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Interview mit OB Keller zur Metropolregion„Das Rheinland verkauft sich unter Wert“

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Weit mehr als Köln deckt das Geschäftsgebiet der Metropolregion Rheinland ab.

  1. Der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller ist neuer Vorsitzender der Metropolregion Rheinland.
  2. Mit ihm sprach Ingo Schmitz.

In diesem Sommer wurden sie zum Vorsitzenden der Metropolregion Rheinland gewählt. Keine leichter Job bei der Fülle der Probleme des Vereins – zumal Sie als Oberbürgermeister der Stadt Düsseldorf wohl kaum unterbeschäftigt sein dürften. Warum haben sie dennoch übernommen?

Weil ich persönlich wirklich von der Idee einer Metropolregion Rheinland überzeugt bin. Ich begleite dieses Projekt bereits seit über zehn Jahren, also von den Anfängen an. Ich bin ganz klar der Meinung, dass wir für unseren dynamischen Wirtschafts- und Wissenschaftsraum hier im Rheinland mehr werben müssen. Das Rheinland verkauft sich unter Wert, und wir sind noch nicht angemessen im Blickfeld von Berlin und Brüssel. Das erschwert vieles, unter anderem die Akquise von Fördermitteln.

Liegt das vielleicht auch daran, dass diese Region von Kleve bis nach Euskirchen und von Aachen bis nach Gummersbach auch alles andere als homogen ist?

Natürlich ist es im Rheinland eine größere Herausforderung, eine einheitliche Basis zu finden, als beispielsweise in der Metropolregion München. Dort ist München der Kern. Wir haben hier mehrere Kraftzentren wie Düsseldorf, Köln, Duisburg, Bonn, Aachen – um nur einige zu nennen. Wir sind eine polyzentrische Region, aber das ist auch eine unserer Stärken.

Trotz, oder vielleicht auch wegen dieses Spezifikums: Vier Jahre nach der Gründung bleibt der Verein Metropolregion Rheinland immer noch hinter den in ihn gesetzten Erwartungen zurück. Woran liegt das?

Der Verein hatte eine sehr komplexe Gremienstruktur und eine unscharfe Aufgabenbeschreibung – das ist in dieser Kombination ungünstig. So war es sogar einigen Mitgliedern bislang nicht klar, was der Verein eigentlich leisten soll und kann. Auch andere Metropolregionen sind nicht direkt von Null auf Hundert gestartet, aber nach vier Jahren muss nun etwas kommen.

Nun sind Sie mit dem Ziel angetreten, das alles zu straffen und auszurichten. Gibt es da schon Vorweisbares?

Ja. In der letzten Mitgliederversammlung haben wir die Satzung geändert und den Vorstand kleiner und schlagkräftiger gemacht. Das sind erste Schritte in die richtige Richtung. Diese neue Struktur müssen wir jetzt mit Leben füllen. In der Versammlung habe ich gesagt, dass ich das erste Jahr nutzen will, um weitergehende Vorschläge zu entwickeln. Dafür richten wir den Blick auch auf andere Metropolregionen. Ich möchte unsere Metropolregion deutlich auf die Lobbyarbeit fürs Rheinland ausrichten, und ich will weg von einer kleinteilig angelegten Projektarbeit, wie sie zurzeit noch betrieben wird. Der neue Vorstand sieht das auch so.

Metropolregion Rheinland

2017 ist die Metropolregion Rheinland e.V. gegründet worden und vereint Städte wie Köln, Kreise wie den Rhein-Sieg-Kreis sowie Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern. Sie wollen die Kräfte bündeln. Im Gebiet wohnen 8,5 Millionen Menschen. 22 000 Euro zahlt jedes Mitglied im Jahr – Köln genauso wie der Kreis Heinsberg.

Probleme gab es von Anfang an. Nach rund zwei Jahren und gegenseitigen Vorwürfen trennten sich die Wege des ersten Geschäftsführers und des Vereins. Die BIlanz war mau. Es übernahm eine politische Doppelspitze mit Kirsten Jahn (Grüne Köln) und Ulla Thönissen (CDU Aachen). Die Bilanz blieb mager, zergliederte sich in Kleinprojekte, deren Themenbereich nicht selten schon von anderen Förderstrukturen abgedeckt sind. Ihre Verträge laufen im Februar aus.

Unter den Mitgliedern rumort es. Einige haben sich gleichgültig zurückgezogen, andere drohten offen mit Ausstieg, wie der Rhein-Sieg-Kreis. Schließlich übernahm Stephan Keller den Vorsitz von Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker. Für diesen Schritt stellte er aber Bedingungen. Allen voran soll sich der Verein fortan auf Lobbyarbeit konzentrieren. (ngo)

Also fortan in Berlin und Brüssel Klinken putzen?

Genau das. Wir müssen sicherstellen, dass in Berlin und Brüssel die relevanten Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger viel besser darüber Bescheid wissen, was für das Rheinland wichtig ist, und unsere eigenen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger im Rheinland müssen von uns regelmäßig darüber informiert werden, was in Berlin und Brüssel mit Relevanz fürs Rheinland passiert. Und dann werden wir daraus die entsprechenden Aktivitäten entwickeln.

Wie können die aussehen?

Wir wollen jetzt direkt nach der Bundestagswahl, noch bevor Koalitionsgespräche stattfinden, in einem Positionspapier unsere Anforderungen an eine neue Bundesregierung definieren. Koalitionsverhandlungen sind genau der richtige Zeitpunkt, um Interessen zu platzieren und zu artikulieren – hier werden wir die Stimme des Rheinlands sein.

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Vier kaum genutzte Jahre liegen hinter uns. Wie viele Jahre noch, bis Erfolge, wie Sie sie sich vorstellen, greifbar sind?

Ich bin zunächst für zwei Jahre gewählt. Am Ende dieser zugegebenermaßen recht kurzen Wahlperiode will ich sichergestellt haben, dass die Metropolregion deutlich vorangekommen ist. Da nach zwei Jahren noch nicht alles erreicht sein kann, muss dann auch ein Fahrplan für den weiteren Erfolg auf dem Tisch liegen.

Dafür müssen Sie aber auch noch Überzeugungsarbeit nach innen leisten. Die Kritik einiger Mitglieder an der Metropolregion wurde in den vergangenen Monaten immer lauter. Austritte wurden angedroht.

Die politischen Vertreter in den Kreisen, Kommunen, kreisfreien Städten und auch die Verantwortlichen der IHKs und HWKs haben sehr deutlich gefragt, was sie eigentlich von der Mitgliedschaft haben. Es ist jetzt an uns zu beweisen: Die Metropolregion Rheinland kann sehr wohl einen Mehrwert für ihre Mitglieder bieten. Daran hat es bisher gehapert und das wollen und werden wir ändern!