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Weniger Patienten in den Kliniken35.000 Fachkräfte in Alten- und Krankenpflege fehlen

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Hierzulande fehlen mindestens 35.000 Fachkräfte in der Alten- und Krankenpflege.

Obwohl die Deutschen im Durchschnitt immer älter werden, ist die Zahl der Krankenhausfälle im vergangenen Jahr leicht zurückgegangen. Pro 1000 Versicherte mussten nur noch 214 Menschen im Krankenhaus behandelt werden, im Jahr davor waren es noch knapp 217. Auch die Zahl der Krankenhaustage war im vorigen Jahr leicht rückläufig, obwohl die Alterung der Gesellschaft eigentlich eine Steigerung der Krankheitsfälle erwarten ließ. Das zeigt der neue Krankenhausreport der zweitgrößten deutschen Krankenversicherung, der Barmer Ersatzkasse.

Über die Ursachen des Rückgangs rätseln die Experten von der Krankenkasse noch, doch sie stellen nachvollziehbare Vermutungen an: Wegen des zunehmenden Mangels an Pflegekräften sind die Kliniken gezwungen, einzelne Stationen zu schließen und sie mit anderen zu fusionieren. Zudem werden Kliniken auch finanziell bestraft, wenn die Zahl der Krankenhausfälle die Planungen übersteigt.

Ein weiterer Grund für den Rückgang der Klinikbehandlungen könnte der Anstieg der ambulanten Behandlungen in den Krankenhäusern sein: Auch das bindet Kräfte, die in der Klinik dann an anderer Stelle nicht zur Verfügung stehen. Das Krankenhaus kann dann weniger stationäre Behandlungen durchführen.

„Kannibalisierungseffekt“ unter den verschiedenen Bereichen befürchtet

„Es werden Stationen stillgelegt, weil einfach das Personal fehlt“, berichtete Barmer-Chef Christoph Straub bei der Vorstellung des Krankenhausreports. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe zwar mittlerweile das Pflegepersonalstärkungs-Gesetz vorgelegt, mit dem die Zahl der Pflegekräfte in Krankenhäusern gesteigert werden solle. Die Branche unterstützt diese Initiative weitgehend, doch werde auch ein „Kannibalisierungseffekt“ unter den verschiedenen Bereichen befürchtet, so Straub: Wenn mehr Pflegekräfte in der Grund- und Regelversorgung der Krankenhäuser eingesetzt würden, fehlten sie künftig in anderen Bereichen, etwa auf den Intensivstationen.

„Es wird in den kommenden Jahren einen Kampf um junge Fachkräfte geben“, sagte Gesundheitsökonom Boris Augurzky vom Essener Wirtschaftsforschungsinstitut RWI. „Das Gesundheitswesen muss schlichtweg attraktiver werden.“ Denn auch das Handwerk und die Industrie buhlen um gute Fachkräfte. Bezahlung und Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen müssten besser werden.

Der Pflegenotstand ist ein Schwerpunktthema der Bundesregierung. Nach kürzlich veröffentlichten Zahlen fehlen hierzulande mindestens 35.000 Pflegekräfte. In der Altenpflege sind rund 23.000 Stellen offen, in der Krankenpflege fehlen mehr als 12.000 Fachkräfte und Helfer. Experten gehen dabei teilweise von einem noch weitaus höheren Bedarf aus.

Krankenkasse dringt auf Zentralisierung

Trotz der Anstrengungen, die Zahl der Pflegekräfte zu erhöhen, wächst sie in den Krankenhäusern bisher aber nur langsam. 2017 versorgten 328.500 Vollkräfte die knapp 19,5 Millionen stationär in Kliniken behandelten Fälle, teilte das Statistische Bundesamt am Donnerstag mit. Das waren ein Prozent beziehungsweise 3400 Pflegevollkräfte mehr als im Jahr zuvor.

Wie auch aus dieser Krankenhausstatistik hervorging, sank die Zahl der Behandlungsfälle um 77.500 oder 0,4 Prozent. Insgesamt standen 1943 Krankenhäuser mit 497.200 Betten für die stationäre Behandlung von Patienten zur Verfügung. Die Betten waren zu 77,8 Prozent ausgelastet. Der Krankenhausaufenthalt dauerte im Schnitt 7,3 Tage. Rund 909.800 Vollkräfte waren in den Krankenhäusern tätig: 161.200 Vollkräfte gehörten zum ärztlichen Dienst, 748.600 zum nichtärztlichen Dienst.

Die Barmer Krankenkasse dringt auf eine stärkere Zentralisierung von Leistungen der Krankenhäuser – auch für einen gezielteren Einsatz dringend benötigter Pflegekräfte. „In Deutschland gibt es im internationalen Vergleich nach wie vor zu viele Krankenhausbetten und Fachabteilungen in Kliniken“, sagte Barmer-Chef Straub. „So wird die wertvolle und begrenzte Ressource Pflege auch da eingesetzt, wo sie keinen zusätzlichen Nutzen stiftet.“ Zum Beispiel Schlaganfälle und Krebs sollten primär in qualifizierten Zentren behandelt werden. Davon profitierten alle.

Bei planbaren komplizierten Operationen seien die Erfolgsaussichten für die Patienten in den Kliniken nicht überall gleich gut. Die Höhe des Sterberisikos bei Eingriffen an einer erweiterten Bauchschlagader hänge davon ab, wie und wo operiert werde.