Die Tour gehört zu einer Reihe von bundesweiten Veranstaltungen, die dem früheren Kölner Oberbürgermeister und ersten Bundeskanzler anlässlich des Jubiläumsjahres gewidmet sind.
Zum 150. GeburtstagsSo ist Konrad Adenauers Wirken bis heute in Köln spürbar

Am Adenauer-Denkmal an der Apostelnkirche erklärt Jürgen Hollstein , welche Eigenschaften Konrad Adenauer hatte.
Copyright: Leonie Kirfel
„Am fünften Januar des Jahres tausend acht hundert siebenzig und sechs, vormittags um halb vier Uhr“ sei „ein Kind männlichen Geschlechts“ in der Balduinstraße 6 geboren worden, wie das Geburtenregister der Stadt Köln im schönsten Kanzleideutsch der Bismarckzeit bezeugt. An sich kein besonderes Ereignis, trotzdem erinnert ziemlich genau 150 Jahre später noch immer eine Steintafel an der verputzten Hauswand an diese eine Geburt. Eingraviert ist: „Konrad Adenauer wurde hier geboren am 5.1.1876“.
Auch auf einer der Klingeln des Mehrfamilienhauses, in unmittelbarer Nähe zum Rudolfplatz, steht der Name „Adenauer“. Diese führe aber schon lange ins Nichts, erklärte Stadtführer Jürgen Hollstein. Dennoch sei es „einer der wenigen Punkte, wo sich die Stadt Köln an ihren wahrscheinlich berühmtesten Sohn, zumindest in der neueren Zeit, erinnert“.

In der Balduinstraße steht das Geburtshaus von Konrad Adenauer.
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Hier beginnt die historische Führung zum 150. Geburtstag von Konrad Adenauer. Die Tour gehört zu einer Reihe von bundesweiten Veranstaltungen, die dem früheren Kölner Oberbürgermeister und ersten Bundeskanzler anlässlich des Jubiläumsjahres gewidmet sind. In diesem Fall wurde das Event von der Antoniter City Kirche angeboten und von dem CDU-Politiker Jürgen Hollstein durchgeführt. Ihm fiel direkt auf, wie viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gekommen waren: „Ich bin beeindruckt von der großen Zahl an Menschen. Normalerweise sind wir so mit vier bis acht Leuten unterwegs.“
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Und so machte sich die Truppe auf die Spuren von Konrad Adenauer in Köln – mit dem Ziel, geschichtsträchtige Orte und Ergebnisse seines Wirkens nachzuzeichnen. Von der Steintafel in der Balduinstraße ging es zur nächsten Bronzeplakette. Diesmal steht geschrieben: „Hier stand 1860 – 1939 das Apostelgymnasium, in dem Konrad Adenauer von 1885 – 1894 Schüler war“. Adenauer habe für seinen Deutschaufsatz in der Abiturprüfung damals die Note „genügend“ bekommen, was laut Hollstein zeige, dass er ein eher durchschnittlicher Schüler war: „Ein gutes Pferd springt nicht höher als es muss.“
Adenauer war kein Karnevalstyp
Ein paar Meter weiter steht das Konrad-Adenauer-Denkmal an der Kreuzung Apostelnstraße/Mittelstraße am Neumarkt. Auf dem Sockel, neben Adenauers linken Fuß, wurden vier Flaschen Kölsch abgestellt. Ein Mann im Wolfskostüm – mit Rotkäppchen im Schlepptau – zog rasch an der Gruppe vorbei und rief ihnen lallend zu: „Alaaf!“ Hollstein sagte dazu, „Adenauer war übrigens kein schunkelnder Karnevalstyp, er war ein eher distanzierter Charakter“.
Zwar war Adenauer kein Karnevalist, aber dafür ein technikaffiner Erfinder – was besonders während des Ersten Weltkriegs spürbar wurde. Als Kölns Erster Beigeordneter (1909 – 1917) war er zuständig für die Lebensmittelversorgung der Stadtbevölkerung. In der Not führte er Ersatzprodukte wie das „Rheinische Schwarzbrot“, das einem Schrotbrot ähnelte, oder die „Kölner Wurst“ aus Sojamehl ein. Auch Graupen waren für ihn ein nützliches Mittel, weshalb er kurzerhand den Spitznamen „Graupenauer“ bekam. Das „Adenauerbrot“ kann man noch heute in der Bäckerei „Balkhausen“ kaufen. Die Führung endet am historischen Rathaus, wo Adenauer vor allem als Oberbürgermeister von 1917 bis 1933 gewirkt hat. In seiner langen Amtszeit hat er einige Projekte mitumgesetzt, die Köln bis heute prägen: den Grüngürtel, die Messehallen in Deutz, die Neugründung der Universität, die erste Autobahn zwischen Köln und Bonn sowie der Bau des Niehler Hafens. Teure Bauvorhaben, die nicht unumstritten waren. „Er war bekannt als Schuldenkönig. Was ihm extrem in die Karten gespielt hat, war die Inflation der 1920er-Jahre“, so Hollstein.
Während der NS-Zeit wurde Adenauer seines Amtes enthoben und mehrmals inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg half er dabei, Köln zum Medienstandort auszubauen, indem er sich unter anderem für die Ansiedlung des WDR einsetzte – wovon die lokale Wirtschaft bis heute profitiert.
Martin Werner und Carmen Juhn aus Neuwied sind extra für die Führung angereist. Juhn hat besonders gefallen, dass man über die lokalen Anekdoten einen viel menschlicheren Zugang zum sonst so fern wirkenden ehemaligen Bundeskanzler bekommen habe. Werner ergänzt: „Es ist erstaunlich zu sehen, was Konrad Adenauer alles angestoßen und durchgesetzt hat. Das ist ja Wahnsinn, was der für Kölle alles gemacht hat!“
