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Kreis optimistischHybrid-Campus in Euskirchen soll bald realisiert werden

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So könnte der Hybrid-Campus aussehen: Die Initiatoren zeigen sich überzeugt, dass unter anderem Handwerk und Kreativwirtschaft im Kreis dadurch belebt werden können.

Kreis Euskirchen – Wenn die Wirtschaftsförderin des Kreises, Iris Poth, über das Vorhaben Hybrid- Campus spricht, entsteht unweigerlich ein Bild vor dem geistigen Auge. Es zeigt ein Gebäude größtenteils aus Holz, davor junge und nicht mehr ganz so junge Menschen, die mit einem Kaffeebecher in der Hand unter Bäumen ins Gespräch vertieft sind, bevor der eine in die Vorlesung geht, eine andere zur Videokonferenz ins gemietete Büro eilt und ein selbstständiger Handwerker sich zur Fortbildungsveranstaltung aufmacht, um zu erfahren, wie er die Firma fit für die digitalen Anforderungen machen kann. Vielleicht trifft man sich danach ja nochmal in der Cafeteria. Zu erzählen gäbe es sicherlich einiges, Kontakte wollen gepflegt werden – oder wie man in diesen Kreisen sagt: Man vernetzt sich.

Die Rede ist nicht von einer Elite-Uni in Kalifornien im Dunstkreis des Silicon Valley, sondern – ein paar Nummern kleiner natürlich – von Euskirchen, genauer gesagt: von einem Hybrid-Campus am westlichen Rand der Kernstadt. Auch hier geht es ums Gründen, ums Qualifizieren, um Innovation, um Wachstum. 7000 Quadratmeter Gebäudefläche schweben den Initiatoren dafür vor – in direkter Nachbarschaft zur Generalmajor-Freiherr-von-Gersdorff-Kaserne.

Guter Dinge: Iris Poth hofft, dass die Campus-Pläne die Fördergeber überzeugen.

Klingt ambitioniert, doch den Status eines unerfüllbaren Wunschtraums hat das Projekt bereits hinter sich gelassen. 2022 Planung, 2023 Baubeginn, 2024 Fertigstellung, unmöglich sei das nicht. Iris Poth und ihr Team zeigen sich recht zuversichtlich, was die Realisierung betrifft – spätestens, nachdem im Mai 2020 der erste von drei Sternen im Förderverfahren eingefahren wurde. Wenige Monate zuvor hatte der Kreis eine Projektskizze für das Sofortprogramm Plus des Rheinischen Reviers eingesandt, die offenkundig auf Gefallen stieß.

Kreissparkasse im Boot

Und Geld ist da. Es liegt im mit gut 14 Milliarden Euro gefüllten Fördertopf, der den bis spätestens 2038 angepeilten Kohleausstieg wirtschaftlich abfedern soll. Ein großer Kuchen, von dem sich auch der Kreis Euskirchen ein Gäbelchen voll abschneiden möchte. Zwar bleibt er vor riesigen Kratern, die der Kohleabbau anderorts hinterlässt, verschont. „Doch auch hier gibt es Unternehmen, denen Aufträge – etwa von RWE – verloren gehen werden“, blickt Poth in die Zukunft, in der die treibhausgasintensive Kohleverbrennung Geschichte sein wird. Dass daher auch die Randregionen der Abbaugebiete nicht ihrem Schicksal überlassen werden sollen, ist Konsens in der Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR), die den Strukturwandel führt.

Der Komplex

Nach den ersten Plänen soll der Campus vermietbare Büroflächen (1830 Quadratmeter) bieten. Insgesamt 450 Quadratmeter groß wären die Räume für Freiberufler oder Start ups, die sich (noch) nicht an einen festen Standort binden wollen (Co-Working-Flächen). Ebenfalls vorgesehen sind Schulungs- und Konferenzräume (600 Quadratmeter), Gastronomie (150), Hallen und Werkstattflächen (1600) sowie Neben- und Konstruktionsflächen (2200). (sch)

So geht der Griff nach den Fördersternen weiter, im August könnte der zweite den weiteren Weg zu den Fördertöpfen weisen. Dieser Tage sollen die Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie weitere Munition für die Projektskizze liefern. Bis zum 18. August, so der Plan, wird sie pünktlich zur ZRR-Aufsichtsratssitzung eingereicht – in der Hoffnung, das Gremium knipst Stern Nummer zwei an. „Ich bin guter Dinge“, sagt Iris Poth. Mit dem dritten und letzten Stern können die Fördermittel beantragt werden. Von 80 bis 90 Prozent Zuschuss ist die Rede. Angesichts des frühen Stadiums wagt sich aber noch niemand mit einer Kostenschätzung aus der Deckung.

