Köln – Nach Birgit Meyers Vertragsende 2021 gewährt die Stadt Köln dem Generalmusikdirektor (GMD) François-Xavier-Roth größere Kompetenzen in der Oper: Er verantwortet dann die Entscheidung über die Gastdirigenten und ständigen Musiker, die Intendanz muss lediglich „eingebunden“ werden. So wie der GMD umgekehrt in die Ensemblezusammenstellung. Gegenüber dem Status quo ist dies ein beachtlich wachsender Einfluss des GMD, dessen Klangkörper überdies vergrößert wird.
Köln setzt damit alles auf Roth, der schon bei seiner vorletzten Vertragsverlängerung 2018 auf eine Trennung der Stadt von Meyer gedrungen hatte – damals noch vergeblich. Die Aussicht, den vorzüglichen Dirigenten womöglich bis 2027 am Rhein halten zu können, erkauft man sich freilich teuer: mit einem doppelten Handicap in der nun rasch notwendigen Neubesetzung der Intendantenstelle.
Erstens wird wahrs cheinlich in Kürze für die Baustelle am Offenbachplatz eine weitere Verzögerung verkündet, die hinter das Einzugsdatum in die renovierten Häuser ein tiefrotes Fragezeichen setzt.
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Zweitens dürften sich selbstbewusste Opernchefs fragen, ob sie tatsächlich in eine Stadt wechseln wollen, die ihrem Generalmusikdirektor derartige Spielräume eröffnet. Die Doppelrolle des Gürzenich-Orchesters in Sinfoniekonzerten und im Musiktheater funktioniert ohnehin nur bei passender Chemie zwischen GMD und Intendant/in. Anderenfalls drohen Eskalationen wie 1998, als Generalmusikdirektor James Conlon die Operndienste verweigerte und Generalintendant Günter Krämer selbst auf Dirigentensuche ging. Graeme Jenkins jedoch wurde von den Musikern abgelehnt.
Und wozu die Wahl eines allzu anpassungsfähigen Intendanten führen kann, zeigte sich bei Christoph Dammann, der 2004 strenge Sparauflagen samt Personalabbau akzeptierte. Er steigerte zwar die Ausla stung der Oper, aber nicht deren künstlerisches Niveau. 2008 wechselte er nach Lissabon.
Kein Zweifel, die von Oberbürgermeisterin Henriette Reker geplante Findungskommission für die Meyer-Nachfolge wird ein äußerst glückliches Händchen brauchen.
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