Im Kölner StadtmuseumKonrad Adenauer erinnert sich an Besuch von Charles de Gaulle

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In der Menge wiedergefunden: Die Erinnerungen von Konrad Adenauer (Enkel) an den Besuch von Charles de Gaulle interessierten auch den französischen Generalkonsul Étienne Sur (r.).

In der Menge wiedergefunden: Die Erinnerungen von Konrad Adenauer (Enkel) an den Besuch von Charles de Gaulle interessierten auch den französischen Generalkonsul Étienne Sur (r.).

Köln – In der Pop-up-Bar im rückwärtigen Teil des Stadtmuseums wird zurzeit der legendäre Besuch von Charles de Gaulle in Köln vor 60 Jahren gefeiert. Auf dem größten Foto der Ausstellung hat sich ein Zeitzeuge wiedererkannt, und der trägt einen großen Namen: Konrad Adenauer ist der Enkel des Bundeskanzlers, der den französischen Präsidenten am 5. September 1962 persönlich durch Köln führte.

Jetzt teilte Konrad Adenauer in der Gesprächsveranstaltung „Mein Großvater und de Gaulle“ seine persönlichen Erinnerungen an den legendären Besuch. Was der 77-jährige frühere Kölner Notar zu sagen hatte, interessierte auch den neuen Generalkonsul der Französischen Republik, Étienne Sur.

Enkel des Bundeskanzlers genoss keine Privilegien

Adenauer war ein 17 Jahre alter Unterprimaner, wie Gymnasiasten ein Jahr vor dem Abitur damals noch genannt wurden. Dass er der Enkel des Bundeskanzlers war, verschaffte ihm keine Privilegien; er musste wie jeder gewöhnliche Kölner vor dem Rathaus stehen und den Hals recken, um einen Blick auf de Gaulle zu erhaschen, als er ein Bad in der Menge nahm.

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Beim Kaffeetrinken im Haus seines Großvaters in Rhöndorf durfte der junge Konrad auch nicht dabei sein, nur seine Eltern. Ein zweites und letztes Mal sah er den „General“, so de Gaulles Beiname, bei der Beerdigung des „Alten“, so Konrad Adenauers Spitzname, im April 1967. Die Hand geschüttelt hat er dem französischen Staatspräsidenten nie.

Charismatisch und autoritär

Aus eigener Erfahrung bestätigte der Nachfahre, was Konrad Adenauer nachgesagt wurde. Charismatisch, durchsetzungsstark und bisweilen autoritär soll er gewesen sein. „Ein Adenauer musste immer der Beste sein, hieß es.“ Taschengeld für ein gutes Zeugnis gab es nur, wenn die Noten gut genug waren. Die Weihnachtsgeschenke für alle Enkel gleichermaßen bestanden aus einer Tüte, in der eine Orange, eine Mandarine und ein 20-Mark-Schein steckten. Ein Opa zum Kuscheln war er gewiss nicht: „Er wollte nicht von seiner großen Familie erdrückt werden, zog sich schnell zurück“, erzählte Adenauer.

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Der große Name belastete den Enkel aber offenbar nie. „Ich freue mich, wenn mich jemand darauf anspricht“, versicherte er. Bewunderung schwang in seinen Erinnerungen mit für den Beitrag beider Staatsmänner zu einem geeinten und friedlichen Europa. Der Élysée-Vertrag, den Konrad Adenauer und Charles de Gaulle am 22. Januar 1962 schlossen, besiegelte die deutsch-französische Freundschaft der einstigen Kriegsfeinde. Als der Bundestag im April 1963 nach anfänglicher Ablehnung über das Friedenswerk abstimmte, saß Konrad Adenauers gleichnamiger Enkel auf der Zuschauerbank.

„Beide Politiker wussten, dass sie schlaue Kämpfer sein müssen, die bereit sind, auch ohne Gutachten und Kommissionen eigene Entscheidungen zu treffen, um Fakten zu schaffen“, sagte der Bundeskanzler-Enkel. Dass sich „der Alte“ und „der General“ wohl sehr ähnlich in der Persönlichkeit und Haltung gewesen sind, bestätigte der französische Generalkonsul gerne.

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