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Dämpfer für den E-Auto-StandortMarelli schließt Kölner Werk auf dem Ford-Gelände

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Mit einem hohen Automatisierungsgrad produziert Marelli in Köln E.Motoren.

Mit einem hohen Automatisierungsgrad produziert Marelli in Köln E.Motoren.

Nur einen Tag nach der feierlichen Eröffnung des E-Auto-Werks bei Ford kommt eine kalte Dusche für den E-Auto-Standort Köln.

Im März des kommenden Jahres schließt Marelli sein Werk auf dem Ford-Werksgelände, in dem Elektromotoren etwa für Porsche hergestellt werden. Aber auch für zwei weitere deutsche Standorte kommt das Aus.

„Speziell in unserem Werk in Köln waren wir mit einer unvorhergesehenen Verschlechterung der Auftragslage konfrontiert“, teilte Marelli zur Begründung der Werksschließung auf Anfrage der Rundschau mit. In konstruktiven Gesprächen mit Betriebsrat und Gewerkschaften über eine sozialverträgliche Regelung hätten sich beide Seiten über einen Sozialplan geeinigt. Der stelle eine faire und sozialverträgliche Lösung für alle Beschäftigten im Kontext des rückläufigen Geschäfts dar, so Marelli. Er gewährleiste auch den Betrieb in der nahen Zukunft bis zur Einstellung der Produktion im März 2024, so Marelli in einer Stellungnahme. Einzelheiten wollte das Unternehmen, das auch ein Werk in Thüringen schließt, nicht nennen.

Auch Paul Hecker, Mitglied der Geschäftsführung der IG Metall Köln-Leverkusen, bezeichnet den Sozialplan als fair. Die Höhe einer Abfindung bei Kündigungen richtet sich stark nach der Betriebszugehörigkeit. Die ist naturgemäß bei Unternehmen, die sich neu ansiedeln, gering. Es sei dafür ein hoher Sockel vereinbart worden, so Hecker. Der trage auch der Tatsache Rechnung, dass Mitarbeitende aus festen Jobs zu Marelli gewechselt seien, weil sie die neue Arbeit an E-Motoren gereizt habe.

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Kündigungen werden jetzt übergeben

Laut Hecker werden die Kündigungen jetzt den Mitarbeitenden übergeben. Wirksam würden die zum Jahresende. Wer so lange bleibt, bekomme auch eine Halteprämie. Die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt für die Facharbeiter bei dem Unternehmen schätzt er als gut ein. Derartige Fachkräfte würden gesucht. Hecker sagt aber auch, die IG Metall habe sich die Verankerung der neuen Technik in der Region gewünscht.

Werk nahm erst 2021 die Arbeit auf

Erst im November 2020 hatte Marelli die Pläne für ein neues Werk vorgestellt und in der ersten Jahreshälfte 2021 auf von Ford gemieteten 18 000 Quadratmetern neue Fertigungslinien für E-Motoren aufgebaut und die Produktion gestartet. Für Köln, so Marelli damals, hätten die Lage im Zentrum Europas, viele verfügbare Fachkräfte, aber auch die Möglichkeiten im Bereich der Forschung, insbesondere die Nähe zur Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule (RWTH) Aachen gesprochen. Der Elektromotor sei noch lange nicht ausentwickelt, hieß es damals.

Marelli setzt auf 800-Volt-Elektromotoren. Porsche rüstete sein vollelektrisches Modell Taycan S mit dem Marelli-Antrieb aus und brachte damit 2019 das erste Serienfahrzeug mit 800-Volt-Technologie auf den Markt. Üblich war damals eine Systemspannung von 400 Volt, auf die beispielsweise Tesla setzte. Aber mehr und mehr Hersteller fokussieren sich auf 800 Volt. Die Vorteile: Mehr Leistung, größere Reichweiten, geringere Ladedauer und ein geringeres Gewicht der Verkabelung. Bei einem Besuch im Herbst 2021 hatte der damalige NRW-Wirtschafts- und Innovationsminister Andreas Pinkwart die Standortentscheidung als „mutiges Zeichen für den die Zukunftsfähigkeit des Autostandorts Köln und für die Attraktivität des Standorts Nordrhein-Westfalen für die Automobilbranche“ bezeichnet.

Hohe Ziele nicht verwirklicht 

132 Mitarbeitende arbeiteten damals an zwei Produktionslinien. Vieles läuft automatisch, Roboter erledigen viele Arbeiten. Aber Marelli hatte viel vor. Auf über 200 sollte die Zahl der Mitarbeitenden steigen. Weitere Kunden sollten gewonnen werden – man sei in Gesprächen mit allen deutschen Autobauern, so Marelli damals. Hecker berichtet aber auch über eine hohe Fluktuation bei der Belegschaft. Aktuell sind im Werk 140 Mitarbeitende beschäftigt.

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