttal, da sich das Grundwasser dort auf derselben geologischen Scholle befindet wie der Tagebau Hambach. Für Swisttal hat die Verwaltung eine Absenkung tieferer Grundwasserleitern um bis zu 20 Meter ermittelt. „Bereits in den vergangenen Jahren wurden in Swisttal immer wieder Schäden an Gebäuden und der verkehrlichen Infrastruktur aufgrund tektonischer Verschiebungen sichtbar, die mutmaßlich unter anderem durch die Sümpfungsmaßnahmen hervorgerufen oder verstärkt wurden“, heißt es in der Stellungnahme. Durch weitere Absenkung des Grundwassers werde sich das Problem voraussichtlich verstärken.
Auffällig sei, dass sich die Grundwasserleitern nach einem Wiederanstieg auf den ursprünglichen Zustand in vielen Bereichen, insbesondere Heimerzheim, bis fast an die Erdoberfläche annäherten. Dies könne in Siedlungsbereichen zu Schwierigkeiten führen. „Gebäude, die unterkellert sind, können bei einem kritischen Grundwasseranstieg feucht werden oder statische Schwierigkeiten bekommen. In Bereichen, die bereits jetzt überschwemmungsgefährdet sind, wird sich dieses Problem wahrscheinlich intensivieren.“ So müssten sich Bewohner der Bereiche, die während der Sümpfung mit Absenkungen zu tun hatten, auf Hebungen der Geländeoberfläche einstellen, was neuerlich zu Schäden in den Gebäuden führen könne.
Wasserversorgung muss sichergestellt werden
Es müsse auch dafür gesorgt werden, dass die Wasserversorgung sichergestellt werde, ergänzte Monika Goldammer (FDP) in einer fundierten Stellungnahme. Die Auswirkungen des sich abzeichnenden Klimawandels auf das Vorhaben seien ebenfalls nicht berücksichtigt, kritisierte sie. Ihre Fraktion könne das Einvernehmen nicht geben. Der kritischen Betrachtung des RWE-Vorhabens schlossen sich die anderen Fraktionen an.
Sie betonten dabei, dies sei lediglich eine fachliche und keine politische Stellungnahme. Eine solche hatten die Grünen mit dem Hinweis darauf gefordert, dass man nicht einerseits den Klimaschutz über alle Fraktionen hinweg in den Mittelpunkt der Kommunalpolitik stellen und auf der anderen Seite „einem der größte Emittenten des Planeten“ eine Genehmigung erteilen könne. (jst)