Schauspiel Köln bringt mit „Dat Wasser vun Kölle es jot“ Correctiv-Recherchen als Krimi auf die Bühne.
Premiere im Schauspiel KölnKriminalstück „Dat Wasser vun Kölle es jot“ thematisiert Rhein-Verunreinigung

Die Ermittler und der Pathologe (v.l.): Andreas Beck, Uwe Rohbeck, Rebekka Biener
Copyright: Anna Sorgella
Eine neue Folge in der Serie der Zusammenarbeit zwischen dem Schauspiel Köln und des Rechercheportals Correctiv: Diesmal geht um die Verunreinigung des Rheins, um Tausende unbekannte Chemikalien aus Haushalts- und Industrieabwässern, die im Fluss schwimmen (die Rundschau berichtete). Die Bühnenfassung mit dem Kölschen, bei den Bläck Fööss geborgten Titel „Dat Wasser vun Kölle es jot“ feierte nun Premiere im Depot 2.
Anders etwa als bei seinem Putin-Abend „Krieg und Frieden“ stand Calle Fuhr diesmal nicht mit einer Art Pep-Talk auf der Bühne. Stattdessen fungierte er als Autor und Regisseur eines Krimis, der irgendwo zwischen Vorabend-Krimi und gemächlichem „Tatort“ schipperte.
Eine prominente, aber unbeliebte Umweltaktivistin wird von einem Angler (Uwe Rohbeck) tot im Rhein gefunden, und die Kommissare Clara (Rebekka Biener) und Hans (Andreas Beck) versuchen nun herauszufinden, ob es ein Unfall, Selbstmord oder gar Mord war. Wie es sich gehört, gibt es auch einen schüchternen Assistenten (Leonard Hugger Chapeau für seine Souveränität, sich nach einem veritablen Premieren-Texthänger wieder zu fangen!) und den coolen Pathologen (Rohbeck).
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Die Liste der Verdächtigen ist mittellang und reicht von der Mitbewohnerin der Aktivistin (Paula Carbonell Spörk) und einen verliebten Hacker (Hugger) über eine weitere Aktivistin (Carbonell Spörk) bis hin zu einer Konzernchefin (Katharina Schmalenberg).
Was ist Fakt, was Fiktion?
Und während sich das Ermittlungsduo von Befragung zu Befragung hangelt, nutzt Fuhr die Dialoge, um Passagen aus den Correctiv-Recherchen referieren zu lassen. Da hat sich mal die Kommissarin einen Abend lang in die Materie eingelesen und erklärt ihrem älteren Kollegen, was Sache ist. Oder die Co-Aktivistin berichten über den Stand dessen, was ihre Organisation herausgefunden und bislang erreicht hat. Das vorläufige Endziel sei ein Gesetz nach dem Verursacher-Prinzip: Die Konzerne müssten dann nachweisen, dass das, was sie in den Rhein leitet, ungefährlich ist.
Und spätestens an dieser Stelle wird es für den unvorbereiteten Zuschauer schwierig, zu unterscheiden, was Fakt und was Fiktion ist. Und als Mitarbeiter einer Zeitung vermisst man hier und da journalistische Standards oder Vorgaben, etwa die Gegenseite zu Wort ernsthaft kommen zu lassen. Im Stück heißt es etwa: „Unser Trinkwasser hier wird doch auch aus dem Rhein gewonnen.“ Der Kölnischen Rundschau gegenüber erklärte die Rheinenergie: „Kein deutsches Wasserwerk entnimmt Flusswasser aus dem Rhein.“
Nicht spannend genug
Der Krimi, ob in gedruckter oder visueller Darreichung, ist immer geeignet, um Milieus oder Zusammenhänge darzustellen. Aber bei allem darf ein Aspekt nicht außer Acht gelassen werden: Die Suche nach einem Mörder muss spannend sein. Auch die Auflösung sollte überraschen. Hier wirkt sie eher ein wenig konstruiert, der Weg dorthin bemüht.
So munter, informativ und vor allem unterhaltsam Calle Fuhrs Soloabende sind, allen voran „René Benko“: „Dat Wasser vun Kölle“ will nicht in den Fluss kommen. Der Energielevel des Ensembles bliebt auf mittlerer Stufe, was ganz besonders bewusst wird, wenn Uwe Rohbeck als Angler sich hinreißend in „Matrix“-Fantasien aalt oder Katharina Schmalenberg als aalglatte Konzernchefin ein echtes Kabinettstück hinlegt.
Und plötzlich ist da Spannung im von Marleen Johow entworfenen und an die Rheinstufen erinnernden Bühnenbild. Zur Verteidigung des Sextetts sei aber auch gesagt, dass die Dialoge vielfach nicht über seichte Krimi-Klischees hinausgehen.
Dazu steht sich die Inszenierung immer wieder mit irritierenden Bremsklötzen selbst im Weg: Da erzählt etwa Rohbecks Angler direkt zu Anfang, welchen Müll er schon aus dem Wasser gefischt hat eine ganze Zeit später postiert sich das Ensemble schweigend um ein Becken und holt genau diese Gegenstände im Miniaturformat mit einer Kinderangel aus dem Wasser. Zu allem Überfluss fragt man sich, wie denn ein FDP-Wahlplakat von 2005 im Rhein überlebt haben will und warum es überhaupt eines mit dem 2016 an den Folgen von Leukämie gestorbenen Guido Westerwelle sein muss.
Zu viele Düsseldorf-Witze
Und so schön zwischen den Spielszenen die diversen Lieder über den Rhein von Willy Schneider bis Kasalla auch gesungen sind (Paula Carbonell Spörk möchte man einen ganzen Abend zuhören): Die Songs von der Auswahl her (oder durch die Arrangements von Tommy Finke) eher getragener Natur und tragen auch nicht dazu bei, dass das Stück in Schwung kommt.
Last, but not least: Zwei Düsseldorf-Witze an einem Abend im Kölner Schauspiel sind immer zwei zu viel. Selbst wenn man wie Calle Fuhr in der Landeshauptstadt geboren wurde.
105 Minuten (keine Pause). Wieder am 9. und 23.2. (beide Vorstellungen sind ausverkauft) sowie am 5. und 28.3.


