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Corona-ImpfungenKölns Hausärzte bekommen nicht mal mehr eine Ampulle leer

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Symbolbild 

Köln – Der Betrieb im Impfzentrum der Messe ist am Montag nach dem Umzug wieder angelaufen. Die Halle fällt nun eine Nummer kleiner aus, aber noch immer verfügt das Zentrum über eine theoretische Kapazität von 7000 Impfungen am Tag.

Doch der Andrang hat nicht nur im Impfzentrum deutlich nachgelassen. Bei den Impfaktionen der Stadt haben sich am Wochenende 123 Menschen am Sport- und Olympiamuseum impfen lassen, in Dellbrück kamen 80 Impfwillige, im Gesundheitsamt waren es nochmal 303 Personen.

Nicht mal genug Interessenten, um eine Ampulle zu leeren

Das Impftempo stagniert bereits seit einigen Wochen. Für viele Hausärzte bedeutet die geringe Nachfrage nach Impfterminen ein echtes Problem. In seiner Praxis hatte Dr. Jürgen Zastrow, Kölns Impfarzt, am Freitag sechs Impftermine für Montag angeboten.

Weil sich nur ein Interessent gemeldet hat, kam die Impfung nicht zustande. Denn mit einer Impfampulle des Herstellern Biontech/Pfizer können sechs Spritzen aufgezogen werden. „Die Spritzen können wir vier Stunden nutzen. Aber derzeit fehlen uns die Patienten, die sich impfen lassen wollen“, sagt Zastrow.

Mit seiner Beobachtung ist der Mediziner kein Einzelfall. Als Vorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung in Köln kennt er die Lage in den Hausarztpraxen der Stadt. „Der organisatorische Aufwand für die Impfungen ist groß. Oft muss den Leuten hinterhertelefoniert werden, oder Termine werden nicht eingehalten“, sagt Zastrow. Die Maßgabe, sechs Impfwillige binnen weniger Stunden in eine Praxis zu lotsen, ist offenbar eine große Herausforderung.

66 Prozent der Menschen in Köln vollständig geimpft

Den vollen Impfschutz genießen in Köln bislang 66,5 Prozent der Bevölkerung (724 241 Personen), die Quote der unvollständig geimpften Menschen liegt bei 70 Prozent (762 625 Personen). Einige Hoffnung hatte die Stadt am vorvergangenen Wochenende in die gemeinsame Impfaktion mit dem Festkomitee Kölner Karneval auf dem Heumarkt gelegt – am Ende kamen 150 Menschen. „Für mich war das enttäuschend. Denn feiern wollen bei der Sessionseröffnung bestimmt deutlich mehr Menschen“, hatte Oberbürgermeisterin Henriette Reker unlängst festgestellt.

Skepsis herrscht vielfach auch bei der Impfung von Kindern und Jugendlichen. Für die Impfaktion in einem rechtsrheinischen Gymnasium haben bislang nur eine Handvoll Schülerinnen und Schüler ihr Interesse bekundet. Die Kernfrage lautet: Sollen sich Jugendliche impfen lassen, obwohl die Symptome bei einer Infektion mit dem Coronavirus eher harmlos ausfallen?

Risiko für Herzmuskelentzündung liegt bei 1:28.0000

Als Nebenwirkung der Impfung kann mit einer bislang ermittelten Wahrscheinlichkeit von 1:28.000 eine Herzmuskelentzündung auftreten. Kölns oberster Impfarzt hat eine klare Meinung: „Herzmuskelentzündungen lassen sich gut behandeln und heilen folgenfrei aus – anders als das Phänomen Long Covid. Von der reinen Logik her ist das Impfrisiko viel geringer als das Erkrankungsrisiko durch das Coronavirus“, sagt Dr. Jürgen Zastrow.

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Er hofft, dass sich die Impfquote noch Richtung 80-Prozent-Marke bewegt. Bei Jugendlichen liegt die Quote bislang bei rund 25 Prozent, einfach geimpft sind bereits 40 Prozent.