Köln – Der Hosenkrieg der höheren Töchter machte Schlagzeilen in Köln. An den Wirbel um die Kleiderordnung an der Liebfrauenschule erinnert sich nicht nur Schwester Corda (87) noch genau. Die damalige Schulleiterin von der katholischen Kongregation der Schwestern Unserer Lieben Frau sah sich im Frühjahr 1969 mit Mädchen konfrontiert, die gegen das Verbot von Beinkleidern revoltierten. Sie gestattete das Hosentragen zur Probe und stellte nach einer Woche fest: „Das sieht doch ganz reizend aus!“ Die Rockpflicht war ab sofort abgeschafft.
Der Hosenkrieg in der Brucknerstraße – eine unvergessliche Anekdote in der Geschichte der traditionsreichen katholischen Liebfrauenschule.
Geschichte des Gymnasiums
Die Liebfrauenschule (LFS) ist ein staatlich anerkanntes katholisches Gymnasium in Trägerschaft des Erzbistums Köln. Es zählt heute rund 1220 Schülerinnen und Schüler sowie 100 Lehrkräfte. 1916 übernahmen die Schwestern Unserer Lieben Frau eine private höhere Schule in der Casinostraße. 1917 folgte die Anerkennung als katholisches Lyzeum für Mädchen, 1918 zählte es bereits 400 Schülerinnen, der Umzug in ein Gebäude am Georgsplatz erfolgte, später der Neubau. 1939 wurde die Schule von den Nazis geschlossen, 1945 der Bau beim Bombenangriff zerstört, vier Schwestern starben. 1947 nahm die Schule den Betrieb an der Aachener Straße provisorisch wieder auf.
1953 startete die Liebfrauenschule im Neubau an der Brucknerstraße in Lindenthal. 1983 nahm das Gymnasium erstmals Jungen auf, 1989 übernahm das Erzbistum Köln die Trägerschaft von der Ordensgemeinschaft.(MW)
Sie feiert ihren 100. Geburtstag am morgigen 25. Februar bei einem Festakt in der Schule und mit einem Pontifikalamt im Dom. Dabei sein wird auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker, die 1975 ihr Abi dort machte – in einer Zeit, als das damalige Mädchengymnasium und das nahe Apostelgymnasium für Jungen aus pädagogischen Gründen unterschiedliche Pausenzeiten hatten. Und sie trafen sich doch, die Mädels und die Jungs. 1983 wurden dann Jungen als Schüler ganz offiziell in den Klassen aufgenommen.
Fundament christlicher Werte
„Am Anfang hatten sie es noch schwer so vereinzelt, aber bald entwickelte sich ein ausgeglichenes Verhältnis“, sagt die heutige Schulleiterin Ingrid Schulten-Willius. „Unsere Liebfrauenschule will eine gute Schule sein, in der junge Menschen gemeinsam lernen und im Rahmen des Ganztags gemeinsam gestalten“, heißt es im Leitbild der „LFS“ .
Auf dem Fundament christlicher Werte pflegt das Gymnasium eine Kultur der gegenseitigen Wertschätzung, des sozialen Engagements und fairen Miteinanders. Das Bewahren des Wertefundaments geht dabei einher mit Erneuerungsprozessen, einer Aufgeschlossenheit gegenüber pädagogischen Entwicklungen und kreativen Anstößen auch von außen. Ein Beispiel: Ein Professor erklärt demnächst, warum James Bond seinen Martini geschüttelt und nicht gerührt trinkt – und was das mit Physik zu tun hat. Auch Spaß am Lernen und Lehren ist eine wichtige Zutat im LFS-Cocktail mit gebundenem Ganztag.
Migration von Flüchtlingen
Das karitative Profil zeigt sich etwa in obligatorischen Sozialpraktika in Altenheimen und Krankenhäusern. Seit 2015 läuft das Flüchtlingsprojekt, in dem Migranten sofort in Regelklassen integriert werden.
Dabei greift ein individuelles Förderkonzept – auch das ein wichtiges Element im LFS-Programm. Die Latein-Eingangsklasse neben Englisch und das Musikprofil in Kooperation mit der Domsingschule sind weitere Besonderheiten im differenzierten Unterrichtsangebot mit Sprachen, Natur- und Gesellschaftswissenschaften.
„Die Schule ist gut aufgestellt. Wir müssen sehen, dass sie sich weiter so gut entwickelt“, wünscht sich Schulten-Willius. Neu ist die Anerkennung des Förderschwerpunkts Sehen: Die Inklusion von Schülern mit Behinderung wird ausgebaut. Und der Bau einer Mensa startet bald. Die Schule wünscht sich nicht zuletzt, dass die noch im Haus lebenden vier Nonnen lange wohlauf bleiben. „Die Schwestern haben aus dem Nichts, aus Trümmern die Schule aufgebaut, diese Energie ist bewundernswert!“ Die Schulglocke aus der Gründerzeit hängt im LFS-Foyer – und läutet zum 100. Geburtstag.