Von Schulbau bis BewohnerparkenDas plant Köln 2023 – die zehn wichtigsten Vorhaben

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Der Pavillon of moving pictures der Kölner Künstlerin Erika Hock soll von Mitte Juni an zwei Monate auf dem Neumarkt stehen und von Kulturveranstaltern genutzt und bespielt werden.

Der Pavillon of moving pictures der Kölner Künstlerin Erika Hock soll von Mitte Juni an zwei Monate auf dem Neumarkt stehen und von Kulturveranstaltern genutzt und bespielt werden.

Die gesamte Stadtspitze war zu Gast im Rundschau-Haus und hat mit unserer Redaktion über die Pläne fürs laufende Jahr gesprochen. Wir stellen die wichtigsten in unserem Überblick heraus.

1. Neumarkt

„Der Neumarkt war nie schön, aber er funktionierte immer gut, wenn es dort Kulturangebote gab“, erklärt Henriette Reker. Die Oberbürgermeisterin hat den Platz in diesem Jahr besonders ins Visier genommen, in enger Abstimmung mit dem Kulturdezernat. Dort soll ab 1. März die Foto-Ausstellung „Die Deutschen im 21. Jahrhundert“ von Olivier Toscani zu sehen sein. Zudem soll ab Mitte Juni und für zwei Monate der Pavillon „Cineorama – Pavillon of Moving Images“ der Kölner Künstlerin Erika Hock auf dem Neumarkt (Foto oben) stehen. Dieser soll von ausgewählten Kulturveranstaltern als Präsentations- und Gesprächsort genutzt werden, die genaue Bespielung wird in einem Kreativworkshop Ende März erarbeitet. Zudem sind kurzfristige Maßnahmen wie eine verbesserte Anbindung an Schildergasse, Richmodstraße und St. Aposteln, ein neuer Überweg für Radfahrer sowie öffentliche Toiletten geplant. Auch der Brunnen soll wiederbelebt werden, sprudeln wird er aber erst ab April 2024.

Grafik Stadtdezernenten Köln

Kölns Stadtspitze

2. Kundenzentren

In der alten Kaufhof-Zentrale an der Leonhard-Tietz-Straße will die Stadt das „Kundenzentrum der Zukunft“ entwickeln. Das Bürgeramt Innenstadt, derzeit noch am Laurenzplatz untergebracht, soll nach dem Umzug als „Dienstleistungszentrum“ entwickelt werden. „Wir werden zeigen, wie ein modernes Kundenzentrum aussehen soll“, sagt Reker. Geplant sind ein Selbstbedienungsterminal für die Abholung von Dokumenten, Besuchersteuerung per App und Einsatz Künstlicher Intelligenz. Eine Befragung im ersten Halbjahr soll die Grundlage bilden. „Die Kundenzentren sind die Visitenkarten der Stadt“, betont Reker, leider seien sie derzeit nicht attraktiv. Die Eröffnung wird frühestens 2024 möglich sein.

3. Bewohnerparken

Für das „erste Quartal“ kündigt Verkehrsdezernent Ascan Egerer die Vorlage zur Neuordnung des Bewohnerparkens an. Trotz des eng begrenzten Zeitrahmens weicht Egerer der Frage aus, wie teuer die Parkausweise werden. Auf einer „soliden Marktberechnung“ sollen sie basieren und dabei als „Steuerungsinstrument“ für weniger Autos in der Stadt dienen. Über die Details werde verhandelt. Mit dem Ratsbündnis laufen diese Verhandlungen aber wohl nicht, denn aus den Reihen der Ratsmehrheit (Grüne, CDU, Volt) ist zu hören, dass seit Oktober 2022 nicht über das Bewohnerparken gesprochen wurde. Innerhalb des Bündnisses wurden Zahlen von bis zu 600 Euro im Jahr für einen Parkausweis diskutiert.

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Symbolbild

4. Stadtbahn-Bau

Vor knapp 14 Jahren stürzte das Archiv in die Baugrube am Waidmarkt. Seitdem ist die neue Bahntrasse unterbrochen. Wann sie fertig wird? Verkehrsdezernent Egerer verspricht: In 2023 soll mit Hilfe eines externen Projektmanagements ein Sanierungsplan erstellt und damit das Jahr der Fertigstellung benannt werden. Bei der Planung der Ost-West-Achse steht in der zweiten Jahreshälfte die Entscheidung an: ein Stadtbahntunnel zwischen Heumarkt und Aachener Straße oder eine oberirdische Ertüchtigung des Verkehrswegs? Die Vorlage zur Beantwortung der Frage soll im Sommer auf dem Tisch liegen, verspricht der 53-Jährige.

