Höchst abwechslungs- und ideenreiche Puppensitzung punktet beim Premieren-Publikum.
Hänneschen-TheaterPuppensitzung mit scharf gewürzten politischen Botschaften

Die Kulisse der Hänneschen-Puppensitzung.
Copyright: Thomas Banneyer
Nach dem traditionellen Ajuja-Einmarsch des gesamten Ensembles mit Quetsch un decke Trumm begrüßte Mareike Marrx das bunt kostümierte Publikum zur Premiere der Puppensitzung unter dem Motto „Mer dun et för Kölle.“ In ihrer bewegenden Rede erinnerte die Intendantin daran, dass wir trotz oder gerade wegen der angespannten Lage, die Gesellschaft mit Menschlichkeit, Humor und Zusammenhalt gestalten können. „Seien wir zuversichtlich und blicken wir positiv nach vorn. Wir wollen diese Stadt, die wir so lieben hochleben lassen und die Sorgen des Alltags einmal vergessen.“
Eingangshalle des Hauptbahnhofs als Bühnenbild
Danach erlebten die Gäste eine grandiose Premiere der höchst abwechslungs- und ideenreichen Sitzung, kreativ in Szene gesetzt von Heike Huhmann. In bester Karnevalstradition hielten die Knollendorfer dabei auch der Obrigkeit den Spiegel vor – wie der Narr bei Hofe. Als Bühnenbild diente die Eingangshalle des Kölner Hauptbahnhofs, wo zuerst die Deutsche Bahn an den Pranger gestellt wurde. In einer Art kulturimperialistischer Alaaf- Expedition wollten die jecken Knollendorfer mit Pittermännchen nach Mainz fahren, um dort „Licht in die Finsternis“ der Helau-Fastnacht zu bringen. Doch dann das übliche DB-Chaos: Zuerst hatte der Intercity Verspätung, dann wurde die Abfahrt auf ständig wechselnde Gleise verlegt und am Schluss fiel der Zug komplett aus.

Jeck wie eh und je: Die Puppensitzung im Hänneschen-Theater konnte beim Premieren-Publikum punkten.
Copyright: Thomas Banneyer
Auch die eigentliche Sitzung, präsentiert von Schäl und assistiert von Speimanes und seiner Woosch, startete mit stellenweise scharf gewürzten politischen Botschaften. So nahm der Präsidöres selbst unter anderem das viel diskutierte Wort vom „Stadtbild“ des Bundeskanzlers ins Visier. Dabei zählte er aber Defizite wie marode Straßen und knapper Wohnraum auf.
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Hänneschen-Band huldigt verstorbenem Peter Horn
Zänkmanns Kätt von der „antifaschistischen, feministischen und humoristischen“ Ajuja-Partei ging mit klassenkämpferischen Parolen auf die Barrikaden. Höhepunkt war der kannibalistische Appell „Eat the Rich“ in Abwandlung von „Tax the Rich“ („Besteuert die Reichen“), der sich auch gegen Steuerhinterzieher und deren Flucht in Steueroasen richtet. „Wir haben diese Kriminellen nun einfach geschlachtet und verarbeitet. Wie haben Ihnen die Frikadellen im Foyer geschmeckt?“, wollte sie vom „entsetzten“ Publikum wissen. Vor dem Abgang wurde Elon Musk kurzerhand als „Tech-Depp“ noch in den Kannibalen-Kochtopf gesteckt.
Die Hänneschen-Band huldigte mit einem Medley den verstorbenen Ex-Höhner-Frontmann Peter Horn. Ehrengast Ludwig Sebus war besonders vom Bühnenbild und der Hommage an Horn angetan. „ Das Bild vom Hauptbahnhof war besonders gut gelungen. Die passende Kulisse für so eine turbulente Sitzung. Sehr beeindruckt hat mich auch die Hommage an Peter Horn. Peter war ein wunderbarer, bescheidener Mensch und ein großartiger Musiker“, erinnerte sich der Hundertjährige. Christoph Kuckelkorn war als Präsident des Festkomitees wehmütig ums Herz, war er in dieser Funktion doch zum letzten Mal bei einer Premiere am Eisenmarkt. „Eine großartige Puppensitzung. Besonders hat mir die Kritik an der Obrigkeit gefallen. Das ist beste karnevalistische Tradition.“ Ex-Oberbürgermeister Jürgen Roters und Professor Hans-Gerog Bögner werteten die Puppensitzung als „wunderbar frech“ und Erry Stokklosa bezeichnete sie als „sehr mutig“. Die Puppensitzung 2026 ist bereits ausverkauft.