Einattraktiver Innenhof könnte zum Knüpfen wichtiger Kontakte einladen, heißt es in der Planskizze.

Es schadet aber sicher nicht, Mitstreiter zu haben. Etwa die Kreissparkasse Euskirchen (KSK), deren Vorstandsvorsitzender Udo Becker in dem Campus die Chance sieht, „den Wirtschaftsstandort Euskirchen zu stärken und eine über den Kreis Euskirchen hinaus weisende Keimzelle für Unternehmensgründung, -qualifizierung und -wachstum zu schaffen“. Er freue sich, dass die KSK Teil der Projektinitiative sei: „Wie unser Engagement im Rahmen des Projektes genau aussehen wird, steht aktuell noch nicht fest“, so Udo Becker.

Agit als Betreiber?

Dabei denken die Initiatoren nicht nur an die Arbeitsplätze und etwaigen Umsätze durch die Einrichtung direkt, sondern vorrangig an die Ausstrahlung auf den Wirtschaftsstandort Kreis Euskirchen. In der Digitalisierung biete der ländlich geprägte Raum Unternehmen Chancen, die nicht auf die räumlichen Nähe zur potenziellen Kundschaft angewiesen sind, betont Iris Poth. Gerade, was die Kreativwirtschaft betreffe. Für Unternehmen, die ihre Vertriebswege digital gestalten, könnte die schöne (Vor-) Eifellandschaft eine Standortalternative zur lärmenden Großstadt sein – vernünftiges Internet vorausgesetzt. Und wer quält sich schon gerne durch die Staus zum Büro nach Köln oder Bonn, wenn er seine Arbeit für die Firma aus einem gemieteten Büro auf dem Campus über die Datenautobahn beisteuern kann? Vom Umweltgedanken ganz abgesehen.

Die drei Säulen des möglichen Hybrid-Campus

Gründen: Auch ein Masterstudium soll auf dem Hybrid-Campus in Euskirchen möglich sein. Mit dem Studiengang Entrepreneurship soll eine Option geboten werden, mit dem das eigene Unternehmen zeitgleich zum Studienobjekt wird. Der Studiengang wendet sich an Unternehmer, die Professoren werden zu Coachs. Workshops und Gründerwerkstatt sowie Vernetzung sollen Gründern helfen.

Qualifizieren: „Mittelstand bildet Mittelstand aus“, nach diesem Prinzip sollen digitale Arbeitsprozesse erprobt und vermittelt werden. „Der Studiengang Digital Transformation Management verbindet Technik, smarte Managementstrategien, Philosophie, Soziologie, Kommunikation und Psychologie mit der praktischen Anwendung“, heißt es in der Projektskizze. Er befasse sich mit den Veränderungen in der digitalen Arbeitswelt und folge dem Prinzip „Kompetenzen. Kommunikation. Konzepte. Karriere“. Hier könnten Arbeitnehmer(innen), die sich selbstständig machen wollen, weiterbilden und Firmen ihr Fachpersonal weiterbilden lassen.

Innovation und Wachsen: Wohin gehen die Entwicklungen? Was muss getan werden, um das Unternehmen auch künftig auf dem Markt platzieren zu können? Ein Foresight Lab (Foresight, englisch für Voraussicht) soll die Sinne für vorausschauende Strategien für kleine und mittlere Strategien schärfen. „Das Foresight Labor“, schreiben die Autoren der Skizze, „ist ein innovativer Ansatz um Foresight auf Spitzenniveau zu gestalten und auch für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich zu machen.“ (sch)

Aus all diesen Gründen unterstützt auch die Aachener Gesellschaft für Innovation und Technologietransfer (Agit) das Projekt von der ersten Stunde an, wie Florian Deutz vom Projektmanagement „Start up, Entrepreneurship, Innovation“ erklärt. Schon 2019 hatte die Wirtschaftsförderungsgesellschaft in einer Studie festgestellt, dass auch der Kreis Euskirchen vom „braunkohleinduzierten Strukturwandel“ betroffen sei. Da könne der Hybrid-Campus einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Schaffung neuer zukunftsfähiger Arbeitsplätze im ländlichen Raum leisten.

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Deutz kann sich sogar vorstellen, dass die Agit den Auftrag für den Betrieb des Campus übernimmt: „Hierzu gehören Aufgaben wie Mieterbetreuung oder kaufmännisches- und technisches Management der Gebäude auf operativer Ebene.“ An Erfahrungen mangele es der Agit in diesem Bereich nicht, stellt Deutz klar. Doch zunächst gilt es, weitere Sterne zu sammeln.