5. Masterplan Grün

Noch in der Februar-Sitzung entscheidet der Rat über den von der Verwaltung vorgelegten Masterplan Stadtgrün. Daran gibt es Kritik von Verbänden und der Wohnungswirtschaft, weil ihrer Meinung nach zu viel Fläche für das Stadtgrün vorgehalten werde. Allerdings ist dieser Masterplan nicht verbindlich, sondern eine idealisierte Zielvorstellung. Entscheidend sind der Regionalplan der Bezirksregierung sowie bestehende Flächennutzungspläne. Stadtentwicklungs- und Wirtschaftsdezernent Andree Haack begrüßt den Masterplan: Es sei sinnvoll, die Stadtentwicklung „an den Grünflächen entlang“ voranzutreiben. Es komme darauf an, freie Flächen klug zu nutzen und teilweise auch neu zu denken.

6. Kulturmarketing

Die Stärkung des kulturellen Marketings nennt Kulturdezernent Stefan Charles als wichtigste Herausforderung für 2023. Nach der Pandemie gelte es jetzt, verlorenes Publikum in die Konzertsäle und Museen zurückzuholen, neue Besucher zu gewinnen. „Kölns Stärken müssen regional, national und international besser sichtbar werden“, fordert der Schweizer. Mit 2,8 Millionen Euro Jahresbudget für maximal 35 Mitarbeiter im Kommunikations- und Marketingbereich ist der Handlungsspielraum allerdings begrenzt. Charles setzt stattdessen auf eine verbesserte Vernetzung.

Museum Ludwig Köln

Das Museum Ludwig in Köln

7. Schulbau

Baudezernent Markus Greitemann sagt es ganz deutlich: „Im Schulbau holen wir im Prinzip in wenigen Jahren das auf, was in jahrzehntelanger Kleinarbeit versäumt worden ist.“ In diesem Jahr sollen 16 Schulbaumaßnahmen abgeschlossen werden: Sieben Grundschulen, drei Gymnasien, drei Gesamtschulen und drei Realschulen. Dabei sind die Maßnahmen zum Teil Neubauten und zum Teil Generalinstandsetzungen mit und ohne Anbau. 17 weitere kündigt er für 2024 an.

8. Medienzentrum

Teil des Medienentwicklungsplans des Dezernats für Bildung, Jugend und Sport ist es, ein Medienzentrum einzurichten. Dort soll unter anderem Wissen zur Digitalisierung vermittelt werden, aber auch medienpädagogische Beratung für Schulen stattfinden. Auch technische Einweisung für Lehrkräfte vor Ort sind angedacht. Das Medienzentrum soll 2023 an den Start gehen. Zurzeit werden drei neu eingerichtete Stellen besetzt und die fachlich-inhaltliche Konzipierung wird weiter vorangetrieben. Im ersten Quartal 2024 soll das kommunale Medienzentrum eigene Räume erhalten und zusammen mit der Schulverwaltung in ein hochmodernes Bürogebäude im Neubauprojekt I/D Cologne in Mülheim ziehen.

9. Klimawende

Die Zeit drängt: Die Stadt will bis 2035 klimaneutral sein. Die Strategie dafür will Klimadezernent William Wolfgramm 2023 entwickeln, bis Sommer einen Aktionsplan ausarbeiten. Eine kommunale Wärmeplanung wird erstellt. Beim Bau von Photovoltaik-Anlagen soll sich mehr tun, auch auf städtischen Gebäuden. Da wolle man „sichtbarer werden“, so Wolfgramm: „Ich nenne mal das Historische Rathaus.“ Er hofft, dass 50 der 105 ausgewählten Bauten bis Jahresende eine Solaranlage haben. Für die Finanzierung von Klimaschutzvorhaben will die Stadt sich künftig mit „grünen“ Wertpapieren („Green Bonds“) Geld bei Bürgern und Investoren leihen. 2023 startet dazu ein Pilotprojekt.

10. Flüchtlinge

„Wir rechnen weiterhin und dauerhaft mit Fluchtbewegungen auf hohem Niveau“, sagt Sozial-und Gesundheitsdezernent Harald Rau. Aus diesem Grund soll ein „atmendes System“ für die Unterbringung von Geflüchteten konzipiert werden. Es soll der Stadt die Möglichkeit verschaffen, bis zu 1500 Menschen schnell Unterkunft zu gewähren. Wo diese Reserve an Bedarfsunterkünften angesiedelt sein könnte, lässt der Dezernent offen. „Wahrscheinlich nicht am Süd-Stadion“, sagt er. Dort stehen aktuell zahlreiche Container zur Unterbringung. Seine Forderung: Das Land NRW solle die Vorhaltekosten refinanzieren. Entsprechende Vorstöße werde die Stadt unternehmen.

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