„Tränen in den Augen“Belegschaft verabschiedet sich von Brikettproduktion in Frechen

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Ein Mann in Warnweste und mit Sicherheitshelm steht an einer Maschine der Brikettfabrik am Wachtberg.

Recep Bulut schaut noch nach dem rechten, wenn die Briketts aus der Presse kommen und weitertransportiert werden.

Die letzte Brikettfabrik in Westdeutschland schließt. In Wachtberg feierte die Belegschaft einen emotionalen Abschied.

„Es ist ein Abschied mit großer Wehmut“, sagt Uwe Schröder, Steiger in der Frechener Brikettfabrik am Wachtberg, in der am Mittwoch, 21. Dezember, die letzte Schicht gefahren wird. Seit 1983 arbeitet er hier, ist Schichtleiter. Die Trockenhalle ist ihm sehr vertraut.

Mitarbeiter hätte gerne noch länger Kohle in Frechen gepresst

In den letzten Stunden will er dabei sein, wenn noch Wasserdampf aus Rohren und Ventilen zischt, die Pressstempel vor und zurückstoßen, die letzten Brikett­pressen ihren dumpfen Rhythmus durch die riesige Halle jagen. Schröder hätte sich gewünscht, dass die Produktion noch weiter geht, „gerade für die jüngeren Kollegen“, sagt der 57-Jährige.

Förderbänder für Briketts aus schwerem Metall.

Über solche Förderbänder werden die gepressten Briketts zu den Lagerhallen transportiert.

Mit dem Abschalten der letzten Maschinen nach der Spätschicht stellt RWE Power planmäßig die Produktion von Briketts aus Braunkohle an diesem Standort ein und setzt mit diesem Schritt den gesetzlichen Kohleausstieg weiter um. Die Frechener Fabrik ist die letzte in Westdeutschland, in der zermahlene Rohbraunkohle in Briketts gepresst wird.

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Damit geht nach 120 Jahren eine Ära in der Industriegeschichte zu Ende. Die knapp pfundschweren Energiepakete waren über Jahrzehnte das wichtigste Erzeugnis der rheinischen Braunkohlenindustrie gewesen. Briketts wurden in Haushalten und Industriebetrieben in ganz Westeuropa eingesetzt. In diesem Jahr wurden noch 300.000 Tonnen Briketts bei RWE Power hergestellt.

300 Mitarbeitende werden in andere Bereiche versetzt

Von den in dem Frechener Werksteil betroffenen 500 Mitarbeitern gehen rund 200 in den Ruhestand, die anderen werden in anderen Betriebs- und Unternehmensbereichen eingesetzt. So auch an dem Standort in Wachtberg, heißt es, denn RWE wird dort weiter Kohlestaub produzieren, der vor allem für industrielle Zwecke verwendet wird. In dieser Produktion wird dann auch Uwe Schröder im neuen Jahr arbeiten.

Die Trockenhalle der Brikettfabrik am Wachtberg.

Die Trockenhalle der Brikettfabrik am Wachtberg erinnert an Gründerzeitarchitektur, die im Laufe der Zeit Verformungen unterworfen war.

Am Dienstagabend beging die Belegschaft das Ende der Brikettierung mit einer kleinen Feier auf dem Werksgelände, die von vielem emotionalen Momenten für die Mitarbeiter geprägt war. „Mir fällt der Abschied nicht leicht. Das treibt einem schon die Tränen in die Augen“, sagte Christian Forkel, Leiter des Geschäftsfeldes Veredlung von RWE Power. „120 Jahre lang wurde von hier aus Wärme und Wohlstand in die Häuser gebracht. Darauf kann man stolz sein“, führte er aus. „Die Briketts sind raus, aber das ist nicht das Ende des Standortes“, blickte er optimistisch nach vorn.

Mir fällt der Abschied nicht leicht. Das treibt einem schon die Tränen in die Augen.
Christian Forkel, Leiter des Geschäftsfeldes Veredlung von RWE Power

Die Leistung der Mitarbeiter würdigte auch RWE Power-Vorstandsmitglied, Dr. Lars Kulik. „Danke, dass Sie die Briketts zu Ende gefahren haben. Danke, dass Sie diese Anlagen so in Schuss gehalten haben“, sagte er an die Anwesenden gerichtet. „Versorgungssicherheit geht nicht ohne Menschen wie Sie, ohne Ihre Expertise, ohne Ihre Leidenschaft“, betonte er. „Ich bin aber auch froh, dass wir für alle eine Zukunft gefunden haben“, ergänzte er.

Neue Unternehmen sollen an den Wachtberg in Frechen ziehen

Susanne Stupp bekommt Briketts überreicht, um sie herum stehen Männer in Warnwesten und Sicherheitshelmen.

Zur Erinnerung an die Brikettfabrik am Wachtberg wurden Drei-Zoll-Sonderbriketts aufgelegt, die auch Bürgermeisterin Susanne Stupp auf der Abschieds-Belegschaftsfeier erhielt.

Zur Belegschaftsfeier kam auch Bürgermeisterin Susanne Stupp, die sich zu den Zukunftsperspektiven äußerte: „Der Wachtberg ist dank seiner Größe und seiner verkehrsgünstigen Lage hier im Westen von Köln ein hervorragender Standort für neue Unternehmen. Gemeinsam mit RWE sind wir auf einem guten Weg, dass dort neue, hochwertige Industriearbeitsplätze angesiedelt werden.“

Vor dem Hintergrund der Schließung hatten auch die Kölner Verkehrsbetriebe (KVB) geprüft, ob an dem Standort die Einrichtung eines Bau- und Betriebshofs mit Werkstatt möglich ist und ihre Pläne zunächst im Planungsausschuss vorgestellt. Zudem hat das Amt für Denkmalpflege des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) bei der Stadt Frechen den Antrag gestellt, den Veredelungsbetrieb in die Denkmalliste aufzunehmen.

